Vergessene Pfade Wanderglück ohne Trubel - Fünf Touren im Chiemgau

Das Marterl nahe der Hofbauernalm. Foto: Michael Kleemann

Auf verlassenen Pfaden die Chiemgauer Alpen erkunden: Diese fünf Touren führen Sie auf spannende, noch nicht ausgetretene Routen.

 

Wer in den Ferien in die Berge will, weiß, es ist nicht einfach, Orte zu finden, an denen man alleine ist.

Dass Sie auf diesen fünf Touren niemandem begegnen werden, das können wir Ihnen freilich nicht garantieren. Aber eines ist sicher: Der neue Wanderführer "Vergessene Pfade: Chiemgauer Alpen" (Bruckmann, 20 Euro) zeigt Wege, die nicht zu den überlaufenen Zielen der Alpen gehören. Oder er führt auf wenig ausgetretenen Pfaden an bekannte Ziele.

Eines ist klar: Wer auf den stillen Wegen läuft, braucht etwas Orientierungssinn.

Unsicheren Gemütern sei das Buch noch mehr ans Herz gelegt, denn der Kauf berechtigt zum Download von GPS-Tracks, die einem mit Handy oder einem entsprechenden Gerät die Orientierung erleichtern.

Viel Spaß in den Bergen!

Tour 1: Hochscharten - Einsamer Gipfel bei Reit im Winkl

Ausgangspunkt: Weitsee-Röthelmoos

Dauer: 4,45 Stunden

Anspruch: mittel

Wegbeschreibung:

Busfahrer gehen von der Haltestelle (A1) zum Wanderparkplatz Weithsee Röthelmoos (A2). Dann folgt man dem Wegweiser "Reit im Winkl, Gräbenalm" auf einem Forstweg.

Nach wenigen Metern folgt man diesem Wegweiser linker Hand. Der Forstweg mündet in einen Wanderweg entlang des Kleinen Wappenbachs. Es geht bergauf. Über einige Stufen gelangt man zu den Almwiesen der Gräberalm (1).

Hier werden sämtliche Wegweiser ignoriert und es geht hinter der Alm nördlich. Dabei wird ein Zaun über eine Holzstufe gequert. Nun schlängelt sich ein unscheinbarer schmaler Pfad durch den Wald hinauf.

Später zweigt der Weg links ab und führt nun weitgehend eben durch die Steilhänge. An einer Weggabelung steigt man rechter Hand den ausgetretenen Weg bergauf, parallel dazu verläuft ein Bachgraben. Dann geht man über ein kurzes, flaches Wiesenstück (2).

Nun ist Spürsinn gefragt. Sogleich zweigt der Weg an einem Steinmännchen links bergauf ab in den Wald. An einem Sattel angelangt, überquert man einen Forstweg und folgt dem schmalen Bergpfad linker Hand wieder in den Wald. Der Weg führt nun unter eine Felswand und weiter noch in einigen Kehren bis zum Gipfel. In diesem Bereich dienen Steinmandl der Orientierung.

Zunächst wird der Ostgipfel erreicht. Unschwierig auf dem Bergkamm erreicht man über Schrofengelände den Westgipfel des Hochscharten (3).

Auf alten Karten ist hier ein Weg eingezeichnet, der weiterführt, doch dieser ist völlig zugewachsen.

Stattdessen erfolgt der Abstieg über dem Aufstiegsweg bis zum Wanderparkplatz, bzw. bis zur Bushaltestelle.

Tour 2: Kampenwand - Der bekannte Berg auf seltener begangener Route

Ausgangspunkt: Bahnhof Aschau

Dauer: 6,15 Stunden

Anspruch: schwer

Wegbeschreibung:

Vom Bahnhof können Sie mit dem Bus bis zur Talstation der Kampenwandbahn fahren. Ansonsten geht man vom Bahnhof Aschau (A1) in die Bahnhofstraße linker Hand in die Verlängerung der Kampenwandstraße und dort bis zur Talstation (A2). Die Tour verlängert das um eine halbe Stunde.

Nehmen Sie nun die Seilbahn zur Bergstation (A3). Von dort geht es dem Wegweiser "Kampenwand" nach zur Steinlingalm (1). Davor führt rechts der Weg durch die Schuttreisen hinauf zum Felsaufbau der Kampenwand.

Weiter steigt man zwischen den Felswänden wie in einer Schlucht auf, bevor es dann über die Stufen auf dem Kamm die letzten Meter zum Gipfel der Kampenwand (2) geht. Zurück nimmt man den gleichen Weg bis zur Bergstation Kampenwandbahn (3).

Kurz vor der Bergstation der Kampenwandbahn folgt man dem Steig zur Hofbauernalm. Bald gabelt sich der Weg. Man nimmt den rechten Steig mit dem letzten Wegweiser, der in südwestlicher Richtung über den Hängen der Mehlbeerwände führt, bis es dann hinunter zur Hofbauernalm (4) geht.

