Von Fröttmaning nach Miami FC Bayern: Neuzugang Philippe Coutinho für Brasilien im Reise-Stress

Für Bayerns Neuzugang Coutinho geht es nach dem Spiel gegen Mainz mit der brasilianischen Nationalmannschaft nach Miami. Foto: AZ-Montage, Ronny K./Pixabay, firo/Augenklick, dpa

Philippe Coutinho gibt sein Heimdebüt für den FC Bayern – und ist dann erst mal mit der Seleção unterwegs. Fragt sich, wann, wie und wo Kovac den Gesinnungs-Zehner in sein System einbaut.

 

München - Natürlich ist es ein wenig unfair, den Fröttmaninger Müllberg in Relation zu setzen mit der "Global Entertainment Destination" namens Hard Rock Stadium in Miami, Florida. Hier gingen schon fünf Super Bowls über die Bühne, ab und zu hauen sich die Wrestlemania-Millionäre gegenseitig aufs Haupt, ansonsten laden die NFL-Cracks der Miami Dolphins mit Edel-Fan Johnny Depp und das College-Football-Team Miami Hurricanes zum Tanz. Freitag trat übrigens eine Band namens Rolling Stones auf, letztes Jahr kamen Beyoncé, Jay-Z und Taylor Swift. Und am Freitag: Philippe Coutinho Correia.

Profi-Kicker kommen in ihrem Job ganz schön rum. Brasilianische Nationalspieler, die in Europa arbeiten, noch ein bisschen mehr als handelsübliche Bundesliga-Arbeiter. Bayern-Neuzugang Coutinho kennt das schon seit fast zehn Jahren. 2009 trug er erstmals das Trikot der Seleção (in der U17), im Jahr darauf wechselte er zu Inter Mailand, so nahm die unselige Vielfliegerei ihren Lauf.

Kovac verspricht mehr Spielzeit für Coutinho

Bei seinem neuen Arbeitgeber Bayern hat der brasilianische Edelfuß auch schon so einiges zu sehen bekommen: Strukturwandel in Gelsenkirchen-Buer, das Klaus-Augenthaler-Stadion in Vilshofen an der schönen Donau sowie das Harlachinger Vorstadt-Idyll an der Säbener Straße. Die Fröttmaninger Arena kennt er zwar schon, bislang jedoch nur ohne Zuschauer. Beim Heimspiel gegen Mainz 05 wird er (so wie Kollege Ivan Perisic) am Samstag (15.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker) erstmals hören, wie deutsche Fans seinen Namen rufen, wenn ihnen Stadionsprecher Stefan Lehmann vorgibt: "Mit der Nummer zehn..."

Nach seinem 33-Minuten-Debüt beim 3:0 auf Schalke soll der Bayern-Spielmacher in spe bei seiner Premiere in der Allianz Arena länger zum Einsatz kommen. "Wir wollen zusehen, dass wir ihm mehr Minuten geben", sagte Trainer Niko Kovac. Der Brasilianer mache im Training Fortschritte. "Unser Ziel ist es, ihn so schnell wie möglich fit zu bekommen", so Kovac über den Leihspieler des FC Barcelona.

Lange hat der Bayern-Coach seinen Neuen nicht zur Hand. Einziger Minimalvorteil der Länderspielpause in Sachen Coutinho: Der Zehner fliegt zu den beiden Freundschaftsspielen mit der brasilianischen Nationalmannschaft nicht bis nach Südamerika, sondern macht schon ein paar tausend Kilometer vorher Station: Am Freitag geht es in besagtem Hard Rock Stadium in einem Freundschaftsspiel gegen Kolumbien – und fünf Tage später gegen Peru, ein paar Flugstunden weiter westlich im sonnigen Kalifornien, genauer gesagt im Los Angeles Memorial Coliseum.

FC Bayern: Wie kann Kovac Coutinho integrieren?

Noch so ein Ort, gegen den die Fröttmaninger Arena ziemlich blass wirkt: In dem Stadion mit dem schönen Spitznamen "The Grand Old Lady" fanden schon zwei Mal Olympische Sommerspiele (1932 und 1984) statt sowie der allererste Super Bowl im American Football.

Für den FC Bayern bedeutet all das: wenig Zeit zur Eingewöhnung für den Neuen. Wenn Coutinho – hoffentlich verletzungsfrei – wieder zur Mannschaft stößt, steht gleich mal eine englische Woche an: am Samstag in Leipzig, am Mittwoch in der Champions League gegen Roter Stern Belgrad und am Wochenende gegen den 1. FC Köln. Erst danach kehrt für eine Woche womöglich so etwas wie Ruhe ein, bevor es unter der nächsten Woche schon nach Tottenham zu den Hotspurs geht.

Schwer zu sagen, wie es Kovac in dieser Spirale gelingen soll, Coutinho zu neuer Blüte zu verhelfen. Der Brasilianer spielt am liebsten eine Position, die es bei Bayern in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten, eigentlich nicht gab: auf der Zehn. Wirft Kovac also für Coutinho sein mühsam aufgebautes System wieder über den Haufen? Oder muss sich der Zehner anpassen, und wenn ja: wie und wo? Miami verspricht dagegen Entspannung: Unter Seleção-Coach Tite darf er in der Zentrale zaubern.

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