Vor Gericht Mordversuch in der S7

Eine S-Bahn fährt ein (Symbolbild) Foto: Gregor Feindt

In der S-Bahn zugestochen: Jermaine J. steht jetzt wegen versuchtem Mord vor Gericht.

 

MÜNCHEN - Ein Pulverfass auf zwei Beinen: Diese Beschreibung scheint auf Jermaine J. zu passen. Immer wieder ist der 18-Jährige mit Messer, Stühlen oder Macheten auf seine Gegner losgegangen. Bisheriger Höhepunkt: Mit einem Springmesser stieß er in der S7 zu, verletzte einen 16-Jährigen schwer am Auge. Eine Gewalttat, die München ein halbes Jahr nach der tödlichen Attacke auf Dominik Brunner erneut erschütterte.

Seit gestern verhandelt die Jugendkammer des Münchner Landgerichts hinter verschlossenen Türen nicht nur den Vorwurf des versuchten Mordes. Denn es war ja nicht das erste Mal, dass Jermaine gewalttätig wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Germeringer vor, in einer Jugendhilfe-Einrichtung im Jahre 2008 einen Betreuer bedroht, geschlagen und randaliert zu haben. Dabei habe er unter anderem versucht, den Pädagogen zu strangulieren.

Der Bub spielt offenbar gerne den starken Mann. Im Verlauf des Streits mit seinem Betreuer brüstete sich Jermaine damit, dass er bereits zwei Mal Menschen mit dem Messer verletzt habe und auch jetzt keine Skrupel kenne.

Zweiter Vorwurf: In einer Münchner Jugendarrestanstalt schlug er im Dezember 2009 einem Zellengenossen im Streit ins Gesicht, ging mit einem Stuhl auf diesen los und biss ihm schließlich in die Nase.

Am schwersten aber wiegt die S-Bahn-Attacke. Den Stich ins Gesicht seines Kontrahenten wertet die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord. Jermaine J. drohen bis zu zehn Jahre Jugendhaft.
Und so soll es sich laut Anklage am 27. Februar 2010 abgespielt haben: Der 17-Jährige ist ordentlich betrunken (1,36 Promille), als er mit seiner Freundin in der S7 in Richtung Wolfratshausen fährt. Die beiden streiten sich, die Gruppe um Kilian K. schaut zu ihnen rüber. Es kommt zu Pöbeleien. Die Szene beruhigt sich aber zunächst.

Doch als er in Mittersendling aussteigen will, fragt Jermaine J. noch einmal, ob Kilian K. ein Problem hat, kickt dazu eine Bierflasche durch den Waggon. Auch die Wachen und Videokameras in der S-Bahn nach Wolfratshausen können ihn dabei nicht beeindrucken. Er baut sich vor seinem Opfer auf, zieht das Springmesser und stößt zu. Kilian K. weicht dem Stich aus, wird aber dennoch oberhalb des linken Auges getroffen und verletzt.
Ein Urteil soll am 22. März verkündet werden. 

 

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