Vor dem S-Bahn-Derby FC Bayern - Haching Das besondere Duell der Welzmüller-Brüder

Kräftemessen in der Pizzeria: Josef (links) und Maximilian Welzmüller fiebern dem Derby am Samstag entgegen. "Das Spiel gegen den Bruder ist natürlich besonders." Foto: Daniel von Loeper

Josef und Maximilian Welzmüller treffen mit der SpVgg Unterhaching und dem FC Bayern II im Derby aufeinander. Die AZ traf sie zum Interview. "Wir sind in 36 Spielen Fans voneinander, diesmal nicht."

 

München - Josef und Maximilian Welzmüller sowie ihr Bruder Lukas sind Drillinge. Josef spielt für Unterhaching, Maximilian für den FC Bayern II. Vor dem S-Bahn-Derby unterhalten sich die beiden Geschwister mit der AZ.

AZ: Die Herren Welzmüller, wenn man Ihnen vor zehn Jahren gesagt hätte, Sie spielen mal mit Ihren Mannschaften – der SpVgg Unterhaching und dem FC Bayern II – ein Münchner Derby in der 3. Liga gegeneinander, dann…
MAXIMILIAN WELZMÜLLER: Ich hätte es für sehr unwahrscheinlich gehalten, oder?
JOSEF WELZMÜLLER: Ja, ich auch, aber aus dem Grund, da Maxi schon immer der bessere Fußballer von uns beiden war. Deshalb ist es für mich eine große Ehre, dass wir ein Derby gegeneinander spielen.

Apropos Münchner Derbys. Wie froh ist man als Münchner, in einer Saison sechs Münchner Derbyspiele miterleben zu können?
Josef an Maximilian: Bist du auch in München geboren?
MAXIMILIAN: (lacht) Generell ist ein Derby immer etwas Besonderes. Das gegen die Löwen ist noch ein Stück brisanter als gegen Haching, für uns als Spieler, aber speziell auch für unsere Fans. Das Spiel gegen den Bruder ist natürlich auch besonders. Vor allem, weil ich den ganzen Verein kenne – den Trainer, sehr viele Spieler.
JOSEF: Ich finde es schön, dass wir wieder so viele Derbys haben. Das zeigt auch, dass München eine Fußballhochburg ist. Aber ich muss da meinem Bruder leider recht geben, so reizvoll das Spiel gegen ihn ist, auch für uns ist das Duell gegen Sechzig brisanter.

"Der Bayern-Start hatte Licht und Schatten"

Maximilian, Sie sind mit den Bayern-Amateuren ein junges Team mit neuem Trainer und vielen neuen Spielern. Wie würden Sie den Saisonstart einordnen?
MAXIMILIAN: Mit Licht und Schatten. Natürlich ist das auch ein bisserl dem Alter geschuldet. Wir hatten Partien, in denen vier, fünf Spieler in der Startelf standen, die alle noch in der U19 spielen könnten. Das ist ein Lernprozess und es dauert einfach, bis sie sich an das Leistungsniveau und den Männerfußball gewöhnen. Teilweise haben wir aber sehr schönen Fußball gespielt, da haben nur leider die Ergebnisse nicht gestimmt. Wir sind selbst nicht ganz zufrieden. (In bislang sechs Spielen gelangen dem FC Bayern II zwei Siege und ein Unentschieden, d.Red.)

Zu Haching: In dieser Saison konnten Sie noch nicht auf dem Platz für Haching stehen, Josef. Wann wird sich das ändern?
JOSEF: Das ist schwierig zu sagen. Ziel war der Saisonstart, leider hat das Knie nicht ganz mitgespielt. Ich hoffe, dass es nicht mehr lange dauert. (Josef Welzmüller hat im September 2019 einen Kreuzbandriss erlitten, d.Red.)

Und im Rückspiel gibt’s die Sense gegen den Bruder?
JOSEF: (lacht) Ob ich ihn umsense, weiß ich nicht, aber im Rückspiel will ich auf jeden Fall dabei sein.
MAXIMILIAN: Ich bin viel zu schnell für ihn, der erwischt mich doch gar nicht.

"Der ein oder andere lockere Spruch wird ausgetauscht"

Frotzeln Sie auch mal wegen eines Ergebnisses, da Sie in der gleichen Liga spielen?
MAXIMILIAN: Im Hinblick auf die fußballerischen Leistungen eher nicht, wir können uns beide realistisch einschätzen. Aber der ein oder andere lockere Spruch wird dann doch ausgetauscht.
JOSEF: Wir sind in 36 Spielen Fans voneinander. Ich kann von mir selber ehrlich sagen, dass ich in allen Spielen – außer gegen uns – Fan von Bayern II bin, aber in diesen beiden Spielen natürlich nicht. Da wird schon mal ein bisschen gestichelt.

