Vom Aussterben bedroht Die Letzten ihrer Art?

Leidet unter der Zerstörung seines Lebensraumes und ist im Freistaat mittlerweile vom Aussterben bedroht: der Fischotter. Foto: dpa, Harka Akos, Richard Bartz, Sumeet Moghe, James Lindsey, Wikipedia

Experten schlagen Alarm: Tut der Freistaat nichts für den Schutz von Fischotter, Wendehals und Vergissmeinnicht, werden sie verschwinden.

 

München - Kröte, Natter, Käfer – besonders attraktiv wirken diese Tiere auf viele Menschen nicht. Aber nach Ansicht von Naturschützern sollten diese Arten im Freistaat besonders geschützt werden. Das gilt laut Experten des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) vor allem für das Bodensee-Vergissmeinnicht, das weltweit nur noch an Boden- und Starnberger See vorkommt.

Die Fachleute fordern: Für diese Arten müsse sich Bayern besonders einsetzen.

Fischotter

Dieses wasserliebende und wendige Tier gilt in Bayern als vom Aussterben bedroht. Dies geht zum Teil auf seine frühere Verfolgung zurück, ist aber auch die Folge einer großflächigen Zerstörung der Lebensräume des scheuen Säugers. Außerdem schaden ihm die Begradigung und der Ausbau vieler Gewässer sowie massive Eingriffe in deren Randbereiche.

Große Hufeisennase

Im Freistaat gibt es nur noch weniger als 150 Große Hufeisennasen. Die Fledermausart ist auf Großinsekten angewiesen und reagiert sehr empfindlich auf Pestizide in der Nahrung. Möglicherweise deshalb liegt das letzte deutsche Nest der Großen Hufeisennase am Rande eines Truppenübungsplatzes mit großen, landwirtschaftlich nicht genützten Offenlandbereichen.

Äskulapnatter

Die größte Schlange Deutschlands ist als Symbol in der Humanmedizin bekannt: Die Natter wickelt sich um den Stab des griechischen Gottes Äskulap. In Bayern gibt es aber nur noch vier kleine, isolierte Vorkommen. Vor allem Siedlungserweiterungen in ihrem Lebensraum und Nutzungsintensivierung im Umfeld tragen zum Rückgang dieses wechselwarmen Tieres bei.

Wechselkröte

Fast zwei Drittel der „bayerischen“ Wechselkröten leben im Münchner Raum. Selbst dort gelten sie inzwischen als vom Aussterben bedroht. Vor allem große Straßenbauprojekte zerschneiden ihren Lebensraum und trennen die Populationen unüberbrückbar voneinander. Hilfreich für diese wanderfreudigen Arten sind wenig bewachsene Bahndämme oder Wege, auf denen die Wechselkröte über Nacht gut einen Kilometer zurücklegen kann.

Wendehals

Der Baumhöhlenbrüter ist ein typischer Bewohner alter Streuobstbestände. Dass diese zunehmend gerodet und durch kurzlebige Plantagenbestände ersetzt werden, macht ihm ebenso zu schaffen wie der Rückgang von Insekten und das Verschwinden magerer, kurzrasiger Jagdflächen in einer immer intensiver genutzten Agrarlandschaft.

Blauschillernder Feuerfalter

Dieser Tagfalter ist in Nordbayern bereits von der Bildfläche verschwunden. Die Bedrohung geht wie so oft vom Lebensraumverlust aus: Der Blauschillernde Feuerfalter besiedelt moorige Standorte und ist an Vorkommen des Wiesenknöterichs als Raupenfraßpflanze gebunden. Die vielerorts erfolgte Entwässerung von Moor- und Feuchtgebieten und heute auch deren fortschreitende Verbuschung durch die Aufgabe der nicht mehr rentablen Nutzung verdrängt den Blauschillernden Feuerfalter.

Bodensee-Vergissmeinnicht

Auch diese weltweit nur noch an Bodensee und Starnberger See vorkommende Art ist vom Aussterben bedroht. Die kleine Pflanze braucht Wasserstandsschwankungen durch die Frühjahrshochwasser, um sich am kiesigen Ufer gegen konkurrenzstärkere Pflanzen durchzusetzen. Bedroht ist sie vor allem durch Uferverbauung und die Anschwemmung von großen Treibholzmengen an den verbleibenden natürlichen Uferbereichen.

Breitrand-Käfer

Der Breitrand-Käfer ist der größte Vertreter der Schwimmkäfer in Europa und bevorzugt nährstoffarme Stillgewässer. Deutschlandweit wurde der Käfer an nur acht Fundorten entdeckt und gilt daher als vom Aussterben bedroht. Häufigste Ursache hierfür ist die Nährstoffanreicherung der Gewässer und die intensive Fischhaltung, mit dem damit verbundenen Wasserablassen, Kalken und Entkrauten.

Strömer

Dieser karpfenartige Fisch benötigt schnellfließende, sauerstoffreiche und reich strukturierte Gewässer. Die großflächige Verbauung der Gewässer zerstört deren natürliche Dynamik, lässt die Laichplätze auf Kiesbänken verschlammen und verhindert Wanderungen. Erhalt oder Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Gewässer ist daher entscheidend für den Schutz des Strömers, der im Donausystem vorkommt.

 

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