Vorsicht vor Fake-News Coronavirus: So schützen Sie sich vor Falschmeldungen

Autorenprofil Ruth Schormann
Diese elektronenmikroskopische Aufnahme des U.S. National Institutes of Health zeigt das Virus, das Covid-19 verursacht. Foto: Uncredited/NIAID-RML/AP/dpa

Sie befriedigen Neugier, schüren Angst und verbreiten sich schneller als das Virus: Fake-News rund um Corona. Die AZ hat einige davon gesammelt – und zeigt, wie man sie erkennt.

 

Das Interesse an Informationen ist derzeit groß. Das ist schön, gerade für Zeitungen, Funk und Fernsehen. Das Coronavirus beherrscht die Nachrichten wie kein anderes Thema. Doch insbesondere in den Sozialen Medien schwirren allerhand Gerüchte und Mutmaßungen über das neuartige Virus umher.

Hier ist Vorsicht geboten! Besonders über den Messengerdienst WhatsApp verbreiten sich solche Falschmeldungen bis hin zu Verschwörungstheorien recht einfach, da hier jegliche Kontrollinstanz fehlt.

Fake-News über Corona: WhatsApp warnt

WhatsApp selbst warnt übrigens davor, solche Kettenbriefe weiterzuleiten. Vieles stellt sich bereits kurz nach Veröffentlichung als reine Falschinformation dar, die nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht.

Das Bundesministerium für Gesundheit warnt explizit vor der Verbreitung solcher Fake-News, da sie die Verunsicherung der Bevölkerung verstärken und das Grundvertrauen zueinander schwächen würden. Bei der gegenwärtigen Geschwindigkeit des Informationsflusses ist es jedoch schwer, einen Überblick zu behalten, was wahr und was unwahr ist.

Die AZ stellt hier einige der Falschmeldungen vor – und ordnet sie ein...

1. Bei Corona-Verdacht auf die Einnahme von Ibuprofen verzichten

Zuerst war es eine Sprachnachricht, die sich über WhatsApp verbreitete, dann kam ein Dementi der darin angeblich zitierten Uniklinik Wien, dann warnte die WHO doch vor der Einnahme von Ibuprofen und empfahl stattdessen Paracetamol. Innerhalb von wenigen Stunden verbreitete sich das Gerücht, dass Ibuprofen den Krankheitsverlauf drastisch verschlechtern könne.

 Doch zwei Tage später nahm die WHO die ausgesprochene Warnung wieder zurück. Nach Absprache mit führenden Ärzten und Experten scheint es neben den üblichen Nebenwirkungen für bestimmte Gruppen keine Anzeichen für negative Auswirkungen zu geben: "Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab."

2. Mücken können durch Stiche Coronaviren übertragen

Manche befürchten, dass sich mit den steigenden Temperaturen auch das Virus schneller ausbreiten könnte. Es besteht die Sorge vor einer Infektion durch Mückenstiche. Nach Angaben der WHO könne aufgrund der aktuellen Datenlage jedoch ausgeschlossen werden, dass eine solche Übertragung möglich sei. Bei Covid-19 handele es sich um ein Atemwegsvirus, das sich überwiegend durch Tröpfcheninfektion ausbreite – also eine Weitergabe durch Husten oder Niesen von Infizierten.

3. Nur Alte und Menschen mit Vorerkrankungen sind betroffen

Das ist schlichtweg falsch. Menschen allen Alters können durch das Virus erkranken. Der Münchner Arzt Clemens Wendtner war es, der die ersten Covid-19-Patienten in Deutschland behandelt hat. In der "Zeit" sagt er explizit: "Wir müssen auch junge Menschen künstlich beatmen. Die sind in ihren Zwanzigern und Dreißigern und mussten nach wenigen Stunden in der Notaufnahme intubiert werden. Daher auch die Warnung: Die jungen Menschen sind nicht unverwundbar!"

