US-Bundesstaat Massachusetts Mutmaßliche Fluchthelfer von Ex-Manager Ghosn festgenommen

Ex-Renault-Chef Carlos Ghosn war Ende 2019 spektakulär aus Japan geflohen. Foto: Marwan Naamani/dpa/dpa

In einer Kiste soll sich der Ex-Autoboss Carlos Ghosn Ende 2019 aus Japan abgesetzt haben. Dafür brauchte er Helfer. Zwei Verdächtige wurden jetzt in den USA geschnappt.

 

Washington - In den USA sind zwei Männer festgenommen worden, die dem früheren Autoboss Carlos Ghosn zu seiner spektakulären Flucht aus Japan verholfen haben sollen.

Die 27 und 59 Jahre alten Männer seien in Harvard im US-Bundesstaat Massachusetts wegen Fluchtgefahr zum Zwecke der Auslieferung nach Japan vorläufig festgenommen worden, erklärte die Sprecherin des Justizministeriums, Nicole Navas, auf Anfrage.

Michael und Peter T., bei denen es sich um Vater und Sohn handelt, sind in Japan angeklagt, weil sie Ghosn geholfen haben sollen, das Land zu verlassen. Sie sollten noch am Mittwoch in Boston per Videokonferenz einem Richter vorgeführt werden, wie die Sprecherin erklärte. Neben den beiden Festgenommenen gibt es in dem Fall einen weiteren mutmaßlichen Fluchthelfer.

Der ehemalige Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi war am 19. November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh dann Ende Dezember unter abenteuerlichen Umständen und unter Verstoß gegen die Kautionsauflagen in einem Privatjet nach Beirut. Er soll in einer Kiste versteckt gewesen sein, die am Flughafen als Gepäck für Musikinstrumente deklariert und nicht durchleuchtet wurde.

Aus den Gerichtsdokumenten aus Massachusetts geht unter Berufung auf die Behörden in Japan hervor, dass die Aktion über mehrere Monate geplant worden sein soll. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der 27-jährige Verdächtige in den Monaten vor Ghosns Flucht mehrfach nach Japan gereist sei, um den Ex-Manager zu treffen. Peter T. habe am 28. Dezember dann in einem Hotel in Tokio eingecheckt, wo er sich erneut mit Ghosn getroffen habe. Tags darauf - am Tag der Flucht - kamen Michael T. und ein weiterer mutmaßlicher Komplize in Japan an - mit zwei großen schwarzen Boxen, wie es in den Gerichtsdokumenten heißt. Die beiden Verdächtigen hätten sich als Musiker ausgegeben und in einem Hotel am Flughafen in Osaka eingecheckt.

Während sich Michael T. und der andere Verdächtige auf den Weg nach Tokio machten, habe Ghosn sein Haus ohne Gepäck verlassen und sich auf den Weg in das Hotel gemacht, in dem Peter T. zuvor eingecheckt hatte. Später hätten alle vier Männer gemeinsam das Hotel verlassen. Peter T. habe einen Flug nach China genommen, während Ghosn und die anderen beiden mutmaßlichen Fluchthelfer zum Hotel in Osaka fuhren. Die Unterkunft verließen am Abend jedoch lediglich zwei Männer - mit Gepäck und inklusive der schwarzen Kisten. Ghosn war nicht zu sehen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Ghosn sich in einer der Kisten versteckt hatte und der Kontrolle am Flughafen entging. Per Privatjet soll es dann in die Türkei gegangen sein. Am 31. Dezember äußerte sich Ghosn vom Libanon aus und geißelte Japan in einer Wutrede. Er wies alle Vorwürfe zurück und sprach von einer Verschwörung gegen ihn. Ghosn besitzt neben der französischen auch die libanesische und brasilianische Staatsbürgerschaft. Japan bemüht sich bei der libanesischen Führung um die Auslieferung des geflohenen früheren Autobosses. Japan hat mit den USA ein Auslieferungsabkommen - mit dem Libanon nicht. Die dortigen Behörden verhängten im Januar allerdings eine Ausreisesperre gegen ihn.

  • Bewertung
    0