Vermieter zäunt Laden ein Miet-Krieg in der Maximilianstraße

Bauzäune vor den Bürklein-Arkaden in der Maximiliansstraße - das Gebäude wird entkernt. Blöd, dass das Pashmina (rechts) weiter verkaufen will. Foto: Loeper Foto: Loeper

Kein Strom, kein Wasser, keine Heizung und Bauzäune vor dem Geschäft: Trotzdem hat der „Pashmina Shop“ noch geöffnet. Dagegen geht der Vermieter mit allen Mitteln vor. Der Inhaber muss sogar die Polizei rufen.

 

München - Der große Kristalllüster flackert – aber egal, das Licht brennt noch im Pashmina Shop. Marc Rückle hat einen Generator im ersten Stock, der mehr schlecht als recht Strom erzeugt und leise röhrt. Das ist das Wichtigste. Der Laden muss geöffnet sein. Selbst, wenn kaum noch einer reinkommt.

Seit vergangenem Dienstag hat der Besitzer des „Pashmina Shop“ in der Maximilianstraße 6 keinen Strom, kein Wasser und keine Heizung mehr. Rückles Vermieter hat alles ausschalten und abdrehen lassen. Verkäuferin Eva sitzt mit einer Winterjacke hinterm Glastresen, zu ihren Füßen ein Heizstrahler. Alles wegen des Vermieters, murmelt Eva und schimpft dann: „Er respektiert nichts!“

Am Dienstag war der Generator noch nicht da, da hatten sie gar kein Licht, aber „einen super Umsatz“. Am Mittwoch kauften nur noch drei Kunden Kaschmir-Schals und -Pullover – weil Rückles Vermieter nun einen Bauzaun um die prächtigen Bürklein-Arkaden gegenüber der Oper gezogen hat. Wer rein will, muss lange verhandeln. „Das ist eine Baustelle, hier können Sie nicht rein“, sagt der Bauleiter erst und rüttelt an einer rostigen Kette. Eine alte Dame versucht es erst gar nicht.

Der Vermieter Urs Brunner hat über seine Firma Terrena Brunner KG, Tegernsee, die ehemalige Alte Münze gekauft. Er will das teilweise denkmalgeschützte Gebäude so weit es geht entkernen, um dann Büros, Läden und Gastronomie wieder einziehen zu lassen. Die typische Mischung, eben – und dafür müssen die alteingesessenen Geschäfte eben weichen.

Eine Baugenehmigung für sein Projekt hat Brunner noch nicht, das gibt er zu. Eine Teilgenehmigung für eine Baugrube sei „in Arbeit“ – dafür hat Brunner aber eine Abrissgenehmigung. Und deshalb will er jetzt keine Zeit mehr verlieren. „Jeder Tag zählt“, sagt Brunner. Rückle würde aber seine „Baustelle besetzen“. Hat er deshalb Strom, Wasser und Heizung abgestellt? Brunner sagt nur: „Das ist ein normaler Dissens. Die Anwälte sollen das jetzt klären.“

Rückle hält das eher für Mieter-Mobbing. Er ist der letzte Ladenbesitzer, der in den Arkaden ausharrt. Der Daniel Fendler-Laden ist raus, ebenso das berühmte Café „Opern-Espresso“. Rückle: „Wir sind seit sieben Jahren hier, wir sind eine Institution. Wenn ich jetzt raus muss, stehen wir alle auf der Straße.“ Brunner hat Rückle Montag vergangener Woche gekündigt, doch der sieht das nicht ein. Er ist der Ansicht, dass er bis Ende Dezember bleiben darf.

Urs Brunner besteht darauf, dass beide eine dreitägige Kündigungsfrist ausgemacht hätten. Die nahm er am vergangenen Samstag in Anspruch und kündigte an, dass am Dienstag abgerissen werde. Bis dahin müssten sie den Laden räumen. Da eskalierte die Situation.

Rückle ließ sein Geschäft durch einen Wachmann schützen. Am Dienstag um acht Uhr sei Brunner mit vier Arbeitern vor dem Laden gestanden und habe begonnen, die Schlösser auszutauschen, sagt der Geschäftsführer. Brunner sagt dazu nichts.

Rückle rief daraufhin die Polizei. Die musste zweimal antreten. Das erste Mal wegen der Schlösser, das zweite Mal wegen eines Handgemenges, bei dem sich Brunner und Rückle gegenseitig schubsten. Den Vorfall bestätigt Polizeisprecher Damian Kania auf Anfrage der AZ. „Sie sind aneinander geraten und haben sich gegenseitig wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch angezeigt.“

Marc Rückle hat jetzt ein Eilverfahren beantragt – ein Richter soll spätestens am Montag klären, ob die Zäune bleiben dürfen und ob er das Adventsgeschäft noch mitnehmen darf. „Dann gehe ich gerne“, sagt er.

 

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