Vor der WM 2022 in Katar Sklaverei in der Luxuswelt – Wanderarbeiter ohne Rechte

Unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten die Wanderarbeiter, die oft aus Nepal in den Wüstenstaat Katar kommen. Sepp Blatter, der Fifa-Chef, und Foto: dpa

Während die einen im Luxus leben, fristen die anderen ihr Dasein de facto als Leibeigene. In den Golfstaaten haben Billigarbeiter noch immer kaum Rechte. Menschenrechtler schlagen Alarm.

 

Riad - In Sachen Geld sind die Golfstaaten in der Regel nicht gerade kleinlich. In Dubai fährt die Polizei Lamborghini, in Katar investiert die Tochter des früheren Emirs Milliarden in die Kunst. Saudi-Arabien wiederum gönnt sich eine neue Luxus-U-Bahn, deren Bahnhofswände mit Gold bekleidet sein sollen. Für die ausländischen Arbeitskräfte aus Billiglohnländern fällt von dem Luxus jedoch nichts ab.

Ein Bericht von Amnesty International beklagte wieder ein „alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit“ in Katar, dem Gastgeberland der Fußball-WM 2022. Wie in dem Emirat haben Gastarbeiter aus Ländern wie Indonesien, Nepal oder Äthiopien auch in anderen Golfstaaten nur wenige Rechte - und werden nicht selten wie Sklaven gehalten.

Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch sehen das grundlegende Übel in dem „Sponsor“-System. Demnach bürgen die Chefs für ihre Angestellten aus dem Ausland. Arbeitserlaubnis und Aufenthalt sind also an den Arbeitgeber gekoppelt und die Migranten sind ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Human Rights Watch kritisiert die Regelung im jüngsten Jahresbericht: „Sie gibt den Arbeitgebern außergewöhnliche Macht über das Leben dieser Angestellten. Diese haben kein Recht sich zu organisieren oder gemeinsam zu verhandeln.Im Falle eines Streiks drohen ihnen Strafen.“

Unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen kommen oft hinzu: Überstunden in der brütenden Hitze bis hin zu Zusammenbruch, sexuelle Übergriffe, schmutzige und überfüllte Unterkünfte. Und noch bevor die Arbeitnehmer aus Asien oder Afrika ins Land kommen, verlangen Vermittler horrende Gebühren von ihnen. Kaum eingereist, nehmen viele der neuen Arbeitgeber ihnen die Pässe ab. International wird der Umgang der Golfstaaten mit ihren Billigarbeitskräften schon lange kritisiert. Und nach und nach werden Verbesserungen beschlossen – wenn auch im marginalen Bereich.

So legte Saudi-Arabien fest, dass Dienstmädchen nun einen Tag pro Woche freihaben sollen. Die Betroffenen sind jedoch skeptisch. „Ein Tag ohne Aufräumen, Kochen oder Kinderpflege wäre toll“, sagte die Äthiopierin Masarah der Zeitung „Arab News“. „Aber ich glaube, die meisten Arbeitgeber – meiner eingeschlossen – wird diesen Beschluss niemals umsetzen.“

Unklar ist, wie man die Saudis überhaupt zur Umsetzung zwingen könnte. Auch die Vorgabe, dass Arbeitgeber die Gehälter auf ein Bankkonto überweisen sollen, brachte weder in Saudi-Arabien noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten den gewünschten Erfolg. Noch immer halten Chefs Gelder zurück, zahlen oft zu spät oder gar nicht. Nun droht vielen Billiglöhnern zudem noch die Abschiebung.

Saudi-Arabien etwa – wo Migranten einen großen Teil der Arbeitnehmer ausmachen – will künftig wieder mehr eigene Bürger einstellen. Denn die Arbeitslosigkeit in dem ölreichen Königreich steigt. Die Behörden haben seit dem Ende einer Duldungsfrist zum Monatsbeginn schon Zehntausende Schwarzarbeiter in Abschiebehaft genommen. In Riad kam es deswegen mehrfach zu Unruhen.

Auch andere Golfländer wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait setzen künftig auf mehr eigene Arbeitskräfte. Und ganz gleich wie lange man in den Golfstaaten gearbeitet hat: Die Hoffnung, dort eine neue Heimat zu finden, erfüllt sich fast nie. Die Staatsbürgerschaft bekommt kaum jemand – und diejenigen, die immerhin eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen, bleiben trotzdem Bürger zweiter Klasse.

 

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