Waldfriedhof Ein Friedhof für tot geborene Säuglinge

Der Waldfriedhof in München ist ein Ort, an dem Eltern ihre verstorbenen Säuglinge bestatten können. Foto: AZ/Daniel von Loeper

Luca Toni und seine Marta weinen um ihr tot geborenes Kind – wer in München hilft, wo die Kleinen in Würde bestattet werden.

 

München - Schmetterlingskinder, so werden jene Kinder genannt, die nur einen Flügelschlag lang auf dieser Welt waren. Oder Kinder, deren Mutter sie nur während der Schwangerschaft spüren konnte, die tot geboren werden oder nach kurzer Lebenszeit versterben. Auch der Ex-FC-Bayern-Star Luca Toni (35) und seine Freundin Marta Cecchetto (33) müssen nun versuchen, mit dem Schmerz zu leben, dass ihr Kind tot geboren wurde.

Selbsthilfegruppen wie der Verein „Verwaiste Eltern München e.V“ oder die Initiative Regenbogen helfen Paaren in ihrem Schmerz. Sie wollen ein Tabu brechen. Denn noch immer spricht man über den Tod so kleiner Kinder nicht. Freunde und Verwandte kennen das verstorbene Kind meist nicht. Die Eltern bleiben mit ihrer Trauer allein, das Kind wird totgeschwiegen.

Erst seit 1988 bekommen Eltern eine Bescheinigung von der Geburtsklinik. So können sie in manchen Bundesländern ihr Kind bestatten, auch wenn es unter 500 Gramm wiegt. Seit 2006 ist das auch auf bayerischen Friedhöfen möglich. Eltern von tot geborenen Kinder bekommen einen Geburts- und Totenschein.

In München gibt es viele Möglichkeiten, das Kind würdevoll zu bestatten. Der Waldfriedhof hat einen eigenen Bereich mit Einzelgräbern. Hier sind die zu früh verstorbenen Kinder von anderen Kindern umgeben. Und es gibt eine besondere Grabanlage für tot geborene oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder. Sie hat die Form einer Schnecke mit einem kleinen Baum in der Mitte. Die Angehörigen können auf große Kiesel den Namen des Kindes schreiben und ihn auf das Grab legen. Im Herbst wird die Anlage erweitert, durch einen Schmetterling.

Inzwischen können sich Eltern in der Klinik von ihrem Kind verabschieden. Das war nicht immer so. Als die Initiative Regenbogen 1986 forderte, dass man den Eltern ihr Kind nicht mehr vorenthalten dürfe, dass sie es berühren sollten und ein Foto machen, löste das in den Kliniken großes Unverständnis aus.

Heute werden Fuß- und Handabdrücke gemacht, Fotos und eine Haarlocke abgeschnitten. Auch wenn sie nur einen Flügelschlag oder einen Stoß in den Bauch lang da waren, die Eltern sollen eine Erinnerung an ihr Schmetterlingskind haben.

 

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