Wegen der Karriere: Machen Polizisten darum Jagd auf die Autofahrer?

Schikane oder sinnvoll: Bei Kontrollen betrunkene Autofahrer zu erwischen, gilt unter Polizisten als Königsdisziplin. Foto: dpa

 ANSBACH Es scheint unglaublich: Wer mehr kontrolliert und Strafzettel schreibt, macht bei der Ansbacher Polizei Karriere. Der Druck auf die einzelnen Ordnungshüter sei so enorm, dass regelrecht nach Opfern gesucht werde, schreibt die Fränkische Landeszeitung. „Es gibt Strichlisten darüber, wie viele Autofahrer pro Monat und Jahr von welchem Beamten der Polizeiinspektion Ansbach kontrolliert und angezeigt wurden“, schreibt die FLZ, an die sich mehrere Beamte anonym gewandt hatten. Der Bericht schlägt hohe Wellen.

Wer nicht genügend Anzeigen und Verwarnungsgelder vorweise, werde zum Rapport beim Chef gebeten. „Indirekt werde man der Faulheit bezichtigt“, zitiert das Blatt einen Betroffenen. Sogar dienstliche Konsequenzen würden angedroht. „Wer die Bürger nicht so gängele, wie es sich die Inspektionsspitze vorstelle, dessen berufliche Zukunft sei in Gefahr.“

Berichtet wird, dass es bei Radarkontrollen schlicht darum gehe, die Kasse klingeln zu lassen. So werde an Stellen gemessen, wo es nicht mal einen Unfall gegeben hat.

Jagd auf Autofahrer ist von ganz oben angeordnet

Traurig aber wahr: Die zum Teil schikanöse Jagd auf Autofahrer – in Ansbach ergaben bei bestimmten Ordnungshütern 19 von 20 Tests 0,0 Promille – hat Methode. Sie ist, wie die Abendzeitung von einem Insider erfuhr, sogar von ganz oben angeordnet: „Es gibt im Ministerium einen Verfolgungsindex bei Trunkenheitsfahrten. Die Kontrollintensität muss so hoch sein, dass man bei sechs Autofahrern einen blau erwischt“, erklärt der Beamte, der sich noch an Zeiten erinnert, als er selbst nach einem Anschiss vom Chef nachts rausfuhr, um „einen zu kriegen. Damit mein Name auch mal wieder im Blutbuch steht“.

Einen blauen Autofahrer zu erwischen gelte als Königsdisziplin: „Die Gefahr besteht, dass die Kollegen gar nicht mehr auf die rechtliche Konstellation achten – sondern nur noch anhalten“, weiß ein Gewerkschafter, erklärt aber auch den Grund für die Vorgaben von oben: die Gefahr von Promillefahrten. Allerdings. so betont der Beamte: „Von 21 Punkten, mit denen über die Beförderung eines Kollegen entschieden wird, ist nur einer die Quantität von ausgestellten Strafzetteln.“

Trotzdem fürchtet so mancher Ansbacher Beamter um seine Karriere. Denn Ende Mai stehen wieder Beurteilungen an...

 

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