Wackersdorf „Es waren bürgerkriegsähnliche Zustände“

Demonstranten protestieren am 31.03.1986 in Wackersdorf gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage. Foto: dpa

Zwei Poilizeibeamte erinnern sich an ihre Einsätze am und über dem Baumzaun.

München - Das Bild des brennenden Mannschaftswagens hat Joachim Walzik heute noch vor Augen, den Qualm und die Flammen, die sich in den Himmel über Wackersdorf fressen. Mitte 20 war der Polizeibeamte damals und Pilot der Hubschrauberstaffel. „Wackersdorf war für uns alle eine Belastung“, sagt er.

„Die Einsatzlage war an vielen Tagen dramatisch.“ 1985 flog Walzik seinen ersten Einsatz über dem Taxöldener Forst, da war der Bau der WAA gerade beschlossen worden. „Man hat erwartet, dass sich die Gegner im Wald verschanzen. Wir sollten schauen, ob sich dort schon jemand aufhält.“

Dem war nicht so. Die ersten Demonstranten erschienen erst ein paar Tage später. „Von da an war ich fast jedes Wochenende dort“, erzählt Walzik. „Ich habe zwei Mal Heiligabend in Wackersdorf verbracht.“ Aus der Luft hielten der junge Pilot und seine Kollegen nach Zelten Ausschau, nach Protest-Aktionen, fliehenden Demonstranten und nach Polizeibeamten, die Verstärkung brauchten. „Unter den Demonstranten waren viele brave Bürger. Anwohner, die ein gutes Recht darauf hatten, gegen diese Anlage zu protestieren.

Problematisch wird und wurde es immer dann, wenn Protest in Gewalt umschlägt“, sagt Walzik. Rudolf Kraus, heute Polizeipräsident der Oberpfalz, hat die Auseinandersetzungen am Bauzaun hautnah miterlebt. „Es waren bürgerkriegsähnliche Zustände“, erinnert sich der 56-Jährige, der an Pfingsten 1986 als Leiter einer Hundertschaft einer anderen Einheit zu Hilfe kommen sollte.

„Plötzlich wurden wir von zumeist vermummten Kernkraftgegnern mit Steinen und Stahlschleudern angegriffen. Uns blieb nur der sofortige Rückzug“, sagt er. „Das Wort hatte in Wackersdorf bei den Autonomen keine Kraft mehr.“ Allein am Pfingstmontag 1986 wurden in Wackersdorf 400 Menschen verletzt, darunter 182 Polizisten, viele von ihnen schwer.

Auch Rudolf Kraus war von etlichen Wurfgeschossen getroffen worden. Er spürte sie erst, als er wieder in der Unterkunft und in Sicherheit war. Joachim Walzik, mittlerweile Chef der Hubschrauberstaffel der Bayerischen Bereitschaftspolizei, hat die vier Jahre in Wackersdorf unverletzt überstanden.

Gefährlich war sein Job trotzdem: Ein anderer Hubschrauber wurde mit einer Kleinkaliber-Waffe beschossen und am Tank getroffen. Und im September 1986 wurde ein Polizei-Helikopter bei der Verfolgung von Demonstranten von einem Schienenbus gerammt. Ein Beamter starb, vier andere überlebten – schwer verletzt. „Der Pilot konnte nie wieder fliegen.“

 

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