Was erlaubt ist und was nicht Reise-Knigge: Die wichtigsten Regeln in Zug und Flieger

Wer ruhig in der Bahn schläft, erregt kein Aufsehen. Anders sieht es jedoch aus, wenn man schnarcht. Foto: dpa/Christin Klose

Urlaubszeit ist Reisezeit und dafür steigen viele Menschen in Züge und Flugzeuge. Doch vieles ist in Zug und Flugzeug nicht gerne gesehen oder gar strengstens untersagt. Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft gibt einen Überblick.

 

München - In zehn Tagen schon beginnen die Sommerferien – und damit für viele die heiß ersehnte Urlaubszeit. Bei Bahnreisen muss niemand hinterm Steuer sitzen, sie sind umweltfreundlich und bieten Entschleunigung. Für weiter entfernte Regionen steigen viele ins Flugzeug. In allen Fällen bedeutet das jedoch auch: Fremde verbringen auf engem Raum viel Zeit miteinander – und das ist keineswegs immer vergnüglich. Die wichtigsten Regeln, die das gemeinsame Reisen angenehmer machen.

Anfassen erlaubt: "Wer ein Abteil betritt, sollte freundlich grüßen und damit eine gute Atmosphäre schaffen", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft, Linda Kaiser. Hilfsbereitschaft in Zug und Flieger schadet nie – etwa, wenn jemand beim Verstauen des Gepäcks Unterstützung braucht.

Hilfsbereitschaft in Zug und Flieger schadet nie

Mancherorts darf man den Mitreisenden sogar im Wortsinne unter die Arme greifen: "In China werden Kinder von einem Familienmitglied zum anderen gereicht", erzählt David Scheibler, der auf seinem Zugreiseblog von Bahnfahrten in aller Welt berichtet. Die Chinesen versuchen so, schneller zu ihren Plätzen zu kommen.

Handtuch im Gepäck: Wer im Hotel seine Poolliege mit dem Handtuch reserviert, macht sich schnell unbeliebt. Im Zug allerdings ist das Handtuch ausdrücklich erlaubt: "Der Worst Case in der Bahn sind Füße auf dem Sitz", sagt Kaiser. "Mit Schuhen sowieso, aber es will auch niemand auf den Sockenfusseln oder dem Fußschweiß des Mitfahrers sitzen." Das gilt natürlich auch für die Anreise zu Flughafen oder Bahnhof mit S- und U-Bahn. Und im Flugzeug ist dafür eh kein Platz.

Quasselstrippen unerwünscht

Quasselstrippen unerwünscht! Ob im Zug, in U- oder S-Bahn: Telefonate nerven nicht nur die Mitreisenden, die regelrecht zum Zuhören gezwungen werden. "Man hat auch eine Verantwortung gegenüber seinem Gesprächspartner", sagt Kaiser.

Besonders kritisch: über den Chef, Kunden oder Arbeitskollegen zu lästern. Es soll schon vorgekommen sein, dass ein Mitreisender diesen kannte. Wer unbedingt telefonieren muss, kann zumindest im Zug in die Wagenzwischenräume gehen, wo niemand etwas mitbekommt. Im Flugzeug müssen Handys ohnehin aus oder auf Flugmodus geschaltet werden – außer, es gibt Wlan.

Handys und Computer auf lautlos schalten: Auch Klingeltöne von Handys sind äußerst nervig für andere. Ebenso Computer-Geräusche: "Es gibt nichts Schlimmeres, als drei Stunden lang zuhören zu müssen, wie jemand auf die Tasten seines Laptops haut", sagt Kaiser. Also: Tastentöne ausschalten, sanft tippen – und den Computer so ausrichten, dass der Sitznachbar nicht mitlesen kann. Übrigens: Auch, wer über Kopfhörer laut Musik hört, sollte darauf achten, dass er seine Umgebung nicht mitbeschallt.

Toleranz für Schnarcher

Döner? Unerwünscht! Geruchsarm schlemmen heißt es in Zug und Flugzeug. "Kaffee ist vielleicht noch ganz angenehm, aber der Döner oder auch Mandarinen riechen natürlich sehr stark", sagt Knigge-Expertin Kaiser. Ebenfalls unangenehm: "Chips, die laute Kaugeräusche verursachen." Wer seinem unbändigen Appetit auf Rollmops mit Zwiebeln trotzdem nachgibt, hält es am besten gleich so wie die Bahnreisenden in Zentralasien: "Da ist es üblich, dass man sein Essen bei den Nachtfahrten mit den anderen teilt", erzählt Scheibler.

Toleranz für Schnarcher: Apropos Nacht – irgendwann wird der Kopf schwer, und lautes Schnarchen dringt durch Flugzeug oder Abteil. Muss man sich das als Mitreisender gefallen lassen? Kaiser jedenfalls gibt Entwarnung für alle geräuschvollen Schläfer: "Wen es stört, der wird Sie anstupsen. In einer Zwangsgemeinschaft muss man manche Dinge einfach ertragen – oder sich Ohrstöpsel mitbringen."

Alkohol auf Reisen nur in Massen

Klettern nur, wenn nötig: "Man sollte lieber aufstehen statt sich zusammenzufalten, wenn jemand seinen Platz verlassen möchte", rät Kaiser. Wilde Kletterpartien sind dagegen in Ländern unausweichlich, in denen im Schlafwaggon mehrere Betten übereinander installiert sind. "Über das untere Bett müssen die anderen Fahrgäste immer klettern, wenn sie nachts zur Toilette müssen", sagt Zug-Blogger Scheibler.

Alkohol trinken: Ein Bier oder ein Wein schmeckt manchem Erwachsenen in Zug oder Flugzeug vielleicht ganz gut zur Brotzeit am Abend. Allerdings sollte es bei einer kleineren Menge bleiben – betrunkene Mitreisende mit Alkoholfahne mag niemand gern um sich haben. In den öffentlichen Verkehrsmitteln in München ist der Konsum von Alkohol übrigens verboten.

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