Wegen der Corona-Krise München: Die Friesische Teestube ist Geschichte

Daniel von Loeper
Ein Bild aus besseren Tagen: Alt-OB Christian Ude beim Frühstück in der Teestube. Foto: AZ-Archiv/v. Loepe

Das Stammcafé von Alt-OB Christian Ude macht nicht wieder auf. In der AZ spricht der Chef über den traurigen Abschied von der Friesischen Teestube.

 

München - Immer wenn es in der Wohngemeinschaft zu laut zum Lernen gewesen sei, hat Alt-OB Christian Ude einmal der AZ erzählt, sei er in die Friesische Teestube ausgewichen. Nun sind Udes Studentenzeiten schon ein paar Jahrzehnte her – und doch sah es hier in der Teestube am Schwabinger Pündterplatz bis zuletzt so urig-gemütlich aus wie eh und je.

Mit den Sesseln, der alten Uhr an der Wand, den Stehlampen. Und mit Christian Ude, der an seinem Tisch saß, als sei das Schwabing da draußen noch das Schwabing von einst. Traf man sich hier mit dem Alt-OB auf ein Frühstück, war die Bestellung schnell erledigt. "Wie immer?", fragte Wirt Oswald Telfser. Ude nickte – und bekam sein Ei, seinen Orangensaft und auch sonst, was er sich wünschte.

Am Samstag feiert die Friesische Teestube ihren Abschied

Aus, vorbei, für immer. Am Freitag teilte Telfser mit, dass er seine Friesische Teestube nicht mehr öffnen wird. Christian Ude – und bei weitem nicht nur er braucht ein neues Stammcafé. In diesen Räumlichkeiten wird es nicht mehr sein. Laut Telfser hat der Vermieter angekündigt, dass ein Kunstatelier einziehen soll. Er spüre eine "besondere Traurigkeit", sagt der Wirt, als die AZ ihn am Freitag besucht. "Die Teestube war für die Stammkunden eine Oase. Es galt der Wunsch: Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen."

Seit dem 19. Mai 1976, er weiß es noch ganz genau, hat er die Teestube geführt. Seine Frau Kerstin Förster hat im viel geholfen. Telfser gibt aus gesundheitlichen Gründen auf – den letzten Ausschlag hat aber die Coronakrise gegeben. "Ich bräuchte bei den neuen Regeln mehr Personal bei weniger Gästen und das wäre finanziell nicht zu stemmen." Am Samstag von 12 Uhr an können Gäste noch einmal in die Stube kommen, um sich zu verabschieden – und vielleicht sogar ein Teil dieses besonderen Orts als Erinnerung mitzunehmen. Dann ist endgültig Schluss.

Ex-OB Ude: "Es war immer wie eine Zeitreise in meine Studentenzeit"

Nach 44 Jahren, nach 360 Arbeitstagen im Jahr, die er zuletzt gehabt habe, wie Telfser sagt. Er hofft, dass in Schwabing noch einmal Ähnliches entsteht. "Gerade jetzt in Corona-Zeiten braucht es eine Teestube für die Gesellschaft", sagt er. Es sei jetzt Aufgabe der Jugend, wieder so etwas zu erschaffen. Auch dieser Jugend ist es schließlich zu Hause mal zu laut. Wie früher dem Alt-OB.

Der erfährt am Freitag durch den Anruf der AZ vom Ende der Teestube. "Das trifft mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel!", stöhnt er ins Telefon. Ude sagt, er werde auf jeden Fall gleich noch einmal vorbeigehen, um sich gebührend zu verabschieden.

Der Alt-OB erklärt, er sei bis zur Coronakrise jede Woche dort gewesen, habe als Rentner auch viele Termine dorthin verlegt (wenn er, wie Ude hinzufügt, den Gesprächspartner nicht so gerne in der eigenen Wohnung haben wollte).

Die Teestube sei für ihn immer "eine Zeitmaschine" gewesen. Weil es "zwischen Polstermöbeln wie bei Oma und mit einer riesigen Teeauswahl" dort immer noch genauso ausgesehen habe wie früher. "Ich musste einfach nur um die Ecke gehen und war wieder in meiner Studentenzeit." Die ist nun endgültig vorbei. Ude verliert ein lebendiges Stück seiner Geschichte. Und Schwabing auch.

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