Wegen neuer Gebühren Taxifahrer sauer auf Taxi-App "Mytaxi"

Mit der App Mytaxi kann ein Taxler auf seinem Smartphone sehen, wie viel Kollegen für eine Fahrt bieten. Foto: dpa

Taxifahrer in München rebellieren gegen eine Smartphone-App, die ihnen Fahrgäste vermittelt. Der Grund: Sie müssen für Fahrgäste jetzt bieten.

München - Wer in München in ein Taxi steigt, ist nicht mehr bloß Fahrgast. Er ist eine Ware. Die man handeln kann wie Stahl, Aktien oder Gold.

Die Auktion läuft seit Anfang Februar. Rund um die Uhr, Tag und Nacht – im Internet. Über die Smartphone-App „Mytaxi“ bieten Taxifahrer für neue Passagiere um die Wette. Das gibt jetzt Ärger.

Rund 300 Leute nutzen die App in München, sagt der Landesverband der bayerischen Taxiunternehmer. Mytaxi gibt zu einzelnen Städten keine Zahlen heraus – zählt aber rund 18 000 Kunden in Deutschland. Die Idee: Mytaxi bringt Kunden und Fahrer zusammen. Der Kunde fordert ein Taxi über sein Smartphone an, Mytaxi vergibt den Auftrag. Bis Ende Januar zahlte der Taxler pro Auftrag 79 Cent Gebühr.

Das hat sich jetzt komplett geändert. Jetzt geben die Fahrer an, wie viel Gebühr sie für eine Fahrt zahlen wollen – von drei bis 15 Prozent des Fahrpreises. Auf ihrem Telefon können sie in Echtzeit sehen, was andere bieten – wie bei einer Versteigerung.

Genau das versetzt zigtausende deutsche Taxler in Rage: In Hamburg gab es eine Taxler-Demo gegen das neue Gebühren-Modell. Auf der Facebook-Seite von Mytaxi hagelt es Beschimpfungen – auch von Kunden. „Der Unmut ist überall groß“, sagt auch der Vorsitzende des Landesverbands bayerischer Taxiunternehmer. Viele Taxler seien empört, dass sie gegen Kollegen bieten sollen.

AZ-Besuch am Hauptbahnhof. Hier regen sich viele Taxler über die App auf: „Katastrophal“ seien die neuen Gebühren, sagt Hocine Arab. „Das ist die reinste Abzockerei. Mir ist das viel zu teuer.“ Der Algerier weigert sich, mitzubieten. „Ich mache da nicht mit“.

Atakhan Schkeb (38) hat schon gekündigt: „Ich musste für Fahrten bis zu fünf oder sechs Euro abdrücken – ich bin doch nicht dumm!“ Herbert Jöllingen hat die App auch gelöscht: „Schade“, sagt er, „ich war einer der ersten in München, die dabei waren“. Wegen des Wettbietens habe er gekündigt: „Das ist ein Ausspielen der Fahrer gegeneinander.“ Die Versteigerung funktioniere eh nicht, „weil viele gleich 15 Prozent bieten, um jeden Job zu bekommen“.

Ein weiterer Kollege ist noch dabei – aber auch skeptisch. „Ich habe die App bei meinen Kunden die ganze Zeit hochgelobt, und jetzt kommens daher und wollen ihren Gewinn auf unsere Kosten einfahren!“ Mitbieten werde er nicht: „Ich zahle nur drei Prozent“, sagt er. „Bis zu einem Fahrtbetrag von 30 Euro fahre ich so sogar günstiger als früher.“ Eine Fahrt zum Flughafen für rund 70 Euro rechne sich dagegen nicht mehr: „Da müsste ich 2,10 Euro zahlen – das ist mir zu viel.“

Mytaxi hat wegen der Klagen Callcenter eingerichtet, „die Tag und Nacht besetzt sind“, sagt Sprecherin Lina Wüller. „Es gibt so viele Missverständnisse.“ Einer sei, dass nur der Meistbietende die Fahrt bekomme. Genauso wichtig sei aber auch die Bewertung des Fahrers – am Ende entscheide sogar die Nähe zum Fahrgast.

„Für uns zählt, dass der Kunde zufrieden ist“, sagt Wüller. Dafür verzichte man auch auf eine höhere Gebühr. Was dagegen spricht, ist ein Satz auf einem Info-Flyer der Firma für die Fahrer: „Stellen Sie mehr ein, als Ihre Kollegen bieten“, steht da als „Tipp“ zum Bieteverfahren. „So erhalten Sie mehr Touren.“

Dass Mytaxi mit dem neuen Modell durchkommt, glauben viele Münchner Taxler nicht: „Was sollen sie machen, wenn wir nicht einverstanden sind? Ohne uns können sie nicht leben“, sagt Hocine Arab. „Ich hoffe, dass bald ein neuer Anbieter kommt.“ Ein anderer Fahrer gibt sich kämpferisch: „Die beißen sich an uns die Zähne aus. In Bayern ticken die Uhren anders.“

 

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