Versuchter Mord Schuss auf Taxler: Nach 16 Jahren gefasst

Tatwaffe: Mit so einer 7,65er wurde der Taxler angeschossen. Foto: polizei

Vor rund 16 Jahren wurde ein Taxifahrer in München von einem Fahrgast angeschossen und ausgeraubt. Nun hat die Polizei den Fall endlich aufgeklärt, der mutmaßliche Täter wurde inhaftiert.

 

München - Er hat nie wieder ein Taxi gesteuert. Er nahm auch nie wieder einen Anhalter mit. Seit jener Vollmondnacht vor 16 Jahren ist das Leben des ehemaligen Taxifahrers Zbigniew W. (Name geändert) ein anderes.

Damals zog die Angst ein in sein Leben, es gibt Bilder, die er wohl nie wieder vergisst. Vor allem das Bild, als der Fremde auf ihn schoss und ihn fast tötete. Er hatte Angst, der Mann könne wieder kommen. Erst jetzt, 16 Jahre später, sitzt der mutmaßliche Täter endlich hinter Gittern.

In der Nacht zum 12. Juni 1995 wartete Zbigniew W. in einem Mercedes-Taxi am Alten Peter. Das Taxifahren war ein Nebenjob für den damals 50-Jährigen. Kurz vor Mitternacht stieg ein Fahrgast zu ihm ins Auto. Der Mann sah gepflegt aus, der Fahrer hielt ihn für einen Arzt oder Rechtsanwalt. Der Gast wollte nach Zamdorf in die Eggenfeldener Straße.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er die Adresse nur angab, weil er in eine einsame Gegend wollte um den Fahrer zu überfallen. Markus Kraus, Chef der Mordkommission: „Der Täter trug wohl auch eine Perücke.“ Als Zbigniew W. am Ziel war und stoppte, zog der Fahrgast plötzlich eine Pistole aus einer Plastiktüte, richtete sie auf Zbigniew W. - und schoss!

Er traf den 50-Jährigen im Lendenbereich. Der Taxifahrer wehrte sich mit letzter Kraft, er kämpfte um sein Leben. Der Räuber schoss noch zwei Mal – eine Kugel zertrümmerte die Windschutzscheibe. Dann flüchtete er ohne Beute. Blutüberströmt verständigte Zbigniew W. per Funk die Taxizentrale. Ein Krankenwagen brachte ihn in eine Klinik, er wurde sofort operiert. Der Täter verschwand. Die Jahre vergingen.

Doch nun wurde der inzwischen 45-Jährige, ein Einzelhandelskaufmann, von seiner Vergangenheit eingeholt. Auf einer Zeitung, die er im Taxi vergessen hatte, wurden seine Fingerabdrücke gesichert. Sie führten schließlich zu seiner Verhaftung. Der Schütze war damals zu Besuch bei seiner Freundin in München gewesen. Nach der Tat kehrte er in seine mittelfränkische Heimat zurück.

Dort versuchte er später, ein Gardinengeschäft zu überfallen. Er wurde gefasst und zu zwei Jahren Haft verurteilt. Aufgrund dieser Tat landeten seine Fingerabdrücke in der AFIS-Datenbank beim Bundeskriminalamt, dem Automatischen Fingerabdruck-System.

Als die Abdrücke von der Zeitung 2010 erneut mit verbesserter Technik aufbereitet und mit den Abdrücken in AFIS verglichen wurden, meldete die Datei einen Treffer. Vor fünf Monaten wurde der mutmaßliche Schütze bei Fürth gefasst. Seitdem sitzt er in U-Haft.

Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger: „Wir werden bald Anklage erheben. Bei versuchtem Mord ist auch Lebenslang möglich.“ Zbigniew W. ist erleichtert: „Es ist gut, dass der jetzt gefasst ist“, sagte er zur AZ. Doch mit der guten Nachricht von der Verhaftung kamen auch die Bilder wieder. „Das Gefühl, wenn jemand auf Sie schießt, das vergisst man nicht. Jetzt muss der Richter entscheiden.“

 

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