Verkauf der Immobilien Milliarden-Poker um 32.000 GBW-Wohnungen

Bald fällt der Hammer: Nach einem monatelangen Bieterwettstreit für 32 000 Wohnungen der BayernLB wird sich in den nächsten Wochen entscheiden, wer neuer Besitzer wird. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

München – Eines der größten deutschen Immobiliengeschäfte seit Jahren steht kurz vor dem Abschluss: In den nächsten Wochen will die BayernLB bekanntgeben, welcher Käufer den Zuschlag für ihre Wohnungstochter GBW mit 32 000 Wohnungen erhält.

Ein Paket mit so vielen Wohnungen in gefragten Städten kommt nach dem jahrelangen Immobilienboom nicht mehr oft auf den Markt. In der Endrunde ist eine Handvoll Interessenten – darunter auch eine alte Bekannte: Die Augsburger Patrizia hat sich im vergangenen Jahr bereits Zehntausende Wohnungen der baden-württembergischen Landesbank LBBW gesichert und hofft nun auf noch mehr.

Warum muss die BayernLB die Wohnungen verkaufen? - Der Verkauf ist eine Auflage der EU-Kommission. Sie hat die BayernLB dazu verdonnert, sich radikal zu verkleinern und von Beteiligungen zu trennen. Bis 2019 muss die Landesbank fünf Milliarden Euro Staatshilfe an den Freistaat Bayern zurückzahlen, der sie mit Steuergeldern vor der Pleite bewahrt hatte. Auch die Landesbausparkasse LBS musste die BayernLB verkaufen: Sie ging Ende 2012 für 818 Millionen Euro an die bayerischen Sparkassen.

Wie viele Mieter sind von dem Verkauf betroffen? - Rund 80 000 Menschen leben zwischen Aschaffenburg und München in den Wohnungen der GBW. Allein in der Boomstadt München hält die GBW mehr als 10 000 Wohnungen – viele davon in Bestlagen wie Schwabing. Weitere große Standorte sind Nürnberg und Erlangen mit mehr als 5 000 Wohnungen. Der Rest verteilt sich auf Regensburg, Aschaffenburg, Landshut, Würzburg, Miltenberg am Main und andere Städte in Bayern. Die meisten der Wohnungen sind zu günstigeren Mietpreisen vermietet als ortsüblich. In München beispielsweise zahlen viele Mieter weniger als 10 Euro pro Quadratmeter – und damit deutlich weniger als die Durchschnittsmiete von mehr als 12 Euro.

Müssen die Mieter sich Sorgen machen? - Der Freistaat Bayern verspricht den Mietern eine bestmögliche Absicherung bei dem Besitzerwechsel der GBW. Alle Kaufinteressenten mussten eine Sozialcharta unterschreiben, die die Mieter der Wohnungen schützen soll. Für über 60-Jährige und Behinderte soll ein lebenslanger Kündigungsschutz gelten, für alle anderen beträgt die Frist zehn Jahre. Die Mieten dürfen insgesamt über einem Zeitraum von drei Jahren nicht um mehr als 15 Prozent steigen. Luxussanierungen sollen für die Dauer von fünf Jahren ausgeschlossen werden. Mieterschützern geht das aber längst nicht weit genug. BayernLB-Chef Häusler betont, für die Mieter sei so viel Schutz vereinbart worden, wie es den EU-Vorgaben nach überhaupt nur möglich gewesen sei. Bei Verstößen gegen den Mieterschutz drohten zudem hohe Geldstrafen.

Warum interessieren sich so viele Investoren für die GBW? - Seit der Finanzkrise stehen Immobilien bei Investoren wieder hoch im Kurs. Im Vergleich zu den historisch niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten wirft das „Betongold“ oft eine gute Rendite ab. Vor allem in den Großstädten wie Berlin, München und Hamburg hatte der Ansturm auf Immobilien in den vergangenen Jahren massive Miet- und Kaufpreiserhöhungen zur Folge. Aus Sicht vieler Investoren ist die GBW mit ihren vielen Wohnungen in attraktiven bayerischen Städten deshalb ein dicker Fisch: Rund zwei Dutzend mögliche Käufer haben sich in der ersten Runde des Bieterverfahrens gemeldet.

Warum kauft der Freistaat Bayern die Wohnungen nicht? - Grundsätzlich hätte sich Bayern an dem Bieterverfahren für die Wohnungen beteiligen können, befürchtete aber ein erneutes Beihilfeverfahren durch die EU-Kommission. SPD-Spitzenkandidat Christian Ude übte scharfe Kritik: Anders als der Freistaat seien die Kommunen bereit, die Wohnungen zu übernehmen – ein Konsortium der Städte München und Nürnberg bietet mit. Ude warnte, wenn ein privater Investor den Zuschlag erhalte, würden die Wohnungen Spielball der Spekulation – und die Mieter ihr erstes Opfer. Häusler sagte jüngst, unter den verbliebenen Bietern seien keine „Heuschrecken“, also keine Bieter, die nur kurzfristige Gewinninteressen verfolgten.

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