Verstoßenes "Hexenkind" Eine Afrika-Geschichte, die Hoffnung macht

Das Hunger-Foto vom kleinen Hope verbreitet sich vor einem Jahr rasend schnell auf sozialen Netzwerken. Seine Lebensretterin Anja Ringgren Lovén (einmal blond, einmal brünett) hat jetzt ein neues Foto von ihrem Schützling gepostet. Foto: Anja Ringgren Lovén/Facebook

Vor einem Jahr kämpft Hope auf den Straßen der nigerianischen Stadt Abuja gegen den Tod. Seine Familie hält ihn für ein "Hexenkind", verstößt ihn. Jetzt geht ein Foto seiner Rettung um die Welt.

 

Abuje - Ein Kinderfoto aus Nigeria trifft die Welt vor einem Jahr mitten ins Herz: Ein kleiner Bub nuckelt verzweifelt an einer Wasserflasche. Er ist nur noch Haut und Knochen, Arme und Beine sind dünn wie Striche, seine Rippen zeichnen sich ab. Nackt, verwahrlost und von Würmern befallen steht der Bub im Dreck von Abuja.

Er ernährte sich von zugeworfenen Resten

Seine Familie hat den damals Zweijährigen verstoßen, weil er ein "Hexenkind" sein soll. Monatelang kümmert sich kein Mensch um ihn. Essen bekommt er nur, wenn ihm Passanten Reste zuwerfen.

Ein Jahr ist dieses Foto nun her. Es ist an dem Tag gemacht worden, an dem sich das Leben des kleinen Buben für immer verändern sollte. Dank der Kinderschutz-Aktivistin Anja Ringgren Lovén aus Dänemark. Sie ist es, die von der Geschichte des Verstoßenen hört, mit ihrem Team durch die Straßen Abujas zieht, um ihn zu suchen. Und sie findet ihn. Die 38-Jährige will das Kind auf keinen Fall zurücklassen und überredet die Dorfbewohner, ihr den Buben mitzugeben. Sie bringt ihn in ihr Kinderzentrum und nennt ihn: Hope. Hoffnung.

Mehrere Wochen muss Hope im Krankenhaus bleiben, wird behandelt und aufgepeppelt. Nach drei Monaten hat er schon kleine Pausbäckchen.

Der Unterschied könnte nicht größer sein

Nun hat seine Lebensretterin ein neues Foto von ihm bei Facebook veröffentlicht. Hope trinkt wieder von einer Wasserflasche, doch der Unterschied könnte nicht größer sein: Er ist gut genährt, gepflegt, trägt eine Schuluniform. Dazu schreibt die Kinderschützerin: "Ab dieser Woche wird Hope zur Schule gehen." In afrikanischen Ländern gehen Kinder häufig schon mit etwa drei Jahren in die Vorschule.

Die Dänin hat 2012 ihren Job als Filialleiterin gekündigt und in Eket mit einem örtlichen Kinderschutzbund ein Kinderzentrum für "Hexenkinder" gegründet. Sie nimmt sich dort ihrer an und lässt sie Kind sein. So postet sie etwa vor wenigen Tagen ein Bild aus dem "Land of Hope"-Kinderzentrum, das die Kleinen bei einem Strandausflug zeigt. Auch Hope ist dabei.

"Hope war so furchtlos und ist ins Wasser gesprungen. Es war schwer, ihn wieder aus dem Wasser zu bekommen", schreibt die Dänin amüsiert dazu. Hope hatte nie zuvor das Meer gesehen. Wie die Kinderschützerin bei Facebook weiter schreibt, wird derzeit wieder fleißig für das Kinderzentrum gebaut. Doch die Dänin will auch, dass die Kinder immer wieder in ihre Heimatdörfer zurückkehren, damit die Bewohner verstehen lernen: Sie sind keine Hexenkinder.

Weitere Informationen zu dem Hilfsprojekt und wie es unterstützt werden kann, gibt es unter www.dinnoedhjaelp.dk/de/

 

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