Versteckte Lebensmittel-Kosten Tollwood-Studie: Was Wurst, Milch und Co. eigentlich kosten müssten

Derzeit kostet der Liter Milch in der Produktion die deutschen Landwirte rund 26 Cent. Foto: ho

Eigentlich müsste das Schnitzel das Dreifache kosten, der Joghurt das Doppelte und auch Obst und Gemüse müssten mindestens ein Drittel teurer werden. Das zeigt eine neue Studie des Tollwood. Sie liefert noch andere Überraschungen.

 

München - Die Studie hat das Tollwood mit der Schweisfurth Stiftung bei der Universität Augsburg in Auftrag gegeben. Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, was Lebensmittel kosten müssten, würde man auch die von der Landwirtschaft verursachten Folgeschäden für Mensch und Umwelt mitberechnen. Untersucht wurden die Auswirkungen dreier wesentlicher Umweltbelastungen, die bei der Produktion von Lebensmitteln eine Rolle spielen: Stickstoff, Treibhausgase und Energieverbrauch.

Studie: Versteckte Kosten werden sichtbar

Beziffert man die Schäden, die diese für Mensch und Umwelt bedeuten, werden die "versteckten Kosten" unserer Nahrungsmittel sichtbar, wie Tobias Gaugler von der Universität Augsburg erklärt: "Für viele negative Klima-, Umwelt- und Gesundheitsfolgen, die sich aus der Produktion von Lebensmitteln ergeben, kommen aktuell weder die Landwirtschaft noch die Konsumenten auf." Ein Blick auf die Zahlen, macht schnell deutlich warum.

Studie: Fleisch und Eier wären in der Herstellung 196 Prozent teurer 

Denn zumindest konventionell hergestellte Produkte würden sich teils deutlich verteuern, müssten Lebensmittelerzeuger hierzulande auch für die von ihnen verursachten Umweltschäden aufkommen. Laut Studie wären Fleisch und Eier in der Herstellung in Deutschland 196 Prozent teurer.

Hoher Aufschlag auch auf Milchprodukte

Auf Milchprodukte gäbe es einen Aufschlag von 96 Prozent und pflanzliche Lebensmittel würden den Erzeuger 28 Prozent mehr kosten. Dass solche Preissteigerungen für den Verbraucher etwas weniger drastisch ausfielen, zeigt die Studie am Beispiel Milch. Derzeit kostet der Liter in der Produktion die deutschen Landwirte rund 26 Cent. Rechnete man die Folgekosten mit ein, müsste er 25 Cent teurer werden. Legten die Erzeuger das direkt um, würde die Milch im Supermarkt 1,05 statt 0,80 Euro kosten.

Dass wir trotz solcher Zahlen aber noch weit entfernt sind von einer Lebensmittelindustrie, die auch finanziell Verantwortung für die Folgen ihres Geschäfts übernimmt, wissen auch die Autoren der Tollwood-Studie: „Es bedürfte sicher eines großen Wandels in den Marktstrukturen“, sagt Gaugler. Trotzdem sollen die Zahlen ein Umdenken bewirken, auch bei den Verbrauchern.

Bio-Lebensmittel verursachen weniger Folgekosten

Denn für die hat die Studie auch eine gute Nachricht parat: Bio-Lebensmittel verursachen weit weniger Schäden und somit Folgekosten als ihre konventionellen Gegenstücke. So würde ein Ausgleich der Umweltbelastung für Bio-Fleisch und -Eier die Produkte für Erzeuger um 82 Prozent verteuern, ein Preisanstieg pro Kilo um 2,83 Euro. Milchprodukte wären um 35 Prozent oder 0,17 Euro pro Liter teurer. Und die Schäden, die pflanzliche Lebensmittel verursachen, würden die Bio-Produkte sogar lediglich um sechs Prozent oder 0,03 Euro pro Kilo verteuern.

 

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