Von wegen barrierefrei Kaputte Aufzüge an Münchner S-Bahnhöfen: "Es wird immer schlimmer"

Maximilian Dorner im Rollstuhl vor dem defekten Fahrstuhl im Ostbahnhof. Zu diesem Bahnsteig kann er derzeit nicht kommen. Foto: Daniel von Loeper

Wenn die Aufzüge an Bahnhöfen kaputt sind, ist das oftmals ein großes Problem für Rollstuhlfahrer. In München ist das vielen Stationen der Fall. 

München - Normalerweise fährt Maximilian Dorner von seiner Wohnung in Haidhausen einfach mit der S-Bahn zu seiner Arbeitsstelle im Kulturreferat direkt am Marienplatz. Aber das geht im Moment nicht.

Dorner sitzt nämlich im Rollstuhl und ist auf die Aufzüge angewiesen, die ihn auf den Bahnsteig und wieder nach oben bringen. Und die sind im Moment sowohl am Rosenheimer Platz als auch am Ostbahnhof kaputt. Eine Rolltreppe gibt es dort auch nicht, aber die dürfen laut Gesetz Rollstühle und Kinderwagen eigentlich sowieso nicht benutzen.

Dorner fährt deshalb mit seinem Handbike, mit dem er seinen Rollstuhl mit den Armen antreiben kann, von Haidhausen in die Innenstadt. "Auf dem Rückweg geht das aber nicht", sagt er, "denn da geht es zu sehr bergauf."

Dorner dokumentiert kaputte Münchner Aufzüge auf Facebook

Daher muss der 45-Jährige einen Umweg in Kauf nehmen. Er nimmt dann die S-Bahn und fährt nach Berg am Laim und von dort weiter zum Ostbahnhof. Dann kommt er nämlich dort an einem funktionierenden Aufzug an. Doch der ist recht klein, so dass er mitsamt Handbike am Rollstuhl nicht in den Lift passt. Deshalb muss er das extra abmontieren. "Eigentlich meide ich den Ostbahnhof, aber im Moment geht es nicht anders", ärgert sich Dorner.

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht Dorner, der auch als Autor und Regisseur tätig ist und bereits eine Oper in der Pasinger Fabrik inszeniert hat, immer wieder Fotos von den defekten Aufzügen. "Besonders stört mich auch die Informationspolitik der Bahn", sagt er. So sei der Aufzug am Rosenheimer Platz bereits seit Mitte Juni defekt – wann er wieder gehen soll, sei nirgends zu lesen.

"Ich möchte das gar nicht ständig alles dokumentieren", so Dorner, "aber es bringt nichts, wenn ich mich bei der Bahn beklage." Dort bekäme er nämlich nur die Antwort, dass die Aufzüge ständig aufgrund von Vandalismus defekt seien. "Ich weiß aber, dass das nicht stimmt. Es gehen ja immer wieder dieselben kaputt." Das liege daran, dass sie falsch oder unsachgemäß eingebaut würden, ist sich Dorner sicher.

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"Vor Kurzem wollte ich meine Eltern in Grafing besuchen", erzählt der 45-Jährige. Dafür fuhr er mit der U-Bahn vom Ost- zum Hauptbahnhof. Dort musste er aber feststellen, dass der Lift außer Betrieb war. Für ihn bedeutete das wieder einen größeren Umweg. "Ich bin dann über Trudering und Zorneding gefahren", sagt er. Und ergänzt: "Es ist jedes Mal ein logistischer Aufwand, aber zumindest kenne ich mich gut in München aus und finde Alternativen."

S-Bahnhof, Ostbahnhof, Treppe, Koffer
Auch Kofferträger haben zurzeit ganz schön zu schleppen. Foto: Daniel von Loeper

"Wenn der eine Lift repariert ist, geht der nächste kaputt"

Auf AZ-Anfrage, wann die derzeit defekten Aufzüge wieder funktionieren sollen, äußerte sich eine Sprecherin der Bahn folgendermaßen: "Der Aufzug am Ostbahnhof ist wegen einer defekten Steuerungseinheit derzeit leider außer Betrieb." Geplant sei, dass die Anlage bis Ende der Woche wieder in Betrieb gehe, so die Sprecherin.

Der Aufzug an der S-Bahn-Station am Rosenheimer Platz soll ebenfalls voraussichtlich noch in dieser Woche wieder laufen. "Bei der Reparatur waren wir auf die Zulieferung von Ersatzteilen angewiesen. Daher hatte sich die Instandsetzung leider verzögert", heißt es von der Bahn.

Maximilian Dorner hilft das aber nur wenig. "Die Situation wird ja immer schlimmer. Wenn ein Lift repariert ist, geht der nächste kaputt."

Lesen Sie dazu das Interview mit Stadtrat Oswald Utz, der erklärt, warum die Stadt nicht nur für Rollstühle barrierefrei sein sollte. 

 

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