Verhandlung am Landgericht Ex-Playmate: Ich bin vergewaltigt worden

Nadine S. mit ihrem Anwalt Stephan Lucas im Strafjustizzentrum. Foto: anf

In einer Disco lernt Nadine S. (21) einen Mann (26) kennen. Sie gehen in ein Hotel. Dort soll er sich am Ex-Model vergangen haben.

 

München - Es hätte eine Geschichte sein können, wie sie viele durchzechte Nächte schreiben. Ein Mann trifft eine Frau, man findet sich anziehend, geht zusammen ins Hotel, liebt sich, um sich dann gleich wieder zu trennen. Party-Flirt, nennt man das. Oder One-Night-Stand.

Für Nadine S. (21) begann eine Nacht Ende Dezember 2014 genau wie so eine kurze Liebelei. Geendet hat der Abend, glaubt man Nadine S., jedoch ganz anders: mit einer brutalen Vergewaltigung.

"Sie ist zum Sex gezwungen worden", sagt ihr Anwalt

Nadine S., eine zarte Frau mit feinen Gesichtszügen, wirkt zerbrechlich, als sie am Montag in den Zeugenstand des Landgerichts tritt. Sie sei medizinische Fachangestellte, sagt sie, gerade im Mutterschutz. Model war sie auch, im Netz gibt es viele freizügige Bilder von ihr. Auch Playmate war sie schon.

Mit der selbstbewusst in die Kamera blickenden Frau aus dem Hochglanzmagazin hat Nadine S. an diesem Verhandlungstag jedoch nichts gemein. Sie spricht leise, als Zuschauer hört man sie im Verhandlungssaal ohnehin nur kurz, dann wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Das, was sie dem Speditionskaufmann Salim B. (26) vorwirft, ist da schon bekannt. Die Staatsanwältin hat es in ihrer Anklage verlesen. Es war der Abend des 27. Dezember. Nadine S. war mit ihrer Freundin Jessica M. aus, sie feierten im Crown’s Club in der Kultfabrik, lernten dort Salim B. und seine Freunde kennen – eine Gruppe Kumpels aus Mönchengladbach auf München-Kurztrip.

Angeklagter soll Opfer mit Lüge in Hotel gelockt haben

Die Männer luden die jungen Frauen in die VIP-Lounge ein, es gab Wodka und Whiskey, gemischt mit Saft und Cola. Salim B. und Nadine S. fingen an, sich zu küssen, soweit stimmen beide überein. Dann unterscheiden sich die Angaben. Nadine S. sagt, sie habe irgendwann ihre Freundin verloren. Salim B. habe ihr vorgemacht, dass Jessica M. schon mit seinen Freunden in ein Hotel vorgefahren sei. Dort könne man hinfahren – was beide taten.

Die Videoüberwachungsbilder des Motel One an der Rablstraße, die vor Gericht angesehen werden, zeigen beide noch eng umschlungen. Im Zimmer jedoch soll die Stimmung gekippt sein. Dann, als Nadine S. merkte, dass Salim B. gelogen und ihre Freundin eben nicht dort war.

Eigenes Labor in Wohnung: Prozess um Doping und Propaganda

B. habe Sex gewollt, S. nicht. "Sie wurde gegen ihren Willen zum Sex gezwungen", sagt ihr Anwalt Stephan Lucas; B. habe sie mehrere Male gewürgt. Noch in derselben Nacht wandte sich Nadine S. an den Hotelportier, um um Hilfe zu bitten.

Es steht Aussage gegen Aussage

Salim B. streitet die Vorwürfe am Montag ab. Er hat sich mit Hemd und Pulli schick gemacht für den Termin, versucht, sich sehr gewählt auszudrücken. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Schon im Crown’s Club habe man auf der Toilette Geschlechtsverkehr gehabt. Damit das geht, habe er der Klofrau 20 Euro in die Hand gedrückt. "So wie du tanzen kannst, bist du bestimmt gut beim Sex", habe S. zu ihm gesagt. "Nach dem Satz hat sich bei uns Sympathie aufgebaut", sagt B. Im Hotel habe man zwar keinen "Blümchensex" gehabt, aber auch dort: alles einvernehmlich. So steht es Aussage gegen Aussage.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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