Von 80 auf 250 Quadratmeter Stylisch: Der neue Eilles

Neu im Sortiment: Handgeschöpfte Tafelschokolade, die nach Wunsch gebrochen wird. Foto: Joachim Fröhlich

Das traditionsreiche Spezialitätenhaus aus der Residenzstraße zieht einige Häuser weiter– und setzt im neuen Laden auf modernes Design.

Altstadt - Als Joseph Eilles 1873 sein kleines Spezialitätengeschäft für Tee und Kaffee in der Residenzstraße 13 eröffnete, dachte er sicher nicht daran, dass 142 Jahre später 80 Quadratmeter schlicht zu klein werden könnten. Viel zu klein. Der Traditionsladen ist ja nicht nur den Münchnern ein Begriff, er ist auch ein bevorzugtes Ziel von Touristen. Dort lassen sich wunderbar Mitbringsel kaufen – und, fast noch wichtiger – ein begehrtes Foto von den handbemalten Delfter Kacheln schießen. Doch an vielen Tagen war der Traditionsladen so überfüllt, dass Kunden vor der Tür auf Einlass warten mussten. Damit, auch mit den Kacheln, ist jetzt Schluss.

Eilles hat sich vergrößert und ist nur ein paar Meter weiter in die Residenzstraße 22 gezogen. Auch dieses Haus ist reich an Geschichte. Erstmals 1500 urkundlich belegt, waren hier schon viele Berufsstände zu Hause: Zuvor Deutschlands ältestes Schuhhaus Ed Meier (jetzt Brienner Straße). Jetzt ist der gemütliche Eilles-Laden an der Reihe.

Trotz weiterhin nobler Adresse nahm man den Umzug zum Anlass, den Sprung in die Moderne zu wagen. Die beliebten Delfter-Kacheln mussten weichen, um Platz für Neues zu schaffen. Und neu ist Vieles. Allen voran: die Einrichtung. Schwarzer Boden, dunkle Wände und pointierte Deckenstrahler verleihen dem neuen Geschäft Loft-Atmosphäre. Früher ist es sicher gemütlicher gewesen, aber heute „treten sich Kunden und Angestellte auf 250 Quadratmetern nicht mehr auf die Füße“, sagt Filialleiterin Marita König.

Neues gibt es auch bei den Feinkost- und Kaffeespezialitäten. Aus einer vier Meter langen Pralinentheke können Schoko-Fans zwischen 50 belgischen und deutschen Pralinen wählen. Daneben gibt es handgeschöpfte Tafelschokoladen, die vom Personal nach Wunsch gebrochen werden.

Vorbei geht’s an den bekannten Blechdosen mit losem Tee zum hinteren Ende des Ladens, wo zwei weitere Neuheiten warten: Eine Bar, an der Tees und Kaffee ausgeschenkt werden. Und natürlich das absolute Highlight: der Schokoladenbrunnen. Dort fließen täglich Vollmilch- und Zartbitterschokoladen aus zwei chromblitzenden Hähnen. Wer möchte, der kann dort Schokoladentafeln selber gießen und nach Wunsch verzieren. Kaffee-Tycon Albert Darboven, dem Eilles gehört, war extra aus dem hohen Norden angereist, um seinen neuen Laden zu eröffnen. Sein Verhältnis zum Kaffee? Ein sehr, sehr inniges. „Ich trinke acht bis 14 Tassen“, verrät er der AZ – „pro Tag“. Schwarz natürlich.

Unser Fazit: Das alte anheimelnde, Postkartenkitsch-Idyllische ist Geschichte. Der neue Eilles, loftmäßig geliftet, ist im 21. Jahrhundert angekommen. Jetzt müssen ihn bloß noch die Kunden annehmen. Auch ohne Kacheln.

 

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