Unmut im Bayerischen Rundfunk Programmreform beim BR: Heißer Flurfunk

Schriftsteller Jörg Maurer im „Lido“-Beitrag. Angeblich stehen die Literatursendungen des Bayerischen Fernsehens auf der Kippe. Foto: BR/Ickert/dpa

Die geplante Programmreform des Bayerischen Rundfunks führt zu Frust und Verunsicherung bei den Mitarbeitern.

 

München - Das Wort Revolution hört man sicher nicht so gerne beim Bayerischen Rundfunk, aber die derzeit diskutierte Prorammschemareform wird deutliche Spuren hinterlassen. Eine der geringeren Folgen dabei ist noch die künftige Übernahme der „Tagesschau“ um 20 Uhr ins Dritte Programm, was zu einer regionaleren Ausrichtung der „Rundschau“ und einer möglichen Boulevardisierung der „Abendschau“