Vorsorge für den Pflegefall So sichern Sie sich ab

Fürsorge, für die es Zeit braucht: Eine Altenpflegerin kämmt einer demenzkranken Frau das Haar. Foto: dpa

Die AZ erklärt, was Pflegezusatzversicherungen bringen und was vom neuen staatlichen Zuschuss zu erwarten ist

 

MÜNCHEN Immer mehr Deutsche sind im Alter auf Pflege angewiesen: Ende 2011 waren es 2,5 Millionen und davon 65 Prozent Frauen, so das Statistische Bundesamt am Freitag. Das bedeutet gleichzeitig eine Belastung für die Angehörigen. Denn drei von vier Pflegefällen werden zuhause betreut. Für Experten ist klar: Für die nächsten Jahre droht ein Pflegenotstand. Denn gleichzeitig fehlen Betreuungsmöglichkeiten. Hinzu kommen hohe Kosten, denn die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur eine Grundversorgung ab.

Auf welche Situation müssen sich Pflegebedürftige in Zukunft einstellen? Bis 2030, so eine Studie der Bertelsmann Stiftung, werden 3,4 Millionen Deutsche und damit 50 Prozent mehr als im Jahr 2009 pflegebedürftig sein. Das bedeutet jedoch einen Pflegenotstand, wenn gleichzeitig deutschlandweit 500.000 Stellen für Vollzeitkräfte in der Pflege unbesetzt bleiben, davon 69.000 allein in Bayern.

Was kostet die Pflege? Experten sind sich einig, dass die Kosten für Pflege in den kommenden Jahren steigen werden. Heute fallen bei einer Unterbringung im Heim bis zu 4000 Euro monatlich an. Wer zahlt im Pflegefall? Die staatliche Pflegeversicherung ist eine „Teilkaskoversicherung“. Für einen Heimplatz zahlt sie derzeit höchstens 1550 Euro. Den Rest müssen die Kranken selbst zahlen. Sind sie dazu nicht in der Lage, springt das Sozialamt ein, holt sich aber – wenn möglich – das Geld von den Kindern zurück. Gerechnet auf die gesamte Pflegedauer zahlten Familien und Patienten im vergangenen Jahr durchschnittlich 31.000 Euro, wie es im Pflegereport 2012 der Barmer/GEK heißt. Dazu übernahm die Pflegekasse im Schnitt 33.000 Euro. Auffällig: Für Frauen fallen im Schnitt doppelt so hohe Kosten an wie für Männer. Das hat mit der höheren Lebenserwartung der Frauen zusammen.

Wie kann ich mich sonst noch absichern? Mit einer Pflegezusatzversicherung, die in verschiedenen Varianten auftaucht: Die sinnvollste ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Bayern die Pflegetagegeldversicherung. Hier wird je nach Pflegestufe für jeden Tag eine vereinbarte Summe ausgezahlt. „Der übliche Tageswert liegt zwischen 50 und 60 Euro“, erklärt Verbraucherschützer Stephan Nuding. Macht 1500 Euro im Monat. Der volle Pflegesatz gilt allerdings häufig nur für die Pflegestufe III, für Stufe II und I wird anteilig bezahlt (60 bzw. 30 Prozent). Wofür die Versicherten das Geld verwenden – ob für Heimbetreuung oder pflegende Angehörige – entscheiden sie selbst. Bei der Pflegekostenversicherung werden die tatsächlich entstandenen Kosten erstattet. Dafür müssen Rechnungen vorgelegt werden. Wer eine Pflegerentenversicherung abschließt, bekommt eine frei verfügbare Monatsrente ausgezahlt. Allerdings orientieren sich die Leistungen der Versicherer an der Pflegestufe. Der volle Betrag wird meist nur bei Pflegestufe III ausgezahlt.

Für wen lohnt sich die Zusatzversicherung? Für jeden, der im Alter die Pflegekosten nicht aus eigener Kraft stemmen kann. Allerdings gehen laut Nuding andere Versicherungen vor, und zwar: die private Altersvorsorge, die Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Haftpflichtversicherung. 

Was leistet der „Pflege-Bahr“, jener Zuschuss, den der Staat seit Anfang des Jahres zahlt? Wer gesetzlich krankenversichert, über 18 Jahre alt ist und im Jahr mindestens 120 Euro in eine Pflegetagegeldversicherung einzahlt, bekommt vom Staat 60 Euro dazu. Das Gute: Stellten früher Risikoaufschläge und Gesundheitstests echte Hürden dar, können jetzt auch Senioren und chronisch Kranke zu erschwinglichen Prämien für den Pflegefall vorsorgen. „Die Police ist für einen überschaubaren Betrag zu kriegen und kann sich für viele lohnen“, findet Aline Klett von der Stiftung Warentest. Bei reiner Demenz jedoch, also Pflegestufe 0, sei die Unterstützung zu gering (Beispielrechnung: siehe Kasten). Ein weiteres Problem: Die meisten Versicherer zahlen erst nach fünf Jahren Versicherungszeit. In jedem Fall sollten sich Interessierte auch ungeförderte Tarife vorrechnen lassen.

Wann ist ein guter Zeitpunkt, den „Pflege-Bahr“ abzuschließen? Experten empfehlen, noch zu warten. Die Erwartung: In den nächsten Wochen kommen neue Angebote dazu.

 

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