Von Fremden in der S6 bedroht Münchner wählt Notruf - Polizei sucht ihn in Berlin

Die "110" wäre die bessere Wahl gewesen. Ein Münchner hatte bei einer Polizei-Hotline angerufen und um Hilfe gebeten. Die Beamten suchten dann allerdings in Berlin nach ihm - anstatt in München. (Symbolbild) Foto: dpa

Der Münchner Ammar F. wird in der S6 von Fremden angegriffen. Er wählt die in der S-Bahn angegebene Telefonnummer der Polizei - doch die sitzt in Potsdam. Und sucht in Berlin.

 

München - Er wartete vergeblich. Als Ammar F. die 0800-Nummer auf den überall in den S-Bahnen angebrachten Hotline-Hinweisschildern wählt, hofft er auf schnelle Hilfe durch die Polizei. Er ist in der S6 - unterwegs vom Ostbahnhof Richtung Hauptbahnhof - und einer neunköpfigen, pöbelnden Gruppe ausgeliefert. Sie bewerfen ihn gerade mit Bierdeckeln.

Weit und breit keine Polizei

Ammar F. schildert dem Polizisten am Telefon die Situation und erwartet schnelle Hilfe. Doch die kommt nicht. Kein Polizist weit und breit.

Denn: Während Ammar F. mit seinem Handy aus einer Münchner S-Bahn heraus anrief und dachte, er telefoniere mit der Münchner Polizei, ging der Polizist am anderen Ende der Leitung offenbar automatisch davon aus, das Opfer sitze in einer Berliner S-Bahn: unterwegs von Berlin-Ostbahnhof Richtung Berlin-Hauptbahnhof.

Der Grund: Die in der S-Bahn angegebene Hotline führte zur Leitstelle des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Diese informierte die Berliner Kollegen, die dann in der Berliner S-Bahn nach dem Opfer und den neun Angereifern suchte - vergeblich. Die Süddeutsche Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet. Er ereignete sich am 5. November gegen 10.45 Uhr.

Täter konnten nicht mehr ermittelt werden

Ammar F., Philosophie-Dozent aus München, ist glücklicherweise nichts Ernstes passiert. Er floh an einer Haltestelle aus der S-Bahn und erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Täter konnten allerdings nicht ermittelt werden.

Der Vorfall soll jetzt Konsequenzen haben. Die Bundespolizei kündigte an, die Hinweisschilder mit der Telefonnummer, die über allen Notbremsen in der Bahn angebracht sind, jetzt zu überprüfen, berichtet die SZ. Denn die Hotline wird offenbar von vielen Fahrgästen als Notrufnummer gedeutet - ist aber nicht als solche gedacht.

Ehestreit wird Mann zum Verhängnis - Standrohr geklaut

Es handelt sich vielmehr um ein Service-Angebot der Bundespolizei: Diese ist für die Sicherheit an allen deutschen Bahnhöfen und in Zügen und S-Bahnen zuständig. Die Hotline verspricht "schnelle polizeiliche Hilfe". Allerdings nicht für Menschen in Not. Sie sollten die Nummer des Polizeinotrufs, 110, wählen.

Monatlich bis zu 12.500 Anrufer über die Hotline

Die Bundespolizei will Missverständnissen künftig vorbeugen: Gegebenenfalls werde man die Hinweisschilder in S-Bahn und Zügen textlich anpassen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei der SZ. Den Angaben zufolge gehen über diese Hotline monatlich bis zu 12.500 Anrufe ein.

Übrigens: Wird diese 0800-Nummer vom Festnetz aus angewählt, kommen die Anrufer tatsächlich bei einer regionalen Polizeidirektionen raus. Ruft man allerdings von einem Mobiltelefon aus an - wie im Fall von Ammar F. - landet man im Bundespolizeipräsidium in Potsdam.

 

6 Kommentare