Verräterische Fotos gesehen Hilfe aus der Ferne: Münchner (16) verhindert Suizid in Koblenz

, aktualisiert am 06.12.2016 - 17:48 Uhr
Felix rettete seinen Chatpartner. Foto: privat

Ein Münchner Eisenbahn-Fan sieht auf Instagram, wie sich ein Gleichgesinnter aus einem Internetforum das Leben nehmen will. Sein Anruf bei der Polizei rettet dem Teenager aus Koblenz wohl das Leben. 

 

Englschalking  - Alles was mit Lokomotiven zu tun hat, fasziniert Felix. Der 16-Jährige ist ein Trainspotter, so heißen heutzutage Eisenbahnfans. Ein Hobby, das viele für uncool halten. Trainspotter werden deshalb gerne verspottet. Felix hat bei Instagram ein spezielles Forum gegründet. „Trainspotter_gegen_Mobbing“, heißt es. Die Seite gefällt vielen Eisenbahnfans und hat bereits über 20 000 Beiträge.

Narben auf den Unterarmen

Über sein Hobby hat der Gymnasiast aus Englschalking vor etwa zwei Monaten einen 15-Jährigen aus Koblenz kennengelernt. Über „WhatsApp“ hielten die Teenager Kontakt. „Wir haben uns nie persönlich getroffen“, erzählt Felix.
Als der 11. Klässler am Montagabend mit Sebastian (Name geändert) chattet, fällt ihm auf, dass sein Spezl besonders niedergeschlagen ist. „Ich will einfach nur sterben“, schreibt Sebastian. Das ist nicht nur so dahergesagt. Das spürt Felix sofort: „Er war seit etwa sechs Wochen sehr traurig.“ Und noch etwas macht dem Schüler große Sorgen. Er sieht auf Fotos, dass Sebastian Narben an den Unterarmen hat. Sie stammen von Schnitten, die sich der 15-Jährige selbst zugefügt hat. Ritzen nennt Psychologen und Therapeuten dieses Phänomen.

Sebastian hatte erzählt, dass er Ärger in der Schule habe, dass ihn einige wegen seiner Hobbys mobben. Sebastian mag Pferde, fotografiert viel und hat einen Faible für Eisenbahnen. Zudem kommen Probleme Zuhause.
„Ich kann nicht mehr“, schreibt Sebastian. „Tschüss Felix“. Dahinter setzt er das Winkewinke-Smiley.
Felix bekommt es mit der Angst zu tun. Er ruft die Polizei. Zwei Beamte schauen bei ihm vorbei. Sie verständigten ihre Kollegen in Koblenz. Die Polizisten lassen das Handy des 15-Jährigen anpeilen und finden so heraus, wo Sebastian steckt.

Inzwischen befindet sich der Schüler in therapeutischer Betreuung in einer psychiatrischen Klinik.
Die Polizei in München lobte gestern ausdrücklich das umsichtige Verhalten des 16-Jährigen. Polizeisprecher Gottfried Schlicht: „Felix hat sich genau richtig verhalten.“

Trotzdem fühlt sich Felix nicht ganz wohl in seiner Haut. „Ich wollte nicht abwarten und nichts tun“, sagt er, „ich habe gespürt, dass Sebastian Hilfe braucht“. Jetzt hofft Felix, dass ihm der 15-Jährige nicht böse ist und ihm die Freundschaft kündigt, weil er die Selbstmordpläne nicht für sich behalten hat.

 

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