Verborgene Grotte Rätsel um ein ominöses Denkmal

Das Verlies mit dem Heinrich-Heine-Denkmal im "Dichtergarten" gibt Rätsel auf... Foto: Petra Schramek

Eine weibliche Figur, eingesperrt in einem Verlies, erregt die Gemüter. Hinter der sitzenden Frau mit dem gebärfreudigen Becken steht ein bekannter Mann...

 

Maxvorstadt - Um das Heinrich-Heine-Denkmal in dem kleinen Garten zwischen Finanzministerium und Prinz-Carl-Palais ist eine Diskussion entfacht. Der Bezirksausschuss (BA) will wissen, warum der große Dichter ein, aus Sicht des BA, so unangebrachtes Denkmal hat.

So sieht die Erinnerungsstätte aus: Das Heine-Denkmal liegt abschüssig in einem Verlies hinter Gitterstäben. Wegen seiner jüdischen Abstammung hatte der Dichter, der von 1827 bis 1828 in München lebte, eine Professur an der Uni nicht bekommen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Exil in Paris. An diese Jahre, die Heine einst als "Matratzengruft" beschrieben hat, soll das verborgene Denkmal in dem kleinen "Dichtergarten" zwischen Hofgarten und Von-­der‐Tann­‐Straße erinnern.

Das alles klingt verständlich. Den Bezirksausschuss stört vielmehr, was sich hinter den Gitterstäben abspielt. Dort ist nicht etwa eine Büste zu sehen, die den großen Dichter nachbildet. Nein, stattdessen sitzt dort, in Bronze gegossen, eine große Frau, abgeleitet aus der griechischen Mythologie. Der Bildhauer Toni Stadler hat die Figur geschaffen. Zu Ehren Heines.

Im Bezirksausschuss werden Zweifel laut. Das Denkmal sei nicht angemessen und zu unverständlich, um Heines Verdienste hervorzuheben. Weder sei diese Figur, die wohl die Königstochter Nausikaa darstellen soll, dem Dichter würdig, findet die FDP-Politikerin Karin Hiersemenzel. Noch erkenne man zwischen Heine und der sitzenden "Frau mit dem gebärfreudigen Becken" einen Zusammenhang.

"Wir sind der Meinung, dass Heinrich Heine Besseres verdient hat", hatte Karin Hiersemenzel deshalb in einem Antrag formuliert. Auch andere Persönlichkeiten würden in dem "Dichtergarten" schließlich entsprechend gewürdigt. Zum Beispiel Chopin oder der russische Dichter Tjutschew, die auch einmal in München weilten.

Der BA in der Maxvorstadt hat die Bayerische Seen-­ und Schlösserverwaltung inzwischen gebeten, die Plastik zu überdenken und „die Angemessenheit wiederherzustellen“. 

Aber dort will man an dem Denkmal offenbar nicht rütteln.

Auf AZ-Anfrage hat die Verwaltung an diesem Donnerstag mitgeteilt: "Bei dem Denkmal handelt es sich um eine Werk des bedeutenden Bildhauers Toni Stadler (1888 bis 1982), einem mehrmaligen Documenta-Teilnehmer, dessen Werk in jedem Fall zu achten ist. Im Übrigen ist die Repräsentation durch allegorische Frauenfiguren durchaus üblich. So wird Kronprinz Rupprecht etwa im Kronprinz Rupprechthof ebenfalls mit einer weiblichen Brunnenfigur als Denkmal geehrt."

 

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