Was hat es mit den Schächten auf sich? Münchner Ingenieur will das Cheops-Pyramiden-Geheimnis lösen

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Die Pyramiden von Giseh sind mehr als 4500 Jahre alt und zählten in der Antike zu den sieben Weltwundern. Der Münchner Ingenieur Rudolf Gantenbrink hat in der Cheops-Pyramideeinen Schacht entdeckt, der bis heute unerforscht ist. Jetzt will der 66-Jährige zurück nach Ägypten. Foto: dpa, privat

Forscher haben einen Raum in der Pyramide gefunden. Was ein Münchner Experte dazu sagt und wo er die Schätze der Mutter von Cheops heben will.

 

München - Wir sind auf dem Mond gewesen und haben Erbgut entschlüsselt: Doch die Pyramiden sind immer noch eines der größten Geheimnisse der Menschheit. Jetzt haben Forscher in der Cheops-Pyramide durch Messungen mit kosmischen Strahlen eine bis zu dreißig Meter lange Kammer oberhalb der großen Galerie nahe der Königinnenkammer gefunden.

Einen Münchner hat diese Entdeckung besonders elektrisiert: Er ist kein Ägyptologe und trotzdem verbinden Menschen auf der ganzen Welt Rudolf Gantenbrink mit der Cheops-Pyramide. 1992 installierte der Ingenieur eigentlich nur eine Lüftungsanlage in der Cheops-Pyramide – und stellte die jahrelang anerkannte Theorie in Frage, wonach zwei 1872 entdeckte Schächte bei der Königinnenkammer im Stein enden würden.

Gantenbrink glaubt, dass die Schächte in einem bisher unentdeckten Raum enden. Unterstützung bekam er vom Deutschen Archäologischen Institut. Um seine Theorie zu beweisen, konstruierte er den Roboter Upuaut, der sechzig Meter in den 20 mal 20 Zentimeter engen Schacht vordrang. Bis ihm eine polierte Steinplatte den Weg blockiert. Upuaut kann 40 Kilo Gewicht ziehen, doch die Steinplatte war zu schwer. Die Vermessungsmethode mit komischen Strahlen funktioniert in diesem Fall nicht.

Gantenbrink musste seine Mission abbrechen und überwarf sich kurze Zeit später mit dem Leiter der Expedition Rainer Stadelmann. Neun Jahre später, als der Schacht geöffnet wurde, war Gantenbrink deshalb nicht dabei. 2002 konnten Fernsehzuschauer in 144 Ländern live dabei sein, als ein Roboter ein Löchlein in die Steintür fräste und dahinter einen weiteren Hohlraum mit einer weiteren Tür fand. Die Enttäuschung der Weltöffentlichkeit war groß.

AZ: Herr Gantenbrink, hat Sie die Entdeckung des Hohlraums über der Großen Galerie der Cheops-Pyramide diese Woche überrascht?
Rudolf Gantenbrink: Nein. Solche Hohlräume wurden im Jahr 1999 schon in der Meidum-Pyramide gefunden, dort wurde der Vater von Cheops bestattet.

Welchen Zweck haben die Hohlräume?
Ich würde von einem baustatischen Hintergrund ausgehen. In der Großen Galerie sind 2,2 Millionen Tonnen Stein verbaut. Da würde sich ein Statiker heute schwertun damit. Man hatte Angst, da noch mehr Steine draufzupacken und hat deshalb sogenannte Entlastungskammern gebaut.

Schade für alle, die noch auf Geheimnisse der Pyramiden hoffen.
Ich bin ja auch Fan der Idee, dass man in der Cheops-Pyramide noch etwas findet. Man könnte den Hohlraum von außen anbohren, um das zu überprüfen oder über einen Grabräuberschacht, den es dort gibt.

Haben Sie Ihre Pläne begraben, einen geheimen Raum in der Pyramide zu finden?
Nein, ich habe Sponsoren und die Gerätschaften, um das Rätsel zu lösen.

Aber als ihre Steintür geöffnet wurde, war dort nur ein leerer Raum und eine weitere Tür.
Ich habe das schon vorher prophezeit. Und dahinter wird noch ein leerer Raum und noch eine Tür sein.

Und dann?
Ich glaube, dass Cheops seine Mutter mit ins Grab genommen hat, die während der Bauzeit gestorben ist. Man baut keine Schächte, die im Nirgendwo enden. Ich kann an Plänen der Cheops-Pyramide zeigen, dass es dort blinde Flecken gibt.

Damals wurde eine Verhinderungspolitik betrieben...
...und mir wurden Dinge vorgeworfen, die nicht stimmten. Ich soll mit Material an die Presse gegangen sein. Es war tatsächlich so, dass ich einen Film für die Sponsoren gemacht hatte, mit dem Hinweis, dass er nicht zur Veröffentlichung ist. Diese Bilder gingen an die Öffentlichkeit.

Deshalb dürfen Sie jetzt nicht mehr nach Ägypten?
Ich durfte immer nach Ägypten. Es war 1993 so, dass wenige Tage vor unserer Entdeckung der Direktor des Pyramidenareals, Zahi Hawass, entlassen wurde. Daraus haben sich alle Probleme ergeben.

Ist die politische Situation heute eine andere?
Jetzt könnte die Zeit sein, um wieder anzufragen. Ich fliege im Frühjahr nach Ägypten und werde mich mit einigen Leute treffen. Der Mann, der mich in meiner Forschung als eine Art Aufpasser begleitet hat, ist heute der Direktor des Gizeh-Areals

 

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