Verdacht auf Mordversuch Fall Pistorius: Chef-Ermittler ist Job los

Chef-Ermittler Hilton Botha ist seinen Job los - er wurde vom Fall Pistorius abgezogen Foto: dapd

Der Ermittler, der Pistorius vorsätzlichen Mord an Reeva Steenkamp vorwirft, steht nun selbst unter dem Verdacht des Mordversuchs.

 

Pretoria - Die Anhörung um die simple Frage, ob Paralympics-Star Oscar Pistorius nach den tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp auf Kaution frei kommt oder nicht, wird immer skurriler. Chef-Ermittler Hilton Botha steht seit Donnerstag selbst unter dem Verdacht des Mordversuchs in sieben Fällen. Dazu kommen zahlreiche Ermittlungspannen. Am Tag 3 der Anhörung steht die Anklage vor einem Scherbenhaufen. Botha wurde vom Fall Pistorius abgezogen.

Ermittler Botha soll 2009 mit Kollegen auf einen Minivan mit sieben Menschen darin geschossen haben um den Fahrer am Weiterfahren zu hindern. Laut Medienberichten waren die Polizisten zum Tatzeitpunkt betrunken. Der Fall wurde erst zu den Akten gelegt. Nun werden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Die paradoxe Situation: Der Chefermittler wirft gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Pistorius vor, in einem Anfall von Schießwut seine Freundin Reeva Steenkamp, vorsätzlich ermordet zu haben – nun steht Botha selbst wegen eines ähnlichen Delikts am Pranger. Und das genau während der Anhörung im Fall Pistorius. Alles nur Zufall? Wenn ja, dann schreibt das Leben im Magistratsgericht in Pretoria gerade eine fast unglaubliche Geschichte.

Am dritten Anhörungstag musste Botha nochmal ran. Er wurde am Abend aber vom Fall abgezogen. Barry Roux, Verteidiger von Pistorius, hatte sich den Chef-Ermittler schon am Mittwoch wie einen kleinen Schuljungen zur Brust genommen. Gestern war es dann Richter Desmond Nair, der nachhakte: Ob er dem Verbindungsnachweis des Handys von Reeva Steenkamp nachgegangen sei, fragte Nair den Polizisten. „Ich habe das einem Typen gegeben von dem ich weiß, dass er so etwas schnell macht. Aber der ging nach Kapstadt oder sonstwo hin. Dem wird nachgegangen“, druckste Hilton Botha herum. Nair: „Hat die Verstorbene denn in der Tatnacht zwischen 2 und 3 Uhr früh einen Anruf oder eine SMS erhalten? Botha. „Ich weiß es nicht“.

Um der absurden Anhörung noch die Krone aufzusetzen, wollte eine mysteriöse unbekannte Frau Details zur geistigen Verfassung von Oscar Pistorius aussagen. Das Gericht ging darauf nicht ein. Die Frau gibt jetzt ihre Aussage bei der Polizei zu Protokoll. Bizarr auch die Erscheinung von Oscar Pistorius. Der behinderte Star-Athlet wirkte müde und weggetreten. Es saß zusammengesunken im Saal, schluchzte ab und zu, blickte kaum auf – selbst als sein Verteidiger sprach. Die Entscheidung, ob Pistorius auf Kaution frei kommt, wurde auf Freitag vertagt.

 

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