Warten auf "Looking for freedom" David Hasselhoff vor 4.000 Fans in der Münchner Olympiahalle

Mit reichlich Charme und der Fähigkeit zur Selbstironie: David Hasselhoff am Sonntag in der Olympiahalle. Foto: Jens Niering

David Hasselhoff singt in der Olympiahalle zweieinhalb Stunden "Looking for Freedom" entgegen.

 

München - Der Abend hätte von George Orwell gestaltet sein können: Vor dem Konzert tönt Musik von David Hasselhoff aus den Boxen, in der Pause tönt Musik von David Hasselhoff aus den Boxen, und während des Konzerts tönt – natürlich – auch Musik von David Hasselhoff aus den Boxen. Man entkam ihm nicht.

Die rund 4.000, die am Sonntag – ein Regen- und der letzte Wiesn-Tag – in die Olympiahalle gekommen sind, wollen ihm auch gar nicht entkommen. Auch wenn so mancher seine Karte vermutlich mit einer ironischen Grundhaltung gekauft hat. David Hasselhoff ist der Star der 80er-Jahre-Fernsehserien "Knight Rider" (in der es um einen smarten Kerl und sein noch smarteres Auto ging) und "Baywatch" (in der es um schöne Männer und noch schönere Frauen in knapp geschnittener roter Badekleidung ging).

4.000 Münchner Fans warten auf "Looking for freedom"

David Hasselhoff hat in den 80ern und 90ern einige Gute-Laune-Hits wie "Limbo Dance", "Is Everybody Happy" oder "Freedom for the World" gesungen. Dann hatte er eine nicht so gute Phase, in der das Künstlerische im Hintergrund stand. Gerade hatte er einen Hit mit Jasmin Wagner alias Blümchen: "Summer Go Away". Und: David Hasselhoff hat das eine Lied gesungen, auf das der ganze Abend zusteuert. Vor der Pause sagt er: Nein, nein, wir können "Looking for Freedom" noch nicht machen, singt es dann aber trotzdem kurz an.

All das steht da nun (nachdem ein Video-Zusammenschnitt an die Verdienste Hasselhoffs erinnert hat) in einer Person geballt auf der Bühne in der Olympiahalle, durch deren Besuchergarderobe mehr als nur ein Hauch von Wiesntracht weht. Andere tragen Hasselhoff-Lockenperücken, "Baywatch"-Blousons oder aufblasbare Rettungsschwimmer-Bojen. Ein Fan taucht in der Pause mit einem frisch erworbenen Hasselhoff-T-Shirt auf und wird von seinen, allesamt bereits dieses oder ähnliche Fan-Shirts tragenden Freunden johlend empfangen.

Gewöhnungsbedürftig: Hasselhoff singt Udo Jürgens

Und David Hasselhoff – durchaus immer noch mit "Baywatch"-Figur, wie er bei einem Hemdenwechsel auf offener Bühne zeigt – singt eine recht wilde, bisweilen fast gewagte Mischung aus den genannten eigenen und gecoverten Liedern, darunter David Bowies "Heroes", "Sugar, Sugar" von den Archies, Glen Campbells Country-Song "Rhinestone Cowboy", Frank Sinatras "That’s Life" und eine deutsch-englische Fassung von Udo Jürgens’ "Mit 66 Jahren".

Da ist der Abend längst zu eine Mischung aus Schlager-Parade und Hütten-Gaudi geworden. In der Arena bildet sich eine Polonaise, sogar in einer Reihe der Sitzblöcke bildet sich eine Polonaise, die aber ob des begrenzten Platzes nicht vorankommt, den Gaudiwurm also auf der Stelle praktiziert.

Ein Konzert mit David Hasselhoff ist wie ein Abend mit der Oberstufen-Schülerband. Es kommt mit einfachsten Requisiten aus: Strandlied – keckes Hütchen, Rocklied – Lederjacke, "Limbo Dance" – Limbo-Tanzstange, "Looking for Freedom" – Blinkjacke und die schlimme Klaviatur-Krawatte, die man aus den Videos kennt. Der Unterschied zur Schülerband ist freilich, dass dieser Sänger ziemlich prominent ist, durchaus eine gute Stimme hat (wenn sie auch beim ersten Lied "Here I Go Again" von Whitesnake bisweilen an ihre Grenzen stößt) – durch und durch sympathisch ist und über ein großes Maß an Selbstironie verfügt. Andere Menschen, die es wagen, David Bowie zu covern, würde man fortjagen, aber Hasselhoff darf das.

Hasselhoff darf sogar David Bowie covern

Er darf auch den Preis für das eigenwilligste Ende eines Konzertes mit nach Hause nehmen. Nach dem lang herbeigesehnten, etwas überbauschten "Looking for Freedom" singt Hasselhoff noch, quasi als Abspann, über das Playback von Peter Maffays Schnulze "Du", teilt etwas konfus mit, dass der nächste Auftritt in Innsbruck sein werde und er alle im Publikum liebe, verschwindet nach seiner Band von der Bühne – und lässt die Zuschauer dann noch ein, zwei Minuten ins lila Halbdunkel blicken und das Lied, nun ohne seinen Live-Gesang, zu Ende hören.

Irgendwann geht das Licht an, der Abend ist aus. Wer jetzt noch kein Hasselhoff-Shirt hat, kann es am Merchandise-Stand kaufen. Da ist Hasselhoff geistig wohl längst in Innsbruck. Es bleibt das Gefühl von Wärme: Er liebt uns. Und wir ihn irgendwie auch.

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