Vereinsbosse vs. Investor Kommunikation beim TSV 1860: Das Schweigen der Löwen

Die Protagonisten im Löwen-Kampf: Präsident Robert Reisinger (links) und Investor Hasan Ismaik. Nun wird auch Trainer Daniel Bierofka zum Opfer dieses Theaters. Foto: sampics/Augenklick

Der Streit zwischen den Vereinsbossen um Präsident Reisinger und Investor Ismaik ist festgefahren. Nun gerät auch noch Trainer Bierofka zwischen die Fronten – und das kurz vor einem wichtigen Spiel.

 

München - Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick weiß: "Man kann nicht nicht kommunizieren." Eine seiner fünf Grundregeln über die menschliche Kommunikation besagt: Man steht verbal oder nonverbal – ob man will oder nicht – jederzeit im Austausch mit seinen Mitmenschen.

Beim TSV 1860 müssen die Vereinsbosse - ob sie wollen oder nicht - mit Hasan Ismaik kommunizieren.

Dauerstreit bei 1860 - und das Schweigen der Löwen

Die Löwen und ihr Hauptgesellschafter gelten im deutschen Fußball gemeinhin als abschreckendes Beispiel eines einzigen Missverständnisses zwischen Profiverein und Investor.Der aktuelle Machtkampf zwischen dem Verein um Präsident Robert Reisinger sowie dem 2011 eingestiegenen Geldgeber Ismaik zeigt einmal mehr exemplarisch, wie Kommunikation eben nicht ablaufen sollte.

"In den acht Jahren seiner Teilhaberschaft haben sechs Präsidenten und acht Geschäftsführer gänzlich unterschiedlicher Persönlichkeit sich um ein gutes Verhältnis bemüht. Gelungen ist es – mit einer bekannten kurzzeitigen Ausnahme – auf Dauer noch keinem", erklärten Reisinger und Co. am Montag in einer Stellungnahme.

Dauer-Auseinandersetzungen, Beschimpfungen – lediglich unter Ex-Oberlöwe und Ismaik-Intimus Peter Cassalette schien alles anders. Seitdem herrscht es wieder – das Schweigen der Löwen.

1860-Ansage: Ismaik soll seinen Kommunikationsstil ändern

Reisinger ließ zuletzt kaum einen Zweifel daran, dass er keinen Wert auf direkte Kommunikation mit Ismaik legt. "Worauf wir uns als Vereinsvertreter nicht einlassen, ist ein Spiel der Gewährung von Audienzen", schrieben die 1860-Bosse und mahnten Ismaik an, auf "Maximalforderungen" zu verzichten und seinen "Kommunikationsstil" zu ändern.

Dieser hatte im munteren Vorwürfe-Ping-Pong im AZ-Interview Kollektiv-Rücktritte der Vereinsoberhäupter gefordert. Zudem verzettelte sich der Finanzier in Rassismusvorwürfen, die er lediglich mit der Nicht-Distanzierung Reisingers vom "Scheichlied" begründete.

Was die 1860-Bosse anbelangt, ist von Ismaik kein Entgegenkommen zu erwarten: Nach AZ-Informationen plant der Mitgesellschafter trotz seines angekündigten Besuchs der Boxabteilung im Herbst kein Treffen mit den e.V.-Bossen.

Kein Respekt gegenüber Trainer Bierofka?

Inmitten dieser Miss-Kommunikation sitzt Trainer Daniel Bierofka. Auffällig: Bierofka, den Sportchef Günther Gorenzel vor einigen Wochen im Gespräch mit der AZ "als Trainer ersetzbar, aber unersetzlich als Identifikationsfigur" bezeichnet hatte, wird nun von Reisinger und Co. als Übungsleiter bezeichnet, "auf den sich alle irgendwie einigen können".

Nebst eines Lobes, das die Vereinsoberen mit dem Verweis auf Bierofkas langfristigen und gut dotierten Vertrag garnieren, schreiben sie sinngemäß: Der Traditionsverein 1860 werde auch ohne die Ikone Bierofka existieren.

Je nach Lager-Zugehörigkeit des zutiefst gespaltenen Klubs könnte der Interpretationsspielraum größer kaum sein: eine absolut legitime und nachvollziehbare Aussage, sagen die einen. Eine Frechheit, dem ausgerechnet von Ismaik als "unantastbar" bezeichneten Bierofka so wenig Respekt zu zollen, meinen die anderen.

1860-Kommunikation: Von wegen "Vereinenstattspalten"

Warum die Vereinsbosse bei aller Frustration ein paar Tage vor dem wichtigen Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena am Samstag (14 Uhr, im AZ-Liveticker) eine solche Aussage gen Bierofka tätigen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Sie steht jedenfalls nicht im Zeichen der ausgerufenen Aktion "Vereinenstattspalten".

Vielmehr gleicht sie einer Zurechtweisung Bierofkas – und dürfte dazu führen, dass auch die Identifikationsfigur künftig eher schweigt, als sich durch seine Einflussnahme weiter angreifbar zu machen.

Übrigens: "Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt", schreibt Wissenschaftler Watzlawick. Auf Giesings Höhen wartet man weiter vergebens auf sachliche Debatten zwischen Ismaik und den Vereinsbossen.

AZ-Umfrage: 1860 ohne Bierofka - geht das überhaupt?

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