USA Nach Amoklauf: Situation in Afghanistan eskaliert

Nach dem Massaker eines US-Soldaten an Zivilisten eskalieren die Spannungen in Afghanistan: Eine hochrangige Regierungsdelegation zur Untersuchung der Bluttat im südafghanischen Distrikt Pandschwai wurde am Ort des Amoklaufs von Aufständischen angegriffen.

 

Pandschwai/Kabul - Aus Sicherheitskreisen hieß es, ein Soldat, der den Tatort sicherte, sei getötet worden. Drei Menschen seien verwundet worden, darunter der Personenschützer eines Ministers.

Die Taliban forderten am Dienstag, den festgenommenen amerikanischen Amokschützen als Kriegsverbrecher anzuklagen. In einer Mitteilung von Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid hieß es weiter: "Im Gegenzug für die Ermordung unschuldiger Landsleute werden wir amerikanische Soldaten töten und enthaupten."

Ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa, der die von Präsident Hamid Karsai ernannte Delegation am Dienstag in den Distrikt Pandschwai begleitete, berichtete von Explosionen und Schüssen. Sicherheitskräfte erwiderten das Feuer der Aufständischen, die von verschiedenen Seiten aus angegriffen hätten. Zu dem Gefecht sei es gekommen, als die Delegationsmitglieder am Ort des Massakers Dorfbewohner in einer Moschee getroffen hätten.

Der US-Soldat hatte in der Nacht zum Sonntag im Distrikt Pandschwai nach afghanischen Regierungsangaben 16 Zivilisten ermordet, darunter neun Kinder. Das Massaker hat in Afghanistan Wut, Entsetzen und harte Kritik an den internationalen Truppen ausgelöst. Der Kommandeur der Nato-Truppen in Afghanistan, US-General John Allen, betonte, nach bisherigen Ermittlungen müsse man von einem Einzeltäter ausgehen.

Der TV-Sender CNN berichtete, der inzwischen inhaftierte Amokschütze habe 2010 bei einem Einsatz im Irak schwere Kopfverletzungen erlitten. Militärärzte hätten ihn dennoch für einen Einsatz in Afghanistan für tauglich erklärt. Die nicht näher bezeichneten Hirnverletzungen habe sich der heute 38 Jahre alte Soldat bei einem Autounfall zugezogen. Es handele sich um einen ausgebildeten Scharfschützen, der insgesamt dreimal im Irak gedient habe. Der Festgenommene verweigere die Aussage.

Erstmals seit dem Massaker kam es am Dienstag zu Protesten in Afghanistan. In der ostafghanischen Stadt Dschalalabad gingen Hunderte Studenten auf die Straße. Augenzeugen sagten, die Demonstranten hätten Parolen wie "Tod für Amerika" und "Tod für (US-Präsident Barack) Obama" skandiert. Die Proteste in der Hauptstadt der Provinz Nangarhar blieben friedlich.

Die Koranverbrennungen durch US-Soldaten in der Basis Bagram nördlich von Kabul vor drei Wochen hatten in Afghanistan weitaus schwerere Unruhen ausgelöst. Dabei waren mindestens 30 Demonstranten ums Leben gekommen. Auch in Dschalalabad waren bei gewaltsamen Protesten Menschen gestorben. Seitdem wurden außerdem sechs US-Soldaten durch afghanische Sicherheitskräfte getötet.

Nach dem Blutbad hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag bei einem Truppenbesuch im nordafghanischen Masar-i-Scharif mit Präsident Hamid Karsai telefoniert. Dabei hatte sie Karsai ihr persönliches Beileid und das der deutschen Bevölkerung anlässlich der "schrecklichen Tat des US-Soldaten" ausgedrückt.

 

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