Wahlkampfhelfer Uschi Glas nach Kritik: Schätzchen im CSU-Land

Clemens Hagen.
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, Schauspielerin Uschi Glas und die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. Heikle Themen wie die Obergrenze werden an diesem Abend lieber ausgespart. Foto: Bernd Wackerburger

Erst kritisiert Uschi Glas die Christsozialen im AZ-Interview, dann nimmt sie an deren Veranstaltung teil. Dabei geht es auch um die Flüchtlingsobergrenze. Wir waren dabei.

 

Kolbermoor - Out of Rosenheim, da liegt das Städtchen Kolbermoor. Schön ist es hier im südlichen Oberbayern, die Berge sind schon zum Greifen nah und man bewegt sich irgendwie auf historischem Boden, denn Kolbermoor ist die Heimat von Paul Breitner, unserem WM-Helden von 1974.

Heute ist ein besonderer Tag für die 18.000-Einwohner-Gemeinde, denn Polit-Prominenz ist zu Gast. Andreas Scheuer, Generalsekretär der Christlich-Sozialen Union, ist gekommen, um Daniela Ludwig, der Bundestagsabgeordneten des Kreises Rosenheim, im Wahlkampf zu helfen. So weit, so normal dieser Tage.

Hätte der CSU-"General" nicht zur Verstärkung eine prominente Wahlkampfhelferin aus München ins Voralpenland mitgebracht – Schauspielerin Uschi Glas.

Uschi Glas? Das Publikum darf gespannt sein

Uschi Glas? Halt, da war doch was. Stimmt! Das Film-Schätzchen hatte erst vor wenigen Tagen im AZ-Interview deutlich gemacht, dass sie mit der berühmt-berüchtigten Flüchtlings-Obergrenze der CSU ganz und gar nicht einverstanden ist, sondern in diesem wichtigen Punkt voll auf der obergrenzenlosen Linie von Kanzlerin Angela Merkel liegt.

Man darf also gespannt sein auf diese Podiumsdiskussion im Kesselhaus der stillgelegten Alten Spinnerei, einer imposanten Backsteinfabrikhalle, die heute als Veranstaltungszentrum oder neudeutsch Event Location dient. Es beginnt auch alles munter.

Routiniert spielen sich der Herr Scheuer und die Frau Ludwig die Bälle zu, man kennt sich, man schätzt sich, man macht das alles nicht zum ersten Mal. Moderiert wird die Polit-Show von einem örtlichen Radiomoderator und gleich live ins Internet übertragen von einem örtlichen Online-Dienst.

Der Bayern-Plan wird abgearbeitet

Die drei sitzen auf der Bühne in schweren englischen Clubsesseln, während Uschi Glas in der ersten Reihe des Auditoriums, auf einem Klappstuhl hockend, auf ihren Einsatz wartet. Das Kesselhaus ist schön dekoriert mit viel CSU-Blau, an den Wänden hängen Wahlplakate von Kanzlerin Merkel, Ministerpräsident Horst Seehofer und Kandidatin Ludwig - das Seehofer-Plakat ist selbstverständlich doppelt so groß wie das von Merkel. Selbst die großen Decken-Strahler verströmen CSU-blaues Licht. Einzig das grüne Notausgang-Schildchen tanzt aus der Reihe.


Uschi Glas spricht über ehrenamtliches Engagement, Moderator Christian Baab hört zu. (Foto: Bernd Wackerbauer)

Die rund 200 Gäste, die meisten dem Teenager-Alter schon eine ganze Zeit entwachsen, klatschen wohlwollend-zustimmend Beifall, während die zentralen Themen des CSU-Wahlprogramms – des "Bayernplans" – abgearbeitet werden: innere Sicherheit, Steuerentlastung, Familienunterstützung. Der Kreis Rosenheim ist CSU-Land, bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Partei hier satte 58,14 Prozent geholt.

Versemmelt.

Plötzlich wird das Publikum unruhig, als es um die Ankunft der vielen Flüchtlinge 2015 geht. Gefordert sind die Menschen hier gewesen, als jeden Tag Tausende am Bahnhof Rosenheim eintrafen und versorgt werden mussten. „Überfordert waren wir“, sagt Daniela Ludwig und erhält dafür Applaus. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer sei das alles nicht möglich gewesen.

Ehrenamt – das ist auch das Stichwort für Uschi Glas. Sie erhebt sich und berichtet, wie wichtig die ehrenamtlichen Helfer für ihren Verein brotZeit sind, bei dem bundesweit Senioren täglich Frühstück für unterprivilegierte Kinder machen. Uschi Glas spricht kurz, dann setzt sie sich wieder. Kein Wort zur Obergrenze, keine Diskussion über Flüchtlinge.

Das sei auch nicht geplant gewesen, erklärt Andreas Scheuer dem Berichterstatter. Dann gibt es Häppchen und Bierchen. Paul Breitner würde wohl sagen, dass da eine Großchance versemmelt wurde. Schade.

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