Wahlen in Tschechien Milos Zeman, der Vollblutpopulist

Milos Zeman gewinnt die tschechischen Wahlen – schillernd ist gar kein Ausdruck

PRAG Der „Bulle“ hat gesiegt: Milos Zeman (68) wird neuer tschechischer Präsident. Den Spitznamen hat der Linkspopulist nicht nur wegen seiner Figur (viel Masse auf zwei Meter verteilt), sondern vor allem wegen seiner brachialen Art. Mit ihm als Hausherrn in der Prager Burg stehen dem Land und der EU fünf eher abwechslungsreiche Jahre bevor.

Nach leidenschaftlichen Debatten ging die Stichwahl halbwegs deutlich aus: 54,8 Prozent für Zeman, 45,2 Prozent für Karel Schwarzenberg. Die Zuordnung der politischen Lager ist nicht ganz einfach: Zeman steht gleichzeitig links und rechts von Schwarzenberg. Für den fränkisch-böhmischen Adligen Schwarzenberg stimmten die urbanen und intellektuellen Tschechen, für den Stammtisch-Polterer Zeman Wendeverlierer, Arme und Landbewohner.

Zeman ist Vollblutpopulist. Er prangert den Sparkurs der Regierung als asozial an, fordert einen Wohlfahrtsstaat nach skandinavischem Muster – und holte damit viele ab, die Arbeitslosigkeit und sozialen Abstieg fürchten. Gleichzeitig spielt er die nationale Karte. Er hetzt offen gegen Muslime und Sudetendeutsche. Als er letztere in seiner Zeit als Regierungschef mal als „Fünfte Kolonne Adolf Hitlers“ bezeichnete, sagte der damalige Kanzler Gerhard Schröder aus Protest eine Prag-Reise ab. Zemans erste Reise als Präsident führt ihn nun in die Slowakei, wo man noch gut in Erinnerung hat, dass er das dortige Bier allenfalls als „Mundspüllösung“ betrachtet.

Sechs Wein und drei Schnaps pro Tag

Sein Alkoholkonsum ist ohnehin ein Thema. Nach eigener Aussage trinkt er pro Tag sechs Gläser Wein plus drei Gläser Pflaumenschnaps, zuzüglich Bier. Kritiker halten ihn für alkoholkrank, Zeman ist das egal. Er ist schon immer angeeckt. In kommunistischen Zeiten durfte er wegen seines Mundwerks nicht studieren, er flog aus der KP. Er schlug sich mit einem Fitnessstudio durch.

Nach der Wende ging er zu den Sozialdemokraten, überwarf sich auch mit ihnen spektakulär: Vor zehn Jahren wollte sich Zeman schon mal zum Präsidenten wählen lassen. Bei der Abstimmung im Parlament verweigerten ihm 27 Abgeordnete die Gefolgschaft – aus Skepsis, dass er als Staatsoberhaupt taugt. Er zog sich aufs Land und aus der Politik zurück. Dann wurde vor einem Jahr das Wahlrecht so geändert, dass nun die Bürger den Präsidenten direkt wählen. Zeman witterte seine Chance für ein Comeback. Und nun fürchten seine ehemaligen Gefährten, dass er Rache nehmen wird.

Zu den vielen Facetten von Zeman gehört auch die der Korruption. Bei Privatisierungen in den 90ern soll Zemans Geldbeutel nicht leer ausgegangen sein. Mit dem Konservativen Vaclav Klaus hatte er von 1998 bis 2002 den so genannten „Oppositionsvertrag“. Sie teilten Posten und Gelder nach Gusto auf, Filz und Korruption breiteten sich aus. Sein Chefberater ist damals wie heute Miroslav Slouf – dem Kontakte zur Mafia und dubiosen russischen Investoren nachgesagt werden.

Auch für die EU-Kollegen dürfte sich mit dem Neuen in Prag einiges ändern. Der bisherige Amtsinhaber – eben jener Vaclav Klaus – stand der EU ablehnend gegenüber und sorgte auch für das tschechische Nein zum Fiskalpakt. Zeman ist durchaus Pro-Europäer. Aber er hat auch vor, sich in Brüssel mit seinen Meinungen aktiv einzumischen. Kein anderer europäischer Politiker provoziere so stark wie er selbst, sagt er stolz.

 

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