Untersuchung im Stadtrat Ausbildungs-Report: So leben die Münchner Azubis

Die Untersuchung "Berufsausbildung und Wohnen in München" klärt darüber auf, wie das Leben als Azubi in München ist. Die AZ fasst detailliert zusammen. (Archivbild) Foto: dpa

Die Untersuchung "Berufsausbildung und Wohnen in München" liefert Anhaltspunkte rund um das Azubi-Leben in München. Die AZ fasst die Ergebnisse zusammen.

 

München - Wie läuft das Leben der Auszubildenden in München ab - wie leben und arbeiten sie? Welchen Schulabschluss haben sie und wie viel Geld steht ihnen für's tägliche Leben zur Verfügung? In welchen Verhältnissen wohnen sie und was sind die Pläne nach ihrer Ausbildung? Auf diese und weitere Fragen versucht die Untersuchung "Berufsausbildung und Wohnen in München", Antworten zu finden. Die Ergebnisse wurden am Dienstag im Münchner Stadtrat bekannt gegeben - die AZ stellt sie im Detail vor:

Geschlecht

Das Geschlechterverhältnis an Münchens Berufsschulen nimmt sich nicht viel - 45,4% der befragten Personen sind weiblich, 54,6% männlich.

Jedoch streut der Frauenanteil zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen sehr stark. So sind beispielsweise bei den Medizinischen Fachangestellten 98% weiblich, bei den Rechtsanwaltsfachangestellten 94%. Dagegen liegt der Frauen-Anteil in einigen technischen und handwerklichen Berufen bei unter 10%.

Migrationshintergrund

67,2% der Befragten sind deutsche Staatsangehörige ohne Migrationshintergrund, 18,8% Deutsche mit Migrationshintergrund und 14% kommen (gebürtig) aus einem anderen Land.

Ähnlich wie beim Geschlecht gibt es auch bei der Frage des Migrationshintergrundes große Unterschiede in der Wahl des Ausbildungsberufes. So ist der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei den (Zahn)-Medizinischen Fachangestellten mit 77%, bzw. 75% am höchsten, gefolgt Verkäufern (67%) und Einzelhandels-Kaufleuten (53%).

Berufe mit geringen Anteilen an Auszubildenden mit Migrationshintergrund sind zum Beispiel Technischer Produktdesigner (5%) oder Sozialversicherungsfachangesteller (9%).

Schulabschluss

Mit 53% dominiert an den Berufsschulen die Mittlere Reife. 8,6% der Berufsschülerinnen und -schüler haben den Mittelschulabschluss, 18,7% den Qualifizierenden Mittelschulabschluss, 8% Fachabitur und 11% das Abitur. Lediglich 0,7% verfügen über keinen Schulabschluss - anders wie oft vermutet wird.

Zeit zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn

59,7% der Befragten haben die Berufsausbildung unmittelbar nach der Schule angetreten. 16,1% haben zwischen Schule und Berufsausbildung für eine bestimmte Zeit lang gearbeitet - meist ein Job auf 400€-Basis. 5,6% haben bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen.

Deutschen ohne Migrationshintergrund gelingt es häufiger, unmittelbar nach der Schule eine Berufsausbildung anzutreten (64,4%) als Deutschen mit Migrationshintergrund (52,1%) oder ausländischen Jugendlichen (48,3%).

Zeit nach der Berufsausbildung

Nach Ende ihrer Berufsausbildung möchten 62,6% der Befragten in direktem Anschluss weiter in ihrem erlernten Beruf arbeiten – 48,3% im Ausbildungsbetrieb und 14,3% in einem anderen Betrieb. 8,1% möchten eine Berufsoberschule besuchen.

Die Gründe der Jugendlichen, nach der Ausbildung ihren Beruf in einem anderen Betrieb ausüben zu wollen, sind unterschiedlich und vielseitig. Häufig verweisen die Jugendlichen darauf, dass sie Erfahrungen in anderen Betrieben oder Sparten sammeln möchten. Einige erhoffen sich durch einen Wechsel des Arbeitgebers bessere Karriere- oder Verdienstmöglichkeiten. Andere suchen nach einem Arbeitsplatz, der näher an ihrem Wohnort liegt oder wechseln in den elterlichen Betrieb.

Schließlich verweisen Befragte auch darauf, dass sie wechseln müssen, weil sie von ihrem Betrieb nicht übernommen werden.

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Körperliche Beschwerden durch die Ausbildung

22,4% der Azubis geben an, körperliche oder andere Beschwerden zu haben, die sie auf die Arbeit im Betrieb zurückführen. In etwa der Hälfte dieser Fälle handelt es sich um Rückenbeschwerden.

Am häufigsten geben angehende Konditoren (58%), Friseure sowie Zahnmedizinische Fachangestellte (jeweils 48%) an, körperliche Beschwerden in Zusammenhang mit ihrer Ausbildungstätigkeit zu haben.

Wohnung und Wohnsituation der Auszubildenden

Zum Zeitpunkt der Befragung wohnten 75,1% der befragten Auszubildenden bei ihren Eltern oder einem Elternteil, 16,2% in einer eigenen Wohnung, die restlichen Prozent in einer anderen Wohnfrom, wie zum Beispiel einer Wohngemeinschaft oder einem Wohnheim.

Männliche Auszubildende (rund 78%) leben häufiger bei ihren Eltern als weibliche Auszubildende (rund 72%). 8,3% wohnen mit ihren Partnern zusammen. Am höchsten sind die von den Auszubildenden aufzubringenden Mietkosten (inklusive Nebenkosten) bei einer eigenen Wohnung mit durchschnittlich 498 Euro im Monat. Im Wohnheim betragen sie 440 Euro, in einer Wohngemeinschaft 367 Euro. Für ein Zimmer zur Untermiete sind 291 Euro und für die Unterkunft beim Ausbildungsbetrieb 196 Euro fällig.

Zahlreiche Auszubildende geben an, dass sie gerne eine eigene Wohnung in München hätten, sich eine solche angesichts der hohen Mietkosten jedoch nicht leisten können. Viele derjenigen, die in einer eignen Wohnung leben, betonen, dass sie sich finanziell sehr einschränken müssen.

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Vergütung der Ausbildung

Im Durchschnitt beträgt die monatliche Ausbildungsvergütung 607 Euro (alle Beträge im Folgenden sind netto). 52,2% der Auszubildenden erhalten monatlich zwischen 501 und 700 Euro. Im ersten Ausbildungsjahr beträgt die Ausbildungsvergütung im Durchschnitt 571 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 622 Euro und im dritten 647 Euro.

Zwischen den Berufen schwankt die Ausbildungsvergütung sehr stark. Zahntechniker erhalten 332 Euro, Fotografen 355 Euro und Friseure 403 Euro. Bei Fertigungsmechanikern beträgt die Ausbildungsvergütung 772 Euro, bei Bankkaufleuten 757 Euro und bei Industriekaufleuten 736 Euro.

Weibliche Auszubildende erhalten eine monatliche Ausbildungsvergütung von durchschnittlich 588 Euro, männliche von 623 Euro. Deutsche Auszubildende ohne Migrationshintergrund verdienen durchschnittlich 616 Euro, deutsche mit Migrationshintergrund 596 Euro, ausländische 580 Euro.

 

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