AZ-Serie Tabu-Leiden: Schnarchen - Was Sie dagegen tun können

Schnarcher können zum Leidwesen der Mitmenschen Lautstärken erzeugen, die denen von vorbeifahrenden Lkw entsprechen. Foto: Bodo Marks/dpa

Lautes Schnarchen ist nicht nur für den Partner anstrengend, sondern kann auch für die Betroffenen zum Problem werden – wann ein Arzt helfen sollte.

 

München -  Drei Uhr nachts, und es geht wieder los: erst lautes Atmen. Schnell anstupsen, vielleicht hilft es. Nein, das Pfeifen beim Ausatmen fängt an. Jetzt ist alles verloren. Schon setzt das nervtötende Sägen ein – mit Rütteln ist jetzt nichts mehr zu holen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Auf die Couch umzuziehen birgt oft die beste Chance auf Schlaf, wenn man das Bett mit einem Schnarcher teilt.

Aber auch der Schnarcher selbst hat es nicht leicht. Schwierigkeiten mit der Konzentration, weniger Lust auf Sex und Kopfschmerzen am Morgen sind die Folgen.

Wie kommt es zum Schnarch-Geräusch? Durch die Vibration von Weichteilen in den oberen Atemwegen, häufig durch das erschlaffte Gaumensegel und Zäpfchen. Die Vibration erhöht sich, wenn die Muskelspannung beim Einschlafen abnimmt. Dabei kann es zu einer Verengung der oberen Atemwege kommen.

Wie laut können die Schnarchgeräusche werden? Die Lautstärke variiert stark. Dabei gibt es:
- Leise Schnarcher: Sie erreichen bis zu 35 Dezibel (dB). Das entspricht etwa dem Weckerticken oder Hintergrundgeräuschen im Haus, zum Beispiel dem Kühlschrank-Brummen.

- Mittellaute Schnarcher: Ab 40 dB wird der Lärm in der Nacht schon störender für Mitmenschen. 40 bis 60 dB entsprechen etwa der normalen Gesprächslautstärke, rund 70 dB sind’s bei einem vorbeifahrenden Auto. Und wer mit 80 dB schnarcht, hat ungefähr die Lautstärke eines Rasenmähers.

- Spitzenschnarcher: Sie erreichen bis zu 90 dB – und sind somit so laut wie ein vorbeirauschender Lkw. Der Lärm kann sogar Personen in der Nachbarwohnung stören.

Wie viele Menschen sind vom Schnarchen betroffen? Rund zehn bis 30 Prozent der Erwachsenen produzieren Nachtgeräusche. Mit zunehmendem Alter tritt Schnarchen häufiger auf. Bei Männern über 50 erwischt’s rund 60 Prozent, bei Frauen nach der Menopause ebenfalls 60 Prozent.

Welche verschiedenen Schnarcharten gibt es? Zum einen einfaches oder primäres Schnarchen. Dabei bleiben die Schlafqualität des Schnarchers und der Atemrhythmus ungestört. Diese Art ist durch laute Atemgeräusche gekennzeichnet – und: Es ist ungefährlich.

Schnarchen, Atemaussetzer, Luftschnappen

Schlimmer wird’s beim apnoischen oder obstruktiven Schnarchen. Das ist der Fall, wenn mit dem Schnarchen auch Atemaussetzer von mehr als zehn Sekunden mit heftigem Luftschnappen einhergehen. Man spricht hier von einer sogenannten Schlafapnoe.

Was passiert bei einer Schlafapnoe genau? Der Rachen verschließt sich zeitweise komplett – eine Atempause folgt. Zum Ersticken kommt es nur nicht, weil die verminderte Sauerstoffzufuhr im Gehirn eine Art überlebenswichtige Weckreaktion auslöst. Sie stört aber den Schlaf. Die Schlafapnoe kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben, etwa Herzinfarkt. Wer an Schlafapnoe leidet, ist morgens oft unausgeschlafen und erschöpft. Bei Männern kann es zudem zu Potenzproblemen kommen.

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Was sind denn die Ursachen für Schnarchen? Rachenmandeln, Übergewicht, Alter, Alkohol: All das kann das Risiko von Schnarchen erhöhen. Auch die Nase ist oft ein Auslöser. Denn der Luftstrom in der Nase kann so verändert werden, dass es zu Atemstörungen kommen kann. Das ist etwa bei einer Nasenscheidewandverkrümmung, aber auch bei Schnupfen oder Allergien der Fall. Die Rachenmandeln werden oft ein Hindernis für den Luftweg, gerade bei Kindern. Ebenso behindern Polypen die Nasenatmung. Bei Kieferfehlstellungen und erschlaffter Zunge kann der Luftweg ebenfalls verengt sein.

Alkohol und Medikamente als Schnarchverstärker

In Rückenlage tritt Schnarchen ebenso verstärkt auf. Denn die Schwerkraft wirkt auf Zunge sowie Kiefer und beide fallen zurück. Der Atemweg wird verengt. Schnarchverstärker sind auch Alkohol und Medikamente. Sie lassen die Muskelspannung schwächer werden, der Luftweg verengt. Rauchen verdickt die Schleimhäute und wirkt ebenso einklemmend.

Wann sollte man zum Arzt? Wenn jemand so laut schnarcht, dass er sogar selbst aufwacht oder seine eigene Umgebung stört. Am besten ist ein Besuch beim HNO-Arzt. Er untersucht die Nase und den Rachenraum, um mögliche Schnarch-Ursachen aufzudecken. Für eine genauere Analyse bekommen Patienten oft ein Schnarchtestgerät, das sie mit nach Hause nehmen. Es rekonstruiert den Atem und das Schnarchen und lässt somit eine genauere Diagnose zu. Zuvor sollte man sich aber vom Partner im Schlaf beobachten lassen, um den Ärzten so genauere Informationen über das nächtliche Problem geben zu können – mögliche Punkte: regelmäßiges Schnarchen, Atemstillstände, Körperlage.

