Viktualienmarkt Aufstand gegen Senf-Hersteller Develey

Zwei Neue: Theodor Hartl (l.) macht mit der Firma „Münchner Kindl“ den Senf, Michael Durach vom Konzern Develey hat dafür gesorgt, dass man den Stand bekommt. Foto: Petra Schramek

Develey, Deutschlands größter Hersteller, eröffnet einen Stand am Viktualienmarkt. Marktleute und Bezirksausschuss protestieren: „Großkonzerne haben hier nichts zu suchen“

 

München - Michael Durach sagt es immer wieder. „Wir sind ein Traditionsunternehmen.“ Der Chef der „Develey Senf und Feinkost GmbH“ weiß, dass ihn Gegenwind erwartet. Develey hat am Freitag am Viktualienmarkt den „Münchner Senfladen“ eröffnet. Rund vier Jahre war hier Leerstand, jetzt zieht ein millionenschweres Unternehmen ein – und das ärgert viele.

„Der Viktualienmarkt soll laut eigener Satzung Platz für Münchner Einzelhändler sein, nicht für Filialisten“, sagt Wolfgang Püschel vom Bezirksausschuss Altstadt/Lehel.

Auf den ersten Blick ist der Name Develey am Senfstand gar nicht zu erkennen. Groß prangt da das Logo „Münchner Kindl“. Dahinter steht eine Firma, die in der Tat Tradition am Markt hat. „Unsere Familie war bis in den 50er Jahren mit einer Metzgerei hier“, sagt Chef Theodor Hartl. Sein Opa erfand einen Hausmachersenf und vererbte das Rezept.

Heute ist Münchner Kindl ein Öko-Senfhersteller, der in Fürstenfeldbruck produziert und vor allem Bio-Märkte beliefert. Im Familienbetrieb arbeiten 21 Leute, Hartl macht 50 Sorten Senf.
Wozu braucht er dann Develey, fragt man sich. Hartl betont, dass er finanziell unabhängig sei, die Familien seien befreundet. Dann sagt er: „Develey hat uns geholfen, den Stand überhaupt zu kriegen.“
Damit legt er den Finger in die Wunde. „Warum bekommt ein Konzern wie Develey den Stand und ein kleines Familienunternehmen nicht? Das sagt doch alles“, sagt Marktweiber-Sprecherin Elke Fett. Sie fürchtet um die kleinen Händler, die keine Millionen haben. „Großkonzerne haben hier nichts zu suchen.“

Auch wenn Develey seine Tradition betont: Das Unternehmen, 1845 in Unterhaching gegründet, ist heute Deutschland größter Senfhersteller, macht 300 Millionen Euro Umsatz und sorgt bei McDonalds für die Schmiere im Burger. „Es läuft hier die Filialisierung des Marktes“, klagt BA-Mann Püschel.

Auch der Gummibärchenkonzern „Bears & Friends“, der nach dem Franchise-Prinzip funktioniert, ist am Markt. Nach Protesten heißt der Stand nun „Süßes Eck“, die Ware ist die gleiche. Und der italienische Eishersteller Amario hatte schon den Zuschlag. Erst nach lautem Widerspruch von BA und Marktweibern zogen ihn die Markthallen, die für die Vergabe zuständig sind, wieder zurück.

„Es kann nicht sein, dass ein Einzelner die Vergabe bestimmt und nach Gutdünken Filialisten holt“, sagt Püschel. Damit meint er Leonhard Dünninger von den Markthallen. Andere würden sich oft jahrelang vergeblich bewerben.

Der Bezirksausschuss hat schriftlich protestiert: beim Stadtrat, bei Kommunalreferent Axel Markwardt und bei OB Ude. Püschel: „Wir fordern, dass ein Gremium die Vergabe übernimmt, in dem Vertreter von Stadtrat, BA, Markthallen und Standlbesitzern sind. Sonst muss man sich ernsthaft Sorgen um den Markt machen.“

 

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