Videobotschaft von Max Leitner Südtirols Ausbrecherkönig: Versteck in Bayern?

Der Bankräuber spricht: Max Leitner in dem Video, das er der Neuen Südtiroler Tageszeitung zuspielte. Screenshot: Neue Südtiroler Tageszeitung

Der flüchtige Räuber Max Leitner meldet sich mit einer bizarren Video-Botschaft aus seinem Versteck – und ist jetzt schon ein Volksheld.

 

München/Bozen  - Er führt sie alle an der Nase herum. Fünfmal ist der Südtiroler Max Leitner schon aus dem Gefängnis ausgebrochen. In seiner Heimat heißt der 53-Jährige nur noch „der Ausbrecherkönig“. Seit Ende Oktober ist er wieder auf der Flucht. Ein Gefängnis-Pfarrer hat ihn dabei – wohl unfreiwillig – unterstützt. Der Geistliche begleitete den Häftling, als der das Grab seines Vaters in Elvas bei Brixen besuchen wollte. Bei einem Halt machte sich Max Leitner einfach zu Fuß aus dem Staub.

Aus seinem Versteck ließ der berüchtigte Räuber nun der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“ in Bozen eine skurrile Video-Botschaft zukommen. Sie wirkt auf den ersten Blick wie das Bekennervideo eines Taliban-Führers aus seiner Gebirgshöhle. Zu sehen ist ein Mann, der an einer Mauer lehnt, die Kapuze über den Kopf gezogen. Mit erschöpfter Stimme sagt er darin: „Ich bevorzuge es, in den schönen bayerischen Wäldern zu krepieren, als in den italienischen Justizknästen zu verrecken.“ Will sich das Südtiroler Pendant zum Räuber Kneißl nun bis nach Bayern durchschlagen? Hat er sich schon längst hier versteckt?

Auf das Konto des Südtirolers gehen mehrere bewaffnete Überfälle und Einbrüche in den 80er und 90er Jahren. Dabei erbeutete er rund 50<TH>000 Euro. Der große Coup auf einen Geldtransporter bei Innsbruck 1990 schlug fehl. Danach wurde Max Leitner zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Kurz danach flüchtete er zum ersten Mal – und dann immer wieder: Mal bestach er einen Wärter, mal flüchtete er bei einem Hafturlaub. Einmal kam er bis nach Marokko.

Nach deutschem Strafrecht ist der Ausbruch aus einem Gefängnis straffrei, wenn dabei keine Straftaten begangen werden. Anders in Italien: Für jeden Ausbruch bekam Max Leitner noch mehr Jahre aufgebrummt. So kamen über 25 Jahre zusammen. Erst 2019 hätte er die Gefängnismauern von Asti im Piemont hinter sich lassen dürfen. In zwei Jahren hätte er tagsüber bereits außerhalb des Gefängnisses arbeiten dürfen.

So lange wollte Max Leitner offensichtlich nicht mehr warten: "Ich werde in Südtirol extrem verfolgt – wie ein wildes Tier, wie ein Monster!“, klagt er in seiner Video-Botschaft. „Als ob ich bereits ein Dutzend von ihnen umgelegt hätte. Schämen sollten sie sich, einen alten, kranken Mann so zu hetzen. Ich habe zwar Banken und Geldtransporter überfallen, jedoch niemals einem Menschen ein Haar gekrümmt“, heißt es weiter. Er sei überzeugt, dass Gott ihm längst verziehen habe.

Leitner ist gesundheitlich angeschlagen. Er hatte vier leichte Herzinfarkte und einen Schlaganfall, seine linke Hand ist gelähmt. Trotzdem gilt er als haftfähig. Eine Bitte um Begnadigung wurde abgelehnt. Jetzt narrt er wieder seine Verfolger. Die Carabinieri in Bozen wollen sich nicht dazu äußern, wo sie den Ausbrecher vermuten - ob in Südtirol, in Bayern oder in Irland, wo seine Tochter lebt. Derweil nimmt die Verehrung für Max Leitner skurrile Züge an: Bei Facebook hat er eine eigene Seite, die er – vermuten Ermittler – wohl selbst angelegt hat. Dort sowie in Online-Kommentaren zur Berichterstattung rund um seine Flucht gibt es bereits Tausende, die ihn ermutigen, bewundern oder sogar ihre Unterstützung anbieten.
Selbst ein Lied wurde dem Ausbrecherkönig gewidmet. Darin singt der Südtiroler „Dor Doggi Sing“ alias Markus Dorfmann: „Max laf, loss di nie mehr fongen.“

Das Video: Max Leitners bizarre Botschaft aus dem Versteck

(Mit freundlicher Genehmigung von "Die neue Südtiroler Tageszeitung)

Das Lied: „Max laf, loss di nie mehr fongen“

 

0 Kommentare