Vor dem Duell mit Tottenham Zentrale Fragen beim FC Bayern: Hat Kimmich mit seiner Kraft-Theorie recht?

Dauerbrenner beim FC Bayern - auf der Sechs und als Rechtsverteidiger: Joshua Kimmich. Foto: firo/Augenklick

Bayern-Star Joshua Kimmich glaubt, dass eine lange Champions-League-Saison zu viel Kraft für die Liga kosten könnte. Gegen Tottenham spielt er wieder als Sechser. "Ein Musterprofi", schwärmt Trainer Hansi Flick.

 

München - Es ist eine interessante Theorie, die Joshua Kimmich da formuliert. Was besonders daran liegt, dass vor nicht allzu langer Zeit noch eine gegenteilige Theorie beim FC Bayern vertreten wurde. "Je weiter wir in der Champions League kommen, desto schwieriger wird es immer wieder, die Kräfte für die Bundesliga zu haben", sagte Kimmich vor dem Duell mit Tottenham Hotspur am Mittwoch (21 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker): "Umso ärgerlicher, dass wir aktuell in der Tabelle mit so vielen Punkten hintendran sind."

Moment: War nicht das Hauptargument für das dreimalige Scheitern unter Pep Guardiola im Königsklassen-Halbfinale, dass die Liga bereits früh entschieden war, dass die sogenannte Spannung fehlte?

Kimmich hat eine klare Meinung

Kimmich sieht es offenbar anders. "Letztes Jahr hat es uns in die Karten gespielt, dass wir im Achtelfinale der Champions League verdient rausgeflogen sind, so ehrlich müssen wir zu uns selbst sein. Sonst wäre es schwieriger geworden, das Double zu holen", erklärte der 24-Jährige. "Dieses Jahr spielen wir eine gute Champions-League-Saison, sind verdient Erster in der Gruppe schon vor dem letzten Spiel. Trotzdem wollen wir das (...) gewinnen, und bekommen dann hoffentlich ein etwas leichteres Los im Achtelfinale als in der vorherigen Saison."

Man dreht es sich halt, wie man's grade braucht. Aber zum Glück gibt es ja Statistiken. Und die unterstreichen Kimmichs These nicht wirklich. Im Detail: In den vergangenen zehn Jahren schied Bayern nur einmal bereits im Achtelfinale der Königsklasse aus (2011), damals sprang in der Liga Platz drei heraus. Sonst erreichten die Münchner immer mindestens das Viertelfinale, zwischen 2010 und 2018 sogar viermal das Halbfinale, dreimal das Finale (ein Sieg: 2013). In der Bundesliga wurden in diesem Zeitraum acht Meisterschaften gewonnen, viermal gelang das Double, einmal das Triple. Eine lange, erfolgreiche Saison in der Champions League wirkte sich in der Vergangenheit also keineswegs negativ auf Bayerns Meisterchancen aus.

FC Bayern: Wo ist Kimmich am wertvollsten?

Oder wollte Kimmich vielmehr aussagen, dass der aktuelle Kader der Spielzeit 2019/20 nicht die Klasse und Breite vergangener Jahrgänge besitzt, um in drei Wettbewerben konkurrenzfähig zu sein? Möglich. Diese zentrale Frage müssen die Münchner in den kommenden Monaten beantworten, eine andere schon früher: Wo ist Kimmich für diese Mannschaft am wertvollsten?

Nachdem Trainer Hansi Flick den Allrounder und Chefkritiker viermal als Sechser in der Startelf aufgeboten hatte, spielte Kimmich in Gladbach plötzlich wieder Rechtsverteidiger – aus taktischen Gründen. Benjamin Pavard (23) erhielt eine Pause. Und Flick kritische Anmerkungen. "Ich muss sagen: Ich verstehe es nicht wirklich", erklärte Sky-Experte Didi Hamann nach der 1:2-Niederlage: "In den Räumen zwischen der Viererkette und dem Mittelfeld lassen sich ein Pléa, Thuram und Embolo immer wieder fallen. Da braucht es auf Bayern-Seite einen Spieler, der organisiert und dagegen hält. Und das kann Kimmich."

Doch anstelle des deutschen Nationalspielers durfte Thiago (28) im defensiven Mittelfeld starten. Der Spanier glänzte in manchen Szenen mit famosen Pässen, nach dem Gladbacher Ausgleich brach er aber wie viele seiner Kollegen ein und konnte keinen Widerstand mehr leisten.

Ob Flick gegen Tottenham umstellt? Ein wahrscheinliches Szenario. Pavard dürfte ins Team zurückkehren, Kimmich wäre somit frei für den Platz vor der Viererkette. "Er hat bislang hervorragend auf der Sechs gespielt, ich bin wirklich sehr zufrieden", sagte Flick am Dienstag und bezeichnete Kimmich als "Musterprofi. Er will immer gewinnen und ist jeden Tag bei hundert Prozent."

Als Achter stehen Flick neben Thiago Leon Goretzka, Thomas Müller und Philippe Coutinho zur Verfügung. Corentin Tolisso (Muskelverhärtung) und Michael Cuisance (Stauchung im Sprunggelenk) fallen aus.

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