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Neben HNO-Ärzten können auch Schlafmediziner oder Zahnärzte Betroffenen weiterhelfen. Auch ein Besuch bei den deutschlandweit 280 Schlaflaboren und schlafmedizinischen Zentren kann helfen.

Was können Betroffene gegen Schnarchen tun? Es gibt Sprays, Tabletten, Schnarch-Schnuller – doch bei keinem Hilfsmittel ist die Wirksamkeit bewiesen. Schnarchen sollte individuell therapiert werden. Meistens kann der Betroffene aber selbst was gegen das Schnarchen tun.

Schnarchen: Diese Tipps können helfen:

Nehmen Sie ab! - So verschwindet das Fett im Hals, welches den Luftweg einengt. Und verzichten Sie abends auf schweres Essen. Auch das lässt schlecht schlafen.

Verzichten Sie auf Alkohol! - Vor allem zwei Stunden vor Zubettgehen. Alkohol verringert die Muskelspannung, man schnarcht leichter.

Vermeiden Sie Rückenlage! - Denn die schwere Zunge rutscht in Rückenlage nach hinten in den Atemweg. Hier hilft das Einnähen von Tennisbällen in den Schlafanzug.

Verbessern Sie Ihre Schlafqualität! - Das geht etwa mit dem richtigen Kissen, geeigneter Matratze und Lattenrost. Und: Halten Sie das Schlafzimmer kühl!

Achten Sie bei Kindern auf den Kiefer! - Denn Fehlstellungen engen den Atemweg ein. Ein früher Besuch beim Kieferorthopäden schadet nicht.

Atmen Sie frei durch die Nase! - Bei Erkältungen sind die Schleimhäute angeschwollen, Mundatmung ist die Folge. Wer Nasentropfen und -spray nimmt, kann besser durch die Nase atmen. Auch Nasenpflaster können helfen.

Welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei manchen Scharchern kann eine Zahnschiene helfen. Für Schnarcher mit offenem Mund sind auch Bandagen geeignet. In diesem Fall wird der Unterkiefer mit einem elastischen Gurt so fixiert, dass der Mund nachts zugehalten wird. Einen ähnlichen Effekt hat eine Mundvorhofplatte. Sie wird zwischen die Lippen und die Zähne gesetzt. Eine Gaumenspange fixiert das Gaumensegel. Die Luft kann so ohne Widerstand die Atemwege passieren.

In Schlaflaboren raten Experten oft zu Atemmasken. Sie müssen nachts getragen werden und verhindern, dass die Atemwege zusammenfallen. Auch ein operativer Eingriff kann Schnarchen beheben. Das sollte aber immer die letzte Lösung sein.

Operationen für Scharcher: Zwei gängige Verfahren

Meistens übernimmt der HNO-Arzt Operationen. Neben einer Mandel-, Nasennebenhöhlen oder Nasenscheidewand-OP sowie Eingriffe am Zungengrund und Zungenbein gibt es auch:

Gaumenplastik: Hier wird das Gaumensegelzäpfchen nach oben genäht und Gewebe an der Nasenmuschel verdampft. Die Atemwege werden so wieder frei.

Radiofrequenztherapie: Der Arzt trägt bei der Methode Gewebe aus dem Rachenbereich mit Radiowellen ab; er strafft das restliche Gewebe.

Spezielle Schienen vom Zahnarzt?

Beim Schnarchen kann manchmal auch der Zahnarzt helfen. Um Schnarchen oder Schlafapnoe mit Atemaussetzern in den Griff zu bekommen, werden auch spezielle Zahnschienen („Protrusionsschienen“) verwendet. Der Münchner Zahnmediziner Dr. Thomas Vogt erklärt, was es damit auf sich hat.

- Wirkung: „Schnarchschienen sollen helfen, die Atemwege freizumachen und sie nicht weiter zu verengen“, sagt Zahnmediziner Thomas Vogt. Der Rachenraum bleibt geöffnet und die Lunge wird so mit genügend Luft versorgt, um das Blut mit genügend Sauerstoff zu sättigen. So könnten die Schnarchgeräusche abnehmen oder am Ende sogar ganz verschwinden.

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- Verwendung: Die Schiene wird laut Thomas Vogt vor dem Schlafengehen auf die Zahnreihen im Ober- und Unterkiefer gesetzt. Zwei seitliche Züge verbinden die beiden Schienen miteinander. Diese Züge üben einen leichten Druck auf den Unterkiefer aus und versetzen diesen etwas nach vorne. „So öffnet sich der Rachenraum und die Atemluft kann geräuschlos strömen“, sagt Vogt.

- Internet-Schienen: Thomas Vogt rät dazu, Zahnschienen individuell von einem Zahnmediziner mit Hilfe eines Gebissabdrucks anfertigen zu lassen und nicht auf Produkte, beispielsweise aus dem Internet, zu vertrauen. Denn nur der Arzt könne eine sorgfältige, vorausgehende Diagnostik und das exakte Anpassen der Schiene, zum Beispiel bei überkronten Zähnen, sicherstellen.

- Studien: „In klinischen Studien ließ sich nachweisen, dass die Vorverlegung des Unterkiefers das Schnarchen bei über 80 Prozent der Patienten deutlich reduziert“, sagt Zahnarzt Vogt. Auch die Gefahr einer Schlafapnoe könne sich so um 50 Prozent verringern.

Allerdings: Wenn der Verdacht einer Schlafapnoe besteht, sollte der Betroffene laut Thomas Vogt unbedingt zusätzlich einen HNO-Arzt aufsuchen.

 

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