Dennoch sind Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet, schwer zu erkranken – doch es gibt eben auch junge, die so schwer erkranken, dass sie an die künstliche Beatmung angeschlossen werden müssen, wie auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) unlängst informierte. Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet, dass der Schnitt der Erkrankten in Deutschland derzeit bei 47 Jahren liege. Doch auch die RKI-Experten warnen: Es seien schwere Verläufe der Krankheit auch bei jungen Menschen sowie bei Menschen ohne Vorerkrankungen vorgekommen.

4. Das Coronavirus ist gar nicht neu 

In Sozialen Medien hält sich das hartnäckige Gerücht, dass das Coronavirus keine Neuerscheinung sei, sondern eine seit Langem bekannte Virusform. Grund der Annahme sind Bilder einer Desinfektionsflasche von 2016, die auf Facebook mehrmals geteilt wurden. Auf dieser steht, das Mittel helfe gegen "Coronavirus". Tatsächlich ist die Familie der Coronaviren laut RKI schon seit Mitte der 1960er Jahre bekannt – darunter fällt auch das 2003 identifizierte Sars-Virus.

Bei Sars-CoV-2 (das Virus, das die Krankheit Covid-19 auslöst) handele es sich hingegen um einen neuartigen Erreger, der vor seinem Ausbruch 2019 noch nicht in Erscheinung getreten sei. Auch der Labormediziner Jürgen Kunz bestätigt der AZ: "Die Coronaviren sind schon seit Langem verbreitet, doch bei Covid-19 handelt es sich um eine Neuentwicklung in der Virengattung."

5. Knoblauch schützt vor einer Infektion

Knoblauch soll Vampire abhalten, also auch Corona? Nein. Die WHO erklärt, dass Knoblauch antimikrobielle Wirkstoffe enthält. Es gebe aber keine Beweise für eine präventive Wirkung gegen das neuartige Coronavirus.

6. Alle 15 Minuten Wasser zu trinken, tötet das Virus

Das wäre ja schön einfach. Stimmt aber leider überhaupt nicht. Es kursieren mehrere Social-Media-Einträge, in denen behauptet wird, dass durch Flüssigkeitsaufnahme das Virus in den Magen gespült und dort von der Magensäure zersetzt werde.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die WHO widersprechen: Wenn das Virus mit der Schleimhaut in Kontakt kommt, breite es sich aus – egal, wie viel Flüssigkeit dem Körper zugeführt werde. Kunz bestätigt: "Eine Mundspülung kann die Infektion nicht verhindern."

7. Alkohol und Chlor helfen, das Coronavirus zu bekämpfen

Im Internet verbreitet sich das Gerücht, dass das Trinken von Alkohol oder das Besprühen des Körpers mit Ethanol oder Chlordioxid ein wirksames Mittel gegen Covid-19 sei. Ganz im Gegenteil: Chlordioxid wird als Bleichmittel und zur Desinfektion verwendet. Die chemische Verbindung wirkt – je nach Konzentration – auf Haut und Schleimhäute reizend bis ätzend.

Die WHO warnt, dass allein das Besprühen mit den beiden Substanzen zu einer Schädigung der Schleimhaut und der Haut führen kann. Und Alkohol? Tatsächlich kann Alkohol das Virus auf Oberflächen angreifen oder gar zerstören. Das Trinken von Alkohol, um Sars-CoV-2 abzutöten, ist allerdings eine Schnapsidee.

8. Die Schutzmaßnahmen gegen Corona sind total übertrieben

"Ich finde sie grotesk, überbordend und direkt gefährlich“, sagt der 2012 emeritierte Mikrobiologie-Professor Sucharit Bhakdi mit Blick auf staatliche Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in einem bereits über 500.000 Mal aufgerufenen YouTube-Video. Er meint, Sars-CoV-2 sei "nicht grundsätzlich" gefährlicher als andere Erreger der Virus-Familie.