Tauscht man sich über den Gegner auch mal aus, da der Spielplan der beiden Mannschaften recht ähnlich ist?
JOSEF: Das ist echt Gold wert für uns!
MAXIMILIAN: Das ist ein Vorteil für Haching. Der Spielstil beider Mannschaften ist ähnlich, wir wollen beide sehr viel auf Ballbesitz spielen, da ist es praktisch, wenn man eine Woche zuvor sieht, wie ein Gegner auf diese Art von Fußball reagiert – und man kann sich dementsprechend anpassen. Da bekomme ich hin und wieder mal einen Anruf von Claus Schromm (Trainer der SpVgg Unterhaching, d. Red.), was mir beim letzten Gegner aufgefallen ist. In der Hinsicht halten die Münchner Mannschaften auf jeden Fall zusammen.

Sie haben einen weiteren Bruder – Lukas. Sie sind alle als Bayern-Fans aufgewachsen. Wie ist es, seit über einem Jahr sagen zu können, ich bin Bayern-Spieler?
MAXIMILIAN: Es ist eine Herzensangelegenheit, ich bin wirklich seit Kindheitstagen Bayern-Fan. Für mich gibt es nichts Größeres, als in der Heimat bei diesem Verein Fußball zu spielen. (Maximilian Welzmüller wechselte 2018 vom VfR Aalen zum FC Bayern II, d.Red.).

"Einzige Alternative ist der SV Inning"

Wie wichtig war es Ihnen, den Lebensmittelpunkt wieder nach München zu verlegen?
MAXIMILIAN: Sehr wichtig. Ich sehe nun meinen Bruder drei, vier mal die Woche, ich kann meine Eltern regelmäßig besuchen und Freunde, die in der Ferne studiert haben, kommen in die Heimat zurück. Das alles bedeutet mir sehr viel.
JOSEF: Ich glaube, wir sehen uns sogar jeden Tag. Früher hat man jeden Tag telefoniert, jetzt sieht man sich umso öfter. Es ist schön, gemeinsam Zeit zu verbringen, das ist das wertvollste Gut, das wir haben.
MAXIMILIAN: Ich liebe deine Floskeln. Du könntest glatt ein Philosophie-Studium anfangen. (lacht)

Wie schaut ein typischer freier Tag bei Ihnen aus?
JOSEF: Wenn wir beide frei haben, fahren wir meistens nach Hause nach Inning. Da sind wir aufgewachsen, dort steht unser Elternhaus. Da treffen wir uns oft mit unserem Bruder und im Sommer geht es dann meistens an den Ammersee.
MAXIMILIAN: Wir sind nicht die klassischen Fifa-Zocker, das hat uns nie groß interessiert.
JOSEF: Was für uns der Fußball ist, ist für unseren Bruder Lukas das Angeln und das Jagen. Da nimmt er uns auch gerne mal mit, zeigt uns alles.
MAXIMILIAN: Und Pilze sammeln! Ich war gerade bei meinen Eltern zu Hause und das gesamte Tiefkühlfach ist voll mit Steinpilzen und Fischen.

Lukas ist Torwart beim SV Inning. Gibt es noch mal alle drei Drillinge in einer Mannschaft?
MAXIMILIAN: Die einzige Alternative ist der SV Inning, das haben wir vor langer Zeit mal ausgemacht. Ich bin der festen Überzeugung, dass es irgendwann klappt. Der Seppi hat leider schon viele Verletzungen erlitten, ich hoffe, den kriegen wir da auch noch aufs Feld.
JOSEF: Wenn nicht, werde ich Trainer! Es wäre mit den ganzen Freunden von früher auf jeden Fall das absolute Highlight.

"Ich versuche, die Brauchtumspflege sehr hochzuhängen"

Auf Ihren Instagram-Profilen sieht man Sie oft in Tracht oder auch auf der Wiesn. Ist Ihnen Tradition wichtig?
JOSEF: Mir ist das sehr wichtig, ich hab mit einem Spezl eine Trachtengruppe auf Facebook mit mittlerweile knapp 5.000 Mitgliedern. Ich versuche, die Brauchtumspflege sehr hochzuhängen. Wir sind auf dem Land aufgewachsen, da gehört das dazu. Den Maxi hab ich mittlerweile auch angesteckt.
MAXIMILIAN: Wenn es die Zeit zulässt, sind wir mit unserem Bruder auf allen möglichen Dorfaktivitäten vertreten.

Bald geht es wieder los mit dem Oktoberfest. Was ist für Sie der beste Wiesn-Hit?
MAXIMILIAN: "Bergwerk" von Reinhard Fendrich.
JOSEF: Ich mag "Großvater" von STS unglaublich gern, aber des wird in den großen Zelten immer seltener gespielt.

Die Tipps für das Spiel?
MAXIMILIAN: Ich tippe auf einen Sieg für uns, aber hoffe natürlich, dass Haching trotz der Niederlage den Weg in die 2. Liga findet. Darüber hinaus drücke ich meinem Bruder die Daumen, bald wieder auf dem Platz stehen zu können.
JOSEF: Wenn ich wüsste, dass wir aufsteigen, kann der Maxi am Wochenende einen Punkt holen, ansonsten bin ich mit einem knappen Sieg zufrieden.

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