Volkstheater Anne Stein über Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ - und den Ruhrpott

Anne Stein als Hedda Gabler. Foto: Arno Declair

Anne Stein über Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ und die Ehrlichkeit des Ruhrgebiets

 

Das Grauen beginnt unmittelbar nach der Heimkehr von der Hochzeitsreise. Nach nur zwei Tagen ist die junge Ehe zerstört durch Untreue, Erpressung und zwei Selbstmorde. Hedda Gabler ist eine der großen Frauenfiguren Henrik Ibsens und unter den weiblichen Manipulatorinnen eine der größten. Zuletzt war sie in München 2012 am Residenztheater, gespielt von einer kühlen Birgit Minichmayr, zu erleben. Heute hat das Drama Premiere im Volkstheater. In einer Inszenierung von Lucia Bihler spielt die frisch von der Schauspielschule ins Ensemble an der Brienner Straße engagierte Anne Stein.

AZ: Frau Stein, auf der Homepage des Volkstheaters gibt es einen Fragebogen, auf dem Sie das Auto als Ihren Lieblingsort benennen. Ist das für eine Mittzwanzigerin in diesen Zeiten nicht sehr old school?
ANNE STEIN: Da schwingt natürlich so etwas wie Nostalgie mit. Aber ich verbinde das Auto mit Urlaub, mit dem Herumfahren, planlos und nicht fest an einem Ort sein. Ein Lieblingsort hat viel zu tun mit den Menschen, und mit dem Auto kann man die Menschen schnell erreichen.

Sie studierten an der Folkwang-Uni in Bochum. Was bringt eine Gräfelfingerin dazu, nicht in München zu studieren?
Ich bin in Gräfelfing geboren und in München aufgewachsen. Der Grund dafür, dass ich nicht in München studiert habe, ist, dass mich die Bochumer genommen haben. Natürlich hatte ich es auch in München probiert. Ich kannte den Pott vorher gar nicht und war überrascht, wie lange man da hinfährt. Dann bin ich dort gelandet und ich bin sehr froh darüber. Ich habe den Pott sehr lieben gelernt.

Was ist das Besondere an der Ruhr?
Die Direktheit. Es gibt wenig Chichi. Das ist gut gerade für dieses Studium, denn man findet dort Konzentration, Bodenständigkeit und Ehrlichkeit. Das mochte ich sehr.

Sie werden jetzt gleich am Saisonbeginn Ihres ersten Festengagements in eine Paraderolle gestürzt. Die Besetzungen für die Hedda Gabler sind üblicherweise zehn bis 15 Jahre älter. Wie gehen Sie damit um?
Jetzt mache ich es einfach. Das hat natürlich viel mit dem Team zu tun und mit der Vision der Regisseurin. Am Anfang habe ich mir schon die Frage gestellt, ob da alles so stimmt. Wie kann ich das machen? Soll ich das machen? Aber hier ist das ganze Team sehr jung. Natürlich ist es eine große Aufregung, doch die gäbe es auch bei jeder anderen Rolle, mit der ich hier anfangen würde. Aber die Verantwortung ist eine andere und auch die Chance, die man geboten bekommt.

Es ist nicht wirklich Ihr Debüt am Volkstheater, denn Sie waren Mitglied im Jugendclub.
Das haben eine Schauspielerin und ein Schauspieler geleitet. Wir haben damals auf der Kleinen Bühne eine Shakespeare-Nummer verkorkst. Es gibt aber noch eine andere Verbindung. Mit 15 habe ich ein Schülerpraktikum in der Requisite gemacht. Es ist schön, dass die Leute von damals noch immer hier sind und ich wieder mit ihnen zusammen arbeiten kann.

Ihr Weg ins Theater war offenbar schon früh angelegt.
So richtig im Theater war ich zum ersten Mal mit 14 tatsächlich im Volkstheater und ich war ziemlich angefixt. München hat ja viel zu bieten und bald war es eine Sucht.

Wie bekommen Sie nun eine Figur des späten 19. Jahrhunderts ins Heute?
Man muss immer alles mitdenken: Was für eine Zeit damals war, welche Themen wie konnotiert waren, man darf auch den Autor nicht außer acht lassen. Aber Lucia Bihler hat eine genaue Vorstellung von dem, was wir da machen. Wir haben versucht, all die Bilder, die sich zu dieser Figur einstellen, zu überprüfen. Wenn man das Stück zum ersten Mal liest, hat man sofort die männerfressende Giftspritze vor sich. Aber das ist ein sehr oberflächliches Bild.

Münchner Volkstheater, Brienner Straße 50, Premiere heute, nächste Vorstellungen morgen, 3. und 10. Oktober, 19.30 Uhr, Karten unter Telefon 523 46 55

 

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