Vor 1860 gegen Dresden Gerhard Poschner: So tickt der neue Löwen-Sportchef

1860-Sportchef Gerhard Poschner Foto: rauchensteiner/augenklick

„Ich trage hier jetzt die Verantwortung“, sagt Gerhard Poschner, der neue Sportchef der Löwen – und spricht mit der AZ über seine Ziele und Ansprüche.

München - Es ist, als wäre Gerhard Poschner nie weg gewesen. Obwohl er zehn Jahre nicht mehr hier war. „Einen Cappuccino, bitte. In zwei Bechern. So wie immer“, sagt der 44-Jährige zur Kellnerin im Löwenstüberl und bezahlt gleich mal den doppelten Preis. „Damit ich beim nächsten Mal einen gut habe – falls ich mal nicht genügend Geld dabei habe.“ Die zwei Becher in einem gibt’s, damit nichts tropft. Zum Abschluss gibt’s eine kurze Umarmung, einen kleinen Plausch über die gemeinsame Herkunft Rumänien, dann bespricht sich Poschner mit Vize-Präsident Peter Helfer – später wollen sie gemeinsam bei der U19 im Grünwalder Stadion vorbeischauen. Helfer fährt, Poschner ist der Beifahrer.

Beifahrer, das ist eigentlich gar nicht das Ding von Gerhard Poschner. Poschner will bei 1860 ans Gaspedal, die sportliche Richtung vorgeben. Deshalb ist er hier. Der neue Geschäftsführer Sport. Angetreten, um den Verein in eine bessere Zukunft zu führen. Dafür will er alles anpacken, vieles umkrempeln. Einfach jeden kennenlernen.

Am Sonntag trifft Poschner im Löwenstürbel auch auf die Fanbeauftragte Jutta Schnell. Das Gesicht hat er während der letzten zehn Jahre nicht vergessen, jetzt geht’s an die Arbeit. Poschner will die Fans hören, ihre Anliegen kennenlernen und will sich deshalb so schnell wie möglich mit Jutta Schnell zusammensetzen.

Vor dem Spiel der Löwen bei Dynamo Dresden (Montag, 20.15 Uhr) hat die AZ mit Poschner über seine ersten Tage bei 1860 gesprochen. Und wie er die Zukunft plant. Gerhard Poschner, der auch am Sonntag noch nicht wusste, ob er auf der Bank oder auf der Tribüne sitzen wird, über:

Die Trainersuche: „Mit Markus Rejek habe ich besprochen, dass wir uns für die Trainersuche kein konkretes Zeitlimit setzen. Das ist eine ganz wichtige Personalie für den Verein, deshalb nehmen wir uns die notwendige Zeit.“
Nach denjenigen, die das anders sehen, will sich Poschner nicht weiter richten. Schließlich trägt er am Ende die Verantwortung, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Außerdem sei eines bei der ganzen Debatte klar: „Spielerverpflichtungen erfolgen unabhängig von der Trainerfrage, das macht der Verein.“

Seine ersten Schritte bei 1860: „Vieles hat sich verändert, die handelnden Personen sind andere und doch ist alles gleichgeblieben. Der Verein ist immer noch derselbe, mit allem was dazu gehört. Langweilig wird es hier mit Sicherheit nie werden, aber das ist auch gut so. Deshalb reizt mich diese Aufgabe ja so: 1860 ist ein geiler Verein. Für die Wohnungssuche war bisher keine Zeit. Das steht auf der Prioritätenliste auch ganz weit unten. Da gibt es viele andere Dinge, die vorher anfallen. Auch mein Büro habe ich bisher nur provisorisch bezogen. Dafür habe ich am Samstag die Mannschaft kennengelernt.“

Seine erste Ansprache an die Spieler: „Ich will hier eine positive Grundstimmung erzeugen. Denn ohne Freunde, gewinnt man keine Spiele. Deshalb habe ich den Jungs gesagt, dass sie Spielfreude, Feuer und Leidenschaft zeigen sollen. Es liegt jetzt an ihnen, sich zu zeigen. Man hat jetzt noch vier Wochen Zeit. Trotzdem erwarten wir natürlich, dass jeder den Wink mit den Zaunpfahl verstanden hat und alles gibt. Der Charakter wird jetzt bei jedem ohne diesen zu großen Druck beobachtet. Das wird dann über die Zukunft entscheiden.“ Klare Worte von Poschner.

Seine Ansprüche: „Ich trage hier jetzt die Verantwortung", sagt Poschner und macht damit seine Ansprüche deutlich, dass er die sportliche Führung übernehmen will und dafür auch gerade stehen.

Die Probleme mit der Ausbildung der Jugendspieler: Poschner hat erkannt, dass zu wenige Spieler den Weg von der Jugend zu den Profis schaffen. Daran will er arbeiten: „Klar ist doch: Wir bilden die Spieler für 1860 aus und nicht für andere Vereine. Letztlich geht es darum, ein einheitliches System festzulegen, das ab der U15 greift.“ Gerhard Poschner denkt dabei an die Jugendarbeit des FC Barcelona. Auch dort werden die Spieler von früh in einem System verankert, um dieses dann über die Jahre zu perfektionieren. Das alles sei aber ein mittel- bis langfristiger Prozess. Deshalb will Poschner keine Zeit verlieren und das neue Konzept sofort in die Tat umsetzen. Denn, das haben die ersten Tage gezeigt: Gerhard Poschner ist kein Mann für den Beifahrer-Sitz.

 

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