Waffenschein-Anträge gestiegen Münchner rüsten auf: Immer mehr Waffen in der Stadt

Ein Polizeischüler trainiert den Umgang mit der Dienstpistole. Auch Privatleute bewaffnen sich in München zunehmend. (Symbolbild) Foto: Rainer Jensen/dpa

Allen Bemühungen zum Trotz: Die Zahl der scharfen Waffen bleibt konstant hoch. Bei Kleinen Waffenscheinen wird sogar ein starker Anstieg verzeichnet.

 

München - Waffen sind voll im Trend. Die Münchner bewaffnen sich. Vor allem der Kleine Waffenschein ist heiß begehrt. In der Stadt und im Landkreis München wurden bereits insgesamt mehr als 10.000 Genehmigungen ausgegeben.

9.329 Münchner besitzen eine scharfe Waffe

Obwohl die Kriminalität in der Stadt seit Jahren kontinuierlich sinkt, ist das Interesse an Waffen ungebrochen. 69.351 registrierte, legale Schusswaffen gibt es in München und dem Landkreis: 46.126 sind es laut KVR im Stadtgebiet. 9.329 Münchner besitzen eine scharfe Waffe (Gewehre, Pistolen, Revolver), die meisten von ihnen sind Jäger oder Sportschützen.

Dazu kommen weitere 23.225 Waffen im Umland, wie das Landratsamt München der AZ auf Anfrage mitteilt: 15.022 Gewehre, 8.203 Pistolen und Revolver. Die Waffen verteilen sich auf 4.618 Besitzer.

"Die Zahlen sind seit Jahren relativ konstant und haben sich nicht wesentlich erhöht", betont KVR-Sprecherin Petra Weber. Ähnliches hört man aus dem Landratsamt München.

"Täter benützen in der Regel illegale Waffen"

Die Polizei zeigt sich gelassen angesichts dieses legalen Bestands von knapp 70.000 Schusswaffen in der Bevölkerung. "Wir wollen diese Zahl nicht kommentieren", sagt Polizeisprecher Sven Müller.

In der Schweiz oder in den Vereinigten Staaten gebe es deutlich mehr Waffen in Privatbesitz, heißt es im Präsidium. Ein Vergleich, der allerdings hinkt, denn in der Schweiz bekommen Wehrpflichtige ihre Waffen mit nach Hause. In den Vereinigten Staaten sind die Gesetze so lasch, dass man sich auf Waffenmessen ohne Überprüfung sogar mit Sturmgewehren eindecken darf.

Die allerwenigsten Straftaten in München werden mit legalen Waffen begangen, heißt es im Polizeipräsidium. Sven Müller: "Täter benützen in der Regel illegale Waffen."

Anträge für Kleinen Waffenschein stark angestiegen

Während die Zahl scharfer Waffen seit Jahren konstant bleibt, werden immer mehr Anträge für den sogenannten Kleinen Waffenschein gestellt. Er berechtigt zum Führen von Schreckschuss- und Gaspistolen. Hier steigen die Zahlen kontinuierlich an. Waren es 2016 noch 5.169 Genehmigungen, sind es laut KVR in diesem Jahr bereits 7.515 Genehmigungen. Macht ein Plus von Waffenscheinen in nur drei Jahren: plus 45 Prozent! Dazu kommen 2.500 Kleine Waffenscheine im Landkreis München.

Wobei das noch nichts über die Anzahl der Waffen aussagt, die legal im Umlauf sind. "Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalpistolen (also Gaspistolen, d. Red.), die Bürger aufgrund des Besitzes eines Kleinen Waffenscheins erwerben, werden nicht registriert", betont Franziska Herr, Sprecherin des Landratsamtes München, "da diese erlaubnisfrei sind."

Bürger beziehungsweise Bewachungsunternehmer, die im Besitz eines Waffenscheins sind, können hierauf maximal drei Waffen eintragen lassen. Genaue Zahlen, so das Landratsamt, seien "hierzu nicht feststellbar".

Zahlreiche Klagen gegen Waffenentzug

Ihre Waffen freiwillig abgeben wollen die wenigsten Münchner. "14 Schusswaffen wurden im Rahmen der letzten Amnestierung bei uns abgegeben", sagt KVR-Sprecherin Petra Weber. Seit 2017 waren es im Landkreis 276 Waffen, davon 106 Gewehre sowie 170 Pistolen und Revolver.

Manche Besitzer trennen sich nicht freiwillig von ihren Schießeisen. Ihnen wird der Schein abgenommen und die Waffen anschließend eingezogen. In München mussten laut KVR in diesem Jahr 30 Bürger ihre Waffen abgeben. Grund: Unzuverlässigkeit oder Verstöße gegen Verwahrvorschriften. 13 Betroffene werden laut KVR der Reichsbürgerszene zugerechnet. Sechs klagten vor dem Verwaltungsgericht. Vier der Verfahren hat die Stadtverwaltung inzwischen gewonnen. Zwei Prozesse laufen noch vor dem Verwaltungsgericht, so Petra Weber.

Im Landkreis mussten in diesem Jahr 28 Bürger ihre Waffen abgeben. Gründe waren ebenfalls Unzuverlässigkeit, beispielsweise wegen Verstößen gegen die Aufbewahrungsbestimmungen oder weil die Personen einen Eintrag im Bundeszentralregister erhalten hatten. Vier Bürger klagten gegen den Entzug ihrer Waffen. "Sämtliche Verfahren laufen noch vor dem Verwaltungsgericht", sagt Franziska Herr vom Landratsamt.

Bereitschaft, mit Schusswaffen zu drohen, steigt an

Viele beantragen den Kleinen Waffenschein, weil sie glauben, sich selbst besser schützen zu können – beispielsweise vor Einbrechern und vor Überfällen oder Sexualstraftätern. Doch um sich im Notfall effektiv verteidigen zu können, bedarf es Übung. Sven Müller: "Genau diese Routine fehlt aber den meisten Leuten."

Waffen gegen Einbrecher sind selten erforderlich. Die allermeisten Täter fliehen, so die Erfahrung der letzten Jahre in München, sobald sie entdeckt werden. Bewaffnete Straftäter lassen sich zudem von Schreckschusswaffen kaum beeindrucken.

"Viel sinnvoller ist es", so Polizeisprecher Sven Müller, "sich deeskalierend zu verhalten und nicht den Helden zu spielen."

2018 verzeichnete die Polizei eine gestiegene "Bereitschaft der Straftäter, mit Schusswaffen zu drohen". 54 Fälle sind bekannt (2017: 51 in Stadt und Landkreis), 13 Mal passierte es bei Raubdelikten. In 38 Fällen schossen Verbrecher. Zuletzt sollen Täter bei einem Überfall auf Jugendliche in Unterhaching mit einer Schreckschusswaffe geschossen haben.

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Waffenwahn - Es gibt effektivere Alternativen

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