Von 10.000 Infizierten seien "lediglich 50 bis 60" erkrankt. "99 Prozent der Menschen haben keine oder nur leichte Symptome." Doch damit widerspricht er ohne Angabe von Quellen weltweit übereinstimmenden Forschungsergebnissen. Der Mikrobiologe setzt den Anteil der schwer Covid-19-Erkrankten deutlich zu niedrig an. Zudem missachtet er das exponentielle Wachstum bei den Neuinfektionen.

9. Aufgeschnittene Zwiebeln "saugen" Coronaviren aus der Luft

Solche Heilkräfte gegenüber Viren haben Zwiebeln nicht. Wahr ist: Zwiebeln wirken antimikrobiell. Das heißt, sie schränken die Ausbreitung von Mikroorganismen ein, indem sie diese töten oder deren Wachstum lähmen.

Da die im Zwiebelsaft enthaltenen antimikrobiellen Schwefelverbindungen flüchtig sind, können Mikroorganismen durchaus auch in der Luft abgetötet werden. Nach Aussage von Haike Antelmann, Professorin für Mikrobiologie an der Freien Universität Berlin, sind davon allerdings vor allem Bakterien betroffen. Es gebe bisher keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die antimikrobielle Wirkung der Zwiebel auch bei Viren wirkt.

10. Es kommt vermehrt zu Einschränkungen des Festnetzes 

Wegen der aktuellen Krisensituation in Zusammenhang mit Corona soll die Festnetzkapazität beschränkt werden. Demnach werden alle Festnetzgespräche nach 15 Minuten unterbrochen – unabhängig vom jeweiligen Telefonanbieter. Doch Deutsche Telekom, Vodafone und O2 dementieren. Einen solchen Abbruch von Telefonaten gebe es bei keinem von ihnen. André Hofmann, Sprecher der Telekom, gibt Entwarnung: "Sie können ganz normal telefonieren, so lange Sie wollen."

Auch Vodafone garantiert seinen Kunden: "Die Netze sind stabil." O2 hält über seinen Pressesprecher fest, dass es für diese Behauptung keine faktische Grundlage gebe.

Drei wichtige Fragen: Der persönliche Fakten-Check

Wer sich unsicher ist, ob eine Nachricht richtig ist, sollte diese drei Fragen beantworten: Von welcher Quelle kommt die Nachricht oder das Video und wer verbreitet die Informationen eigentlich aus welchem Grund?

Hier sollte man sich auch etwaige Profilinformationen des Verbreiters ansehen. Kommt die Nachricht von Freunden oder Familie gilt es, ebenfalls nachzufragen, wo sie ursprünglich herkommt.

Ist der Verbreiter nicht vertrauenswürdig, bleiben Ursprung und Herkunft der Informationen unklar oder sind die Autoren oder vermeintlichen Experten, die zu Wort kommen, völlig unbekannt oder zweifelhaft, spricht einiges für eine Falschmeldung.

Fake-News: Wer verfolgt welche Absichten mit einer Behauptung?

Sind die Informationen hieb- und stichfest, gibt es sprachliche oder andere Auffälligkeiten? Eine Spezialität von Falschmeldungen sind vage, unvollständige oder zusammenhanglose Informationen, in denen wichtige Details wie Namen und Orte unterschlagen werden.

Formulierungen wie "ein Arzt", "ein Onkel aus China" oder "in einem Dorf" sind Warnsignale. Außerdem "glänzen" Fake-News in schöner Regelmäßigkeit mit laxen bis reißerischen Formulierungen, Rechtschreib- und Übersetzungsfehlern oder geklauten und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten.

Und man sollte sich fragen, wer von einer Meldung profitieren könnte. Geht es am Ende nur um interessengesteuerte, vielleicht rein kommerzielle Absichten? Haben andere darüber berichtet?

Hilfreich ist oft der Gegencheck bei bekannten, vertrauenswürdigen Quellen wie etwa Medien oder Behörden: Wird dort nicht berichtet, insbesondere wenn eine Nachricht besonders brisant erscheint, liegt das mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass sie schlichtweg falsch ist. (av)

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