Varieté Kraftleichtigkeit im Showbeat

Handstand ohne Überschlag: Für seine Kunst hat Pavel Stankevych 2011 die Bronzemedaille beim Festival Mondial du Cirque de Demain in Paris gewonnen. Foto: GOP

Der Handstandmeister, eine Hula-Hoop-Königin, ikarische Artisten, ein Dampfquassler und ein sauberer Zauberer: Die neue Revue „Quilitz”
im GOP Varieté-Theater am Maxmonument

 

Ausgelaugt von Versagertalentsuchen der Privatsender landet man bei „Quilitz”, der neuen Show im GOP Varieté-Theater und spürt, dass die Glotze ein Auslaufmodell ist. Frei von Inhaltsstoffen wie Stroboskop und aufblasbarem Nichts sieht man Künstler wie den jungen ukrainischen Handstandmeister Pavel Stankevych, dessen Kraftleichtigkeit in Körper-skulpturen fließt – die auch als schwarzer Schatten auf weißer Leinwand eine berührende Eleganz haben.

Moderiert wird von Martin Quilitz, Comedian und Ex-Autor für die Harald-Schmidt-Show. Ein Dampfquassler, der vom Hundehaufen auf russische Oligarchen kommt, funkelnd spontan auf das Publikum reagiert, nur die Christian-Wulff-Gags gnädig entsorgen sollte. Mit ihm läuft Paul Nathan aus San Francisco durch den Abend, nach eigener Aussage ein „Ssauberer” mit „Ssaubertricks”, dessen Seil-durch-den-Körper-Nummer so komisch wie körpergeschickt ist.

Das Duo Manducas erweitert den Witz mit einer pumphosigen, schnauzbärtigen und liebevoll parodierenden Hommage an die Kraftkerle des vergangenen Zirkus’. Die Gegenwart ist Jongleur Thomas Jahnke, der zum Beat die Bälle pulsen lässt wie die Equalizer einer Stereoanlage. Wie bei der heißen Hula-Hoop-Russin Mila Roujilo, die die Reifen rotieren lässt, bis sie Libellenflügeln gleichen, sind das Schaueffekte, die ihre Wirkung ganz aus der Kunst der Artisten ziehen. Nur einen Reifen, dafür einen großen, hat Ethan Law, Mit, in, an dem er über die Bühne schwebt, kollert, kreiselt. Und zusammen mit Marie-Pier Campeau sieht man ihn bei ikarischen Spielen – heißt, er katapultiert seine Partnerin liegend mit seinen Beinen zum Saltoglück.

Bis zum 18. März dabei ist die Münchnerin Sophie Berner, deren Chanson-Pop mit Gitarrist noch Reifepotenzial hat. Und nur an diesem Abend Gast war Schauspieler Max Tidof, der mit einem Kunstraucherstückchen beglückte und sich dann von Paul Nathan die brennende Zigarette mit einer Peitsche löschen ließ. Wie bei vielen Momenten der Show hätte man Lust, das mal selber auszuprobieren. Man sollte dem Drang nicht nachgeben.

Bis 29. April im GOP Varieté-Theater, Maximilianstraße 47, www.variete.de, Tel.210288444

 

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