Unterhaltsamer Dokumentarfilm "Immer weiter laufen": Porträt von Sahra Wagenknecht in der Kinokritik

Sahra Wagenknecht. Foto: Salzgeber

Porträt einer Undurchdringlichen: Sandra Kaudelkas unterhaltsamer Dokumentarfilm "Wagenknecht". Die AZ-Kritik.

 

Eine Frau in ständiger Bewegung. Mal auf dem Fahrrad, mal im Auto und vor allem zu Fuß. Als Kinoheldin taugt Sahra Wagenknecht schon deshalb, weil sie einen Vorwärtsdrang mitbringt, der die Bilder umso mehr zum Laufen bringt. Die Kamera kann ihr oft nur wackelnd hinterherhetzen, was den neuen Dokumentarfilm von Sandra Kaudelka zum rasanten Porträt einer Ruhelosen macht.

Filmteam begleitet den politischen Alltag

Sandra Kaudelka hat ihr Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin mit dem Dokumentarfilm "Einzelkämpfer" abgeschlossen. Darin war sie vier ehemaligen DDR-Sportlern dicht auf den Fersen. Genau diesen Film schickte sie Sahra Wagenknecht und konnte damit die Galionsfigur der Linken überzeugen, dass es doch ein lohnenswertes Unternehmen sei, wenn ein kleines Filmteam ihr sportlich durch den politischen Alltag folgen würde.

Los ging der Dreh während des Bundeswahlkampfs 2017, aber Kaudelka setzt das Ende an den Anfang: Wagenknecht auf dem Rennrad, ihren Lieblingsberg, den Mont Ventoux in der Provence, hochradelnd, ihr Atem beschleunigt. Gleichzeitig ist aus dem Off zu hören, wie sie 2019 ihren Rücktritt von der Spitzenpolitik bekannt gab: Die Gesundheit würde ihr Grenzen setzen, den Dauerstress könne sie so nicht mehr mitmachen. Der Film erzählt nun im Rückblick, in pointiert montierten Bildern genau von jenem Stress, der zum Rückzug führte.

Wagenknecht galt als große Hoffnungsträgerin

Als Co-Fraktionsvorsitzende war sie 2017 die große Hoffnungsträgerin der Partei, bei Wahlkampfveranstaltungen umjubelt, innerhalb der Partei jedoch von Genossen umgeben, die ihr zunehmend die Führungsposition streitig machten. Anstatt vereint gegen die Rechte anzukämpfen, verschliss sich die Partei in internen Machtkämpfen.

In der Folge gründete Wagenknecht eine kritisch beäugte Sammlungsbewegung für die linken Parteien. Wie bei einer Besprechung der Name dieser Organisation bestimmt werden soll – angedacht ist "Ahoi", am Ende steht das Label "Aufstehen" – wirkt im Film wie ein satirischer Sketch auf den Irrsinn des Politikbetriebs. Als sympathische Mitstreiter hat Wagenknecht den Pressechef der Linken, Michael Schlink, oder ihren Chauffeur zur Seite. Sie werfen einen, natürlich positiven, Außenblick auf ihre Chefin. Weil sie öffentlich für die Begrenzung der Zuwanderung plädiert, gerät Wagenknecht zunehmend in die Kritik – bis der Druck nicht mehr zu ertragen ist.

In Bewegung werde sie weiter bleiben, auch in der Politik, meinte Wagenknecht auf der Berlinale. So unterhaltsam Kaudelkas Dokumentarfilm ihr auf den Fersen ist, die Privatperson Wagenknecht bleibt ein Geheimnis.


Kino: Monopol (D, 99 Min.)

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading