Vergewaltigungen, Müll, IS-Kämpfer Diese Flüchtlingsmeldungen sind dreiste Lügen

Das Internet ist voller falscher Flüchtlingsmeldungen. Wir stellen Ihnen einige der dreistesten Fakes vor. Foto: mimikama.at

Im Internet kursieren seit Wochen zahlreiche Fälschungen, die Stimmung machen sollen. Hier zeigen wir einige von ihnen.

 

Die AZ-Leserin, die sich an uns wandte, war aufrichtig empört: "Ich habe ja nichts gegen Flüchtlinge, aber schauen Sie sich den Müll an – das geht doch nicht!" Im Anhang ihrer Mail war ein Bild zu sehen, auf dem es in der Tat katastrophal aussah.

Eine Online-Recherche ergab jedoch, dass es sich nicht um die Hinterlassenschaften von Flüchtlingen handelte, sondern um eine illegale Mülldeponie in Ungarn – anno 2012. Das Bild war von rechtsradikalen Internetseiten bewusst in den falschen Zusammenhang gestellt und verbreitet worden.

Kein Einzelfall. Als gäbe es nicht bereits genug Probleme, werden seit Wochen zunehmend systematisch unwahre Geschichten und irreführende Bilder in Umlauf gebracht. Hier dokumentieren wir einige der "Fakes".

Müll

Ein Klassiker unter den Hetzmeldungen. Ein anderes Bild, das auf Facebook hundertfach geteilt wurde, zeigt angeblich den verdreckten Münchner Hauptbahnhof. Die höhnische Bildunterschrift: "Was für eine kulturelle Bereicherung!"

Abgesehen davon, dass der hiesige Bahnhof tatsächlich an vielen Stellen nicht besonders ansehnlich wirkt, ist die Aufnahme nicht in München entstanden, sondern nach einem Rockfestival in Osteuropa. Kurios: Der verdreckte Bahnhof wird online auch als Leipzig, Dresden, Hannover, Hamburg und Berlin ausgegeben.

Kriminalität

Auch Asylbewerber begehen Straftaten. Laut André Schulz, dem Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamten, treten zehn Prozent von ihnen strafrechtlich in Erscheinung und 90 Prozent nicht. Bei den Tätern handele es sich vor allem um Albaner und Kosovaren sowie Georgier, während Syrer sich praktisch überhaupt nichts zuschulden kommen ließen.

Einige Täter geben sich perfiderweise als Syrer aus, werden aber bei der Vernehmung schnell entlarvt.

Ein schwieriges Thema, bei dem dubiose Internetseiten keinen Beitrag zur Aufklärung oder Versachlichung leisten – im Gegenteil: Zahlreiche Verbrechen sind schlicht erfunden. Vor allem angebliche Vergewaltigungen "deutscher Frauen und Kinder" durch Asylbewerber entspringen in nahezu allen Fällen der Phantasie und Böswilligkeit rechter Aktivisten.

Das schürt nicht nur Hass, sondern behindert auch zunehmend die Arbeit der Polizei: "Gerüchte über Flüchtlinge sind oft unwahr und überlasten die Beamten", berichtet die von Polizisten betriebene Internetseite Polizei-Mensch.de. "Wir müssen das dann prüfen, bis wir sagen können: alles erstunken und erlogen. Das bindet Arbeitskraft und Arbeitszeit", sagt ein Polizeisprecher.      

Extremismus

Das Bundesamt für Verfassungsschutz befürchtet, dass unter den Flüchtlingen, die nach Deutschland gekommen sind, auch Kämpfer des "Islamischen Staates" sein könnten. Identifiziert oder gefasst wurde bislang noch keiner.

Trotzdem: Die Gefahr ist real, Wachsamkeit gefragt. Doch manche "Asylkritiker" phantasieren eine Eskalation schon jetzt herbei und posten etwa Bilder von Bartträgern, die die Flagge der Terroristen schwenken. Dazu heißt es: "Flüchtlinge mit IS-Flagge greifen Polizisten an. Es beginnt."

In Wirklichkeit handelt es sich jedoch nicht um Flüchtlinge, sondern um Salafisten in Solingen bei ihrer Verhaftung 2012.            

Tausendfach geteilt worden ist auch eine angebliche Waffenlieferung an Flüchtlinge in Deutschland, damit sich diese gegen die "einheimische Bevölkerung" rüsten können. Eine Lüge. Das Bild stammt aus Griechenland. Und die Lieferung galt der Polizei im Sudan.   

Oktoberfest        

Beinahe kurios, aber gleichzeitig besonders perfide ist eine angebliche Petition eines Muslims: Die Wiesn sei eine "Beleidigung aller Gläubigen" und müsse verboten werden. Die Wahrheit hinter dem Wirbel: Es war nur ein Scherz aus England.

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Wenn Sie sich unsicher sind, ob eine im Internet verbreitete Meldung über Flüchtlinge der Wahrheit entspricht oder ein Fake ist, empfehlen wir Ihnen die Seite mimikama.at. Mimikama ist eine internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internetuser, die verdächtige Internetinhalte melden möchten.

 

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