Vion in Landshut Mängel im Schlachthof? "Das Schwein ist ihnen durchgeflutscht"

Hier soll es zum wiederholten Mal Mängel gegeben haben. Foto: Archiv

Bei Vion in Landshut übersehen die Schlachter ein Schwein. Sind die Abläufe dort zu eng getaktet?

 

Landshut - Bis zu einer Million Schweine passieren jährlich die Schlachtanlage des Vion-Schlachthofes. Zur Reihenfolge der Tötung gehören die Betäubung mit CO2, das Erstechen - im Fachjargon Stechen - durch den Schlachter und die nachfolgende Reinigung in der mehr als 60 Grad heißen Brühanlage.

Der Umweltsenat befasste sich am Montag mit einem Verstoß gegen diesen Ablauf, bei dem ein Schwein von den Schlachtern übersehen wurde.

Amtsärztin: "Das Tier war aufgefallen, weil es nicht ausgeblutet war"

Videoaufnahmen vom 6. August dieses Jahres hatten gezeigt, dass die beiden zuständigen Schlachter gleichzeitig abgelenkt waren: Während der für das Stechen zuständige Mitarbeiter gerade sein Messer nachschärfte, übersah der für die Kontrolle Zuständige das Schwein, weil er sich in dem Augenblick gerade weggedreht hatte.

"Das Schwein ist ihnen durchgeflutscht", erklärte die Leiterin des Fleischhygieneamts, Ute Hechelmann. Bei der Fleischbeschau habe man festgestellt, dass das Tier bereits im betäubten Zustand an Sauerstoffmangel gestorben war, bevor es in die Brühanlage gelangte. "Das Tier war aufgefallen, weil es nicht ausgeblutet war", erklärte die Amtsärztin. Es habe jedoch keine Reaktion mehr gezeigt.

Grüne-Stadträtin Hedwig Borgmann zeigte sich entsetzt. Sie fragte, wie es denn sein könne, dass es bei beiden Mitarbeitern an Aufmerksamkeit gefehlt habe. Ob der Arbeitsablauf denn so eng getaktet sei, dass keine Zeit mehr zum Messerwetzen bleibe?

Ein "unglücklicher Zufall" – jedoch nicht zum ersten Mal

Dass beide zuständigen Mitarbeiter sich im gleichen Augenblick abwandten, sei ein unglücklicher Zufall gewesen, sagte Hechelmann. Es passierte jedoch nicht zum ersten Mal: Bereits 2017 hatte ein ähnlicher Vorfall im Landshuter Schlachthof für Aufsehen gesorgt, nachdem er öffentlich geworden war.

Neben einer Nachschulung der Mitarbeiter sei unter anderem zur Verbesserung der Sicht auf die Tiere beschlossen worden, einen Spiegel anzubringen, um den Erfolg des Stechens besser beurteilen zu können, hieß es in der Berichtsvorlage des Umweltsenats.

Der Fachbereichsleiter für Naturschutz, Hans Ritthaler, sagte, man müsse diesen einzelnen Vorfall im Verhältnis zum Gesamtvolumen der Schlachtungen sehen. Zudem habe man diesen sofort gemeldet und Verbesserungen vorgenommen. Der Bericht zeige, dass der Schlachthof gut mit dem Veterinäramt und dem Fleischhygieneamt zusammenarbeite.

Rückläufige Zahlen am Landshuter Schlachthof

Wie Ute Hechelmann informierte, sind die Zahlen am Landshuter Schlachthof aktuell rückläufig: Statt wie früher bis zu 4.100 würden nur noch etwa 3.600 Schweine täglich geschlachtet. Viele Mäster brächten ihre Tiere mittlerweile in den Schlachtbetrieb nach Vilshofen, weil die Kontrollen in Landshut zu streng seien.

Turnusmäßig gibt das Fleischhygieneamt einen Bericht über etwaige Mängel im Schlachthof ab. In Sachen Hygiene hat die Amtsärztin Mitte Januar festgestellt, dass die Lüftungsverhältnisse in der Schlachthalle nicht ausreichen.

Die Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen habe daraufhin eine Prüfung vorgenommen. Im Lauf des Sommers seien an mehreren Positionen der Schlachthallendecke, Ventilatoren installiert worden, ebenso in der Abtropfhalle und in den Kühlräumen, um eine Kondensierung zu vermeiden.

Zudem seien im Sommer die Fenster geöffnet worden, erklärte Hechelmann. Eine neue, leistungsfähige Lüftungsanlage sei beabsichtigt, für eine solche Lösung benötige man jedoch erst noch Personal für den Einbau. Im Umweltsenat wurde der Bericht der Kontrollbehörden einstimmig zur Kenntnis genommen.

 

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