Urteil ist da München: Baby in Vorgarten ausgesetzt - Haftstrafe für Mutter

, aktualisiert am 07.06.2019 - 11:09 Uhr
Die Angeklagte beim Prozessauftakt in München. Foto: Sina Schuldt/dpa

Im Prozess um ein ausgesetztes Baby ist die Mutter wegen versuchten Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

 

München - Weil sie aus Sicht des Gerichts mit ihrem eigenen Leben überfordert ist und kein zweites Kind wollte, hat eine Frau ihr Baby nach der Geburt in einer Hecke versteckt und sich aus dem Staub gemacht. Das Landgericht München I verurteilte die 27-Jährige am Freitag wegen versuchten Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen zu siebeneinhalb Jahren Haft.

Mutter legt Neugeborenes in Hecke ab

Laut Anklage hat sie im vergangenen August allein ein Kind auf die Welt gebracht, die Nabelschnur durchgebissen, das Neugeborene in die Hecke eines Vorgartens im Münchner Stadtteil Neuperlach gelegt und danach überstürzt und ohne ein Wort darüber zu verlieren die Heimreise nach Gießen angetreten. Das Baby wurde erst eine Stunde später stark unterkühlt, mit schweren Verletzungen von einer Passantin zufällig entdeckt - und überlebte nur deshalb.

Obwohl die Angeklagte einräumte, dass sie ein Kind geboren und dieses zurückgelassen habe, konnte auch am Tag der Urteilsverkündung nicht abschließend geklärt werden, wo der kleine Junge tatsächlich zur Welt kam. Die Mutter habe angegeben, dass der Fundort auch der Ort der Niederkunft war - daran hat das Gericht Zweifel.

Vermutlich befand sich Säugling in Steißlage

"In der Hecke ist es sehr beengt und es gab dort keine Spuren", sagte der Richter. Zudem habe die Nachgeburt einige Meter entfernt auf der Wiese gelegen. Hochschwanger war die Frau nach München gekommen, um eine Internetbekanntschaft zu treffen. Da auch der Mann weder von der Schwangerschaft noch der Geburt gewusst haben will, bleiben viele Fragen offen. Feststeht allerdings aufgrund der Verletzungen des Jungen, dass die Geburt alles andere als einfach gewesen sein muss.

Vermutlich befand sich der Säugling in Steißlage und wurde von der Mutter herausgezogen, wodurch er unter anderem drei Brüche erlitt. Dass sie kein zweites Kind wollte, hatte die Angeklagte laut dem Richter nicht nur in ihrem Bekanntenkreis erwähnt, sondern auch mehrere Monate vor der Geburt im Netz danach gesucht, wie ein Baby sterben kann. Außerdem habe die Frau nicht nur Probleme, ihren Alltag zu meistern. Sie fühle sich - aufgrund ihrer Gehörlosigkeit - oft missverstanden, suche die Schuld bei anderen.

"Das alles hätte ein weiteres Kind verstärkt", so der Richter. Trotzdem sei das Ganze keine Belastungsreaktion gewesen: Sie habe gewusst, dass das Baby kommt. "Sie hat das kleine, wehrlose Kind in die Hecke gelegt, in dem Wissen, dass es dort sterben wird", sagte der Richter. Gefasst, nahezu teilnahmslos nahm die Mutter das Urteil entgegen, das noch nicht rechtskräftig ist.

Er habe seine Mandantin darauf vorbereitet, sagte der Verteidiger. Es brauche Zeit das sacken zu lassen und müsse von der Gebärdendolmetscherin noch mal in Ruhe erklärt werden. Über eine Revision müsse man gemeinsam nachdenken.

 

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