"Wahnsinn"-Kritik Monika Gruber in der Olympiahalle: Sie wittert überall Hysterie

Monika Gruber in der Olympiahalle. Foto: Dorothee Falke

Finale ihres Programms "Wahnsinn": Mit zwei Auftritten in der Olympiahalle beendete Monika Gruber ihre zweijährige Tour durch Deutschland und Österreich.

 

Zwei Mal spielte sie vor ausverkauftem Haus und bespaßte damit insgesamt 22.000 Zuschauer in jeweils 160 Minuten. Das macht Monika Gruber so schnell keine Berufskollegin nach, denn die Olympiahalle gehört üblicherweise nicht zum natürlichen Lebensraum einer bayerischen Kleinkünstlerin. Seit zwei Jahren tourt sie mit ihrem Solo "Wahnsinn" durch Deutschland und Österreich. Die Doppeldernière in München, nach der sie sich eine einjährige Pause verordnet, geriet zum Triumphzug. Sie versteht es, ihr Publikum glücklich zu machen, und die Lacherdichte ist hoch.

Lacherdichte ist hoch

Selbst in der unendlichen Weite des olympischen Sporttempels kommt sie als Kumpelin wie du und ich über die Rampe, mit der man bei der einen oder anderen Maß über die Welt ratscht, die keiner mehr versteht. Ihr rustikaler Charme gehört zum Erfolgsrezept, aber es ist auch diese offensive Ranschmeiße an das, was man landläufig als den "gesunden Menschenverstand" bezeichnet, die sie angreifbar macht. Wer in den Medien daran herummäkelt, ist die "Kabarett-Polizei". Das ist gebongt, denn Satire darf fast alles und auch Kabarettkritiker kritisieren.

Monika Gruber: "I scheiß ma nix!"

Über weite Strecken folgt man ihr auch willig. Beim Despoten-Bashing wie gegen den nordkoreanischen Staatsführer Kim Jong-un, den Diktator "im Speckmantel", ist sie witzig. Die Fassungslosigkeit darüber, dass ein als solcher seit langem bekannter Terrorist wie Anis Amri 2016 mit einem geraubten Lastwagen zwölf Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt töten konnte und anschließend unbehelligt kreuz und quer durch Europa reiste, kann man uneingeschränkt teilen.

Monika Gruber fühlt sich in Meinungsfreiheit eingeschränkt

Und selbstverständlich verdienen sich die "Teilzeit-Autisten" am Smartphone den Spott ebenso wie die Preußen, die das Geräusch von Kuhglocken in bayerischen Dörfern wegen Ruhestörung bei der Polizei anzeigen. "Preußen" dürfe man angeblich aber, wie schon den "Mohrenkopf" oder das "Zigeunerschnitzel", nicht mehr sagen. Preußen seien nun "Deutsche mit protestantischem Migrationshintergrund". Da fühlt sich die Kabarettistin aus Tittenkofen in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt, und sie wird nicht müde, ihr Mantra aufzusagen: "I scheiß ma nix!"

"Diktatur der Toleranz"

Sie beschreibt sich als "konservativ-liberal" und deshalb als ein Opfer, das "in die rechte Ecke gestellt" werde. All überall wittert sie Hysterie und bemerkt nicht, dass sie selbst ein Teil der alltäglichen Hysterisierung ist, wenn sie sich in Begriffe wie "Ökodiktatur" versteigt und davon spricht, dass der gesunde Menschenverstand von einer "Diktatur der Toleranz" ersetzt worden sei. Das ist starker Tobak, denn im Umkehrschluss bedeutet diese These, dass Intoleranz die neue Freiheit ist.

Vermutlich meint sie das nicht so und will nur ermutigen, sich auf das eigene Urteilsvermögen zu verlassen, aber hinter der pointenreichen Generalabrechnung mit der Gegenwart lauert auch Angst, die die Gruberin mit ihrem Publikum gerne teilt. Nicht unberechtigt ist sicherlich das Unbehagen, sich datenhungrige Technologie wie Alexa oder Siri ins Haus zu holen. Aber wer zwingt dazu? Geradezu panisch reagiert sie auf Veganer, aber seit wann ist der Verzehr von Schweinsbraten hierzulande verboten?

Lieblingsfeindin: Greta Thunberg

Eine ihrer Lieblingsfeindinnen ist Greta Thunberg, als wären sie und die in deren Geiste die Schule schwänzenden Demonstranten das Problem. Immerhin verkneift sich die Kabarettistin inzwischen, sich über die Asperger-Krankheit der Klimaaktivistin lustig zu machen. Aber schwedische Mädchen mit Zöpfen hätten früher nur "ein Äffchen, ein Pferd und ein Haus" gehabt. Früher war alles besser, ist  auch das Fazit, denn früher war der Frieden nur von den Staumeldungen am Irschenberg bedroht. Wann und wo es dieses arkadische Idyll gegeben haben soll, verrät die Gruberin nicht.


 
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