Von Miesbach nach Libyen Skandalöse Tiertransporte aus Oberbayern aufgedeckt

Der Transport der Tiere hat in Miesbach begonnen, doch das Ende der Fahrt verläuft nicht planmäßig.(Symbolbild) Foto: dpa

30 Zuchtrinder aus dem Kreis Miesbach landen im Schlachthof von Tripolis. Bauern und das Veterinäramt sind hintergangen worden.

 

Miesbach - Es sind erschreckende Bilder, die in der ZDF-Reihe "37 Grad" zu sehen waren. Immenses Tierleid bei den Transporten in die Türkei und Libyen dokumentiert Filmemacher Manfred Karremann schon seit Jahren auf verschiedenen Kanälen. Seit 1989, als er auf das Thema Tiertransporte stieß, ist der Autor "immer wieder aufs Neue schockiert, wie Menschen mit Tieren umgehen".

Ein Schock war es wohl auch für den Landwirt im Landkreis Miesbach, als er erfahren musste, dass seine trächtige Kuh nicht durch den Verkauf bei einem anderen Milchbetrieb als Zuchttier landete, sondern auf illegalen Umwegen im Schlachthof von Tripolis. Und dies, obwohl Bayern den Export in etliche Länder außerhalb der EU untersagt.

Dennoch wurden am 16. Mai vergangenen Jahres 30 Zuchtrinder in einer Miesbacher Sammelstelle auf einen Lastwagen mit Ziel Slowakei verladen. Laut Frachtpapieren waren sie für einen Haltungsbetrieb in Divin bestimmt. Doch dort kamen sie nie an, sondern im Hof eines Exporteurs. Von dort ging der Transport nach Tarragona, ohne dass die Tiere versorgt wurden, sagt Iris Baumgärtner von der Tierrechtsorganisation Animal Welfare Foundation (AWF), die anhand der Frachtpapiere die Route rekonstruiert hat.

Vom Hafen in Spanien werden die Tiere weiter nach Libyen gebracht

Doch die Tortur der Tiere endete nicht in Spanien. Zwei Tage später ging es weiter nach Libyen. Das Bürgerkriegsland habe in den letzten Jahren sehr viele Rinder aus der EU erhalten, berichtet Filmemacher Karremann in seiner Doku. Kontrolle finde dort so gut wie nie statt. Für Baumgärtner gebe es genügend Belege für einen Etikettenschwindel mit den sogenannten Zuchttieren.

Was die Tierrechtsexpertin recherchierte, ist dem Veterinäramt in Miesbach offenbar nicht bekannt. "Der Transport wurde ordnungsgemäß in die Slowakei abgefertigt. Es handelte sich bei den Tieren um trächtige Kalbinnen", so das Landratsamt Miesbach in einem Schreiben am 12. Dezember 2019.

Doch offensichtlich wurden Landwirte und Veterinäramt getäuscht, so der Verdacht von Baumgärtner. "Aufgrund eines Tipps aus der Branche konnten wir einen illegalen Transport nachvollziehen."

Eingesammelt hatte die 30 Rinder ein Viehhändler aus dem Leitzachtal, wie Unterlagen zeigen, die der AZ vorliegen. Bei der Ausfuhr waren es noch tragende Zuchttiere. Doch in der Slowakei wurden in den Papieren daraus Schlachttiere.

Die Landwirte in Miesbach haben davon nichts erfahren. "Hätte ich das gewusst, hätte ich mein Tier nicht abgegeben", sagt ein Landwirt im Beitrag. Werden so Exportverbote umgangen? Dies wird vom Landratsamt Miesbach am 12. Dezember dementiert. Der Freistaat habe vorbildliche Regelungen zur Durchführung von Lebendexporten erlassen.

"Diese jedoch werden nicht deutschlandweit und europaweit durchgesetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass Wege gefunden werden, um ohne das Wissen unseres Veterinäramtes Nutztiere jeder Art in diese Länder zu exportieren", heißt es vom Landratsamt. Noch ist es laut Karremann ein Leichtes, "dass Rinder aus einem Bundesland mit Exportverbot in ein anderes ohne diese Beschränkung wie beispielsweise Brandenburg verschoben und dort ausgeführt werden".

Grüne: Die zuständigen Amtstierärzte müssen etwas unternehmen

Entsetzt über die "aufgedeckten Missstände bei Tiertransporten aus Bayern in den Nahen Osten und Nordafrika" sind nun die Grünen im Landtag. Deren tierwohlpolitischer Sprecher, Paul Knoblach, fordert, dass die "zuständigen Amtstierärzte aktiv werden". Sie müssten von der "Söder-Regierung mit allen Mitteln unterstützt werden", wenn begründete Zweifel am Zielort bestünden und Transportpapiere verweigert würden. Knoblach sagt: "Leider ist das Gegenteil der Fall."

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