Valery Gergiev Mehr Stoff für den Klassik-Junkie

Figaro hier, Figaro dort: Der allgegenwärtige Valery Gergiev. Foto: dpa/Hochmuth

Ein Blick in den Terminkalender von Valery Gergiev, der zwischen Bayreuth, Salzburg und dem Rest der Welt pendelt

 

Vor 15 Jahren gab es in Bayreuth einen spektakulären Krach zwischen Wolfgang Wagner und der Sängerin Waltraud Meier. Sie fehlte wegen eines Auftritts bei den Münchner Opernfestspielen an einigen Probentagen. Ob es drei waren oder gar acht, das war damals umstritten, sicher war nur der Rauswurf am Hügel.

Heuer steht der – was die Anwesenheit bei Proben angeht – lässigste aller Dirigenten bei „Tannhäuser“ am Pult des Festspielhauses: Valery Gergiev. Wie oft er aber vorher schon mal da war, um musikalisch mit den Sängern zu arbeiten, das ist die Frage. Denn für ihn ist ein Tag, an dem er nicht irgendwo in der weiten Welt dirigiert, ein verlorener Tag. Das zieht er auch während seines Engagements am Grünen Hügel durch, wo er öfter wie Waltraud Meier fehlen dürfte.

700 Kilometer hin und zurück

Letztes Wochenende, das in Bayreuth sicher nicht probenfrei war, dirigierte er die Münchner Philharmoniker bei „Klassik am Odeonsplatz“. Am Montag, so erzählte er selbst nach dem Konzert, fuhr er wieder nach Bayreuth. Lang hat er es dort allerdings nicht ausgehalten: Am Donnerstag war er im 700 Kilometer entfernten schweizerischen Verbier, um ein gewiss nicht überprobiertes Konzert mit dem Festival Orchestra zu leiten.

Dort dirigiert Gergiev am kommenden Montag – einen Tag vor der Bayreuther „Tannhäuser“-Generalprobe – schnell noch die „Frau ohne Schatten“. Wer die Oper von Richard Strauss kennt, der weiß, dass es sich dabei um keinen Spaziergang handelt.

Nach der zweiten „Tannhäuser“-Vorstellung weilt Gergiev vom 31. Juli bis 2. August für drei Konzerte in Japan. Das unmittelbar anschließende Wochenende verbringt er mit drei Aufführungen in Wladiwostok. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn die Salzburger Festspiele nicht bereits am 15. August eine Neuinszenierung von Verdis Oper „Simon Boccanegra“ herausbrächten, die ebenfalls unter Gergievs musikalischer Leitung steht.

Und wenn ein Stau ist?

An den szenischen Proben kann er nur selten teilnehmen. Und Orchesterproben werden ohnehin überschätzt, denn die Wiener Philharmoniker kennen das Stück. Einen Tag vor der Premiere in Salzburg ist wieder ein „Tannhäuser“ in Bayreuth. Am 17. August übrigens auch, einen Tag danach wieder „Simon Boccanegra“, und zwar schon nachmittags um 15 Uhr.

Am vergangenen Sonntag darauf angesprochen, dass es keine gute Idee sei, im August mit dem Auto zwischen Salzburg und Bayreuth zu pendeln, erklärte Gergiev, dass er das Problem im Griff habe: Vermutlich kommt ein Lufttaxi zum Einsatz.

Schnell mal nach Japan

Auch am 20. und 21. August switcht Gergiev zwischen Verdi in Salzburg und Wagner in Bayreuth. Einen Tag ist er dann im finnischen Turku, am 23. August in Grafenegg. Für den 24. August verzeichnet Gergievs Kalender sogar gleichzeitige Auftritte in Niederösterreich und an der Salzach – was allerdings ein Fehler ist, weil das Konzert in Niederösterreich von Rudolf Buchbinder geleitet wird.

Am 25. August dirigiert Gergiev seinen vorerst letzten „Tannhäuser“. Dann rufen Luzern, Montreux und Puccinis „La fanciulla del West“ in St. Petersburg, ehe Gergiev spätestens am 10. September wieder deutschen Boden betritt: Dann dirigiert er die Münchner Philharmoniker in Berlin.

Das alles ist kein Geheimnis. Es ist öffentlich unter www.mariinsky.today im Internet nachzulesen. Vieles spricht dafür, dass Gergiev als ausgewiesener Wagner-Dirigent nach Bayreuth gehört. Aber warum die Salzburger Festspiele ihrem Publikum eine wohl überwiegend von Assistenten einstudierte Premiere antun und dem Klassik-Junkie Gergiev auf diese Weise mit zusätzlichem Speed versorgen, das darf man sich schon fragen.
 

 

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