Hier kann man rasten. Nun geht es weiter in südwestlicher Richtung bis zu einer kleinen Kapelle. An dieser vorbei und dann weglos weiter über die Almwiesen hinab. Man hält sich in südwestlicher Richtung. Am Zaun, schon am Waldrand, führt eine gut erkennbare Pfadspur rechts über ein Gatter in eine Steilrinne. Diesem folgt der Pfad, zumeist etwas rechts davon, immer bergab durch den Bergwald, bis das Ende eines Forstweges erreicht ist.

Diesen überquert man, und sogleich geht es weiter auf dem Pfad nahe der Steilrinne bergab. Dann kommt eine Privathütte in Sichtweite.

Hier steigt man über einen breiten Schotterweg ab und erreicht fast die Hütte. Davor zweigt aber der Pfad rechter Hand ab und führt so durch die Berghänge des Klausengrabens westwärts. Einige Wegstücke sind manchmal nach starken Regenfällen abgebrochen, mit guter Trittsicherheit ist dieser Pfad aber gehbar.

Der Weg macht eine Kehre und führt so nach Osten. Nach wenigen Metern, an einer Gabelung, geht man wieder nach Westen (also rechts).

Der Weg führt weiter durch die Steilhänge des Klausengrabens mit einer kurzen Schrofenstelle. An einer schwer einsehbaren Gabelung führt der rechte Pfad durch Steilabbrüche ins Priental. Man folgt dem linken Weg weiter bergab, bis der Klausengrabenbach erreicht ist. Dieser wird überquert und man folgt talauswärts, also rechts, weiter der Pfadspur. Nach nur wenigen Metern ist ein Fahrweg erreicht, dem man rechts bergab folgt, bis der Wanderparkplatz Hainbach (5) an der Straße nach Sachrang erreicht ist.

Hier geht es auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den Prientalweg. Die Wegweiser "Aschau, Hohenaschau. Grenzenlos wandern", führen in die Ortschaft Bach (6) und dann entlang der Prien bis nach Aschau.

Hier geht es in die Zellerhornstraße und dann rechter Hand in die Schloßbergstraße. Von hier fährt ein Bus nach Aschau, oder man folgt der Hauptstraße bis dorthin.

Tour 3: Dandlberg - Mystische Waldpfade

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Dorfen

Dauer: 2,45 Stunden

Anspruch: mittel

Wegbeschreibung:

Vom Wanderparkplatz (A) geht es auf Teerweg zunächst nach Dorfen (1). An der Gabelung nun links in den Dandlbergweg und der Beschilderung "Dandlberg 54, 55" folgen. Es geht über Wiesen und am Waldrand vorbei, der Wegweiser "54, 55" und schließlich nur noch "55" dienen der Orientierung.

Über einen Schotterweg geht es durch den Wald und dann über einen Kamm bergauf bis zum Dandlberg (2). Dann führt der Pfad erst eben direkt an der Hangkante, dann zunehmend bergab aus dem Wald heraus. An einem Sendemast geht es links und man erreicht bald die Dandlbergalm (3).

Von dort wendet man sich auf breitem Schotterweg in östliche Richtung und folgt bergauf dem Schild "Steinkirchen, Dorfen". Danach geht es in leichtem auf und ab durch den Bergwald.

An einem Abzweig, an dem ein Schild zur Dandlbergalm steht (man kennt die Stelle schon vom Hinweg) geht es geradeaus und auf bekanntem Pfad zurück zum Ausgangspunkt (A).

Tour 4: Eibelkopf - Ein kleines Paradies

Ausgangspunkt: Bahnhof Geitau

Dauer: 4,45 Stunden

Anspruch: mittel

Wegbeschreibung:

Vom Bahnhof (A) geht es links in eine geteerte Fahrstraße. An einer Gabelung folgt man links dem Wegweiser "Fischbachau-Birkenstein", an der nächsten Weggabelung folgt man dem gleichen Wegweiser.

Es geht über einen Forstweg und dann am Schild "Kesselalm, Breitenstein" rechts bergauf. Nach einer Linkskurve geht es an der nächsten Weggabelung wenige Meter rechts bergab, dann zweigt ein Pfad rechts (Schild "Birkenstein") ab und führt zur Wallfahrtskirche Birkenstein (1).

Dort wird die Bachbrücke überquert und man hält sich rechts. Bergauf folgt man dem Wegweiser "Breitenstein, Kesselalm".

An der nächsten Weggabelung geht es links auf den Forstweg und bergauf. An der nächsten Gabelung geht es wiederum nach links und an einer Schranke mit dem Schild "Bucheralm" vorbei. Bis zur Bucheralm (2) folgt man nun dieser Beschilderung.

Direkt an der Alm folgt man dem Schild "Jenbachtal, Bad Feilnbach". An der nächsten Gabelung geradeaus in Richtung "Steingrabneralm". Man gelangt zu einem Wiesensattel und geht dort ohne Beschilderung links den Weg wenige Meter zur Steingrabenalm (3).

Noch vor der Alm geht man weglos rechter Hand im direkten Anstieg zum Gipfel des Eibelkopfs (4).

Nun geht es wieder zurück zur Steingrabneralm (3). An der nächsten Gabelung folgt man dem Wegweiser "Schwaigeralm" bis zu dieser (5). Von dort orientiert man sich an den Wegweisern "Birkenstein" und wandert auf dem "Premium-Wanderweg" bis zur Wallfahrtskirche (1) und auf bekanntem Weg zum Ausgangspunkt (A).

Tour 5: Riesenbergrunde - Ein Berg, auf den kein (offizieller) Weg führt

Ausgangspunkt: Bahnhof Aschau

Dauer: 5,15 Stunden

Anspruch: mittel

Wegbeschreibung:

Vom Bahnhof Aschau (A1) geht es links in die Bahnstraße bis zur Eisdiele und auf der Schulstraße über die Prien. Man folgt der Zellerhornstraße und geht rechts in den Heurafflerweg. Wer mit dem Auto anreist, geht vom Parkplatz Festhalle Aschau (A2) rechts in die Schloßbergstraße und gelangt über die Zellerhornstraße zum Heurafflerweg. Nun geht es durch einen Buchenwald in Serpentinen steil bergan, bis die Hofalm (1) erreicht ist. Hier kann man einkehren.

Man folgt nun dem Wegweiser "Frasdorfer Hütte". An der folgenden Gabelung folgt man wiederum rechts dem Wegweiser. An der folgenden Gabelung geht man geradeaus Richtung Soilach, Winterstube. Mit diesem Wegweiser orientiert man sich am nächsten Abzweig links. Neuerlich links geht es auch an der nächsten Gabelung nach "Grainbach. Kräuterwiese".

An einer Wegkreuzung geht man anschließend geradeaus und folgt dem Schild "Mittelstation, Winterstube". Dieser Beschilderung folgt man auch am nächsten Abzweig. Der Wanderweg mündet in eine Schotterstraße, dann geht es gleich links in einen Wanderweg, das Schild zeigt "Käseralm, Mittelstation" an. Nach einem Bergwald biegt man links ein ("Kräuterwiese, Grainbach"). Nach 20 Minuten bergab gehen, folgt man dem nächsten Abzweig nach links und ignoriert das Schild zur "Kräuterwiese".

Man folgt dem Schotterweg bergan bis zum Jägerstand. Von hier führt ein Steig durch Jungwald bergan. In der Folge taucht man in lichten Fichtenwald ein. Am Schild "77" (2) geht es dann links weiter bergan, bis der Abzweig zur "Riesenhütte" führen würde.

Diesem folgt man nicht, und nimmt stattdessen ein Stück weiter rechts den bergan führenden Pfad zum "Hochries".

Am Schild "Glenggraben" geht es weiter bergauf, bis das Schild "Hochries" neuerlich weiter bergan leitet.

Nun ist man wieder auf einem markierten Steig. Über Stufen gelangt man auf die Hochfläche der Riesenalmen und hält ein kurzes Stück zur Riesenhütte. Dann folgt man in Kammnähe einer Waldschneise linker Hand bergan östlicher Richtung. Über den Kamm geht es bis zum Gipfel des Riesenbergs (3).

Nun geht es zunächst auf gleichem Weg zurück. Dann geht es links auf einem Schotterweg mit der Beschilderung "Frasdof, Aschau" vorbei an der Riesenhütte (4). Letzterem Schild folgt man nun solange, bis nach einem Almgelände ein Schild "Hofalm, Aschau" nach rechts weist. Nach der Hofalm (1) folgt man der Aufstiegsroute.

Wandern in Zeiten von Corona

Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat einige Tipps parat, wie man sich in Pandemiezeiten verhalten soll.

  • Plan haben: "Im Idealfall meidet man derzeit die Hotspots", rät der DAV. Oder man nimmt weniger bekannte Anstiege. Wer kann, soll ausweichen: Touren unter der Woche statt am Wochenende gehen. Der DAV rät, frühmorgens aufzubrechen, um die Massen zu vermeiden.
  • Rücksicht nehmen: "Bitte nur erlaubte Parkplätze nutzen, platzsparend einparken, keine Einfahrten oder Privatgelände zustellen und fair und freundlich zueinander sein", schreibt der DAV. Denn das Wandern soll ja nicht der Natur oder den Menschen vor Ort schaden.
  • Defensiv agieren: Da die Bergwacht wegen Corona mehr Aufwand bei der Rettung hat, empfiehlt der DAV, bei der Tourenauswahl unter seinem Leistungsvermögen zu bleiben.
  • Abstand halten: Beim Sport gilt aktuell ein Mindestabstand von zwei Metern – auch in den Bergen. "Allerdings sollte man sich deshalb nicht selbst in Gefahr bringen", schreibt der DAV. Und man sollte auch nicht wild durch Bergwiesen trampeln und neue Pfade anlegen. "Besser: Vorausschauend den Weg begehen und vor Engstellen warten, um entgegenkommende Wanderer passieren zu lassen."

Wer wissen möchte, wie viel am Wunschziel bereits los ist, dem sei der Service www.oberbayern.de/ausflugs-ticker empfohlen. Hier lässt sich nachsehen, ob an touristischen Orten bereits zu viel los ist – und das, bevor man sich ins Auto oder in den Zug setzt. Auch das Chiemgau macht bei dem Angebot mit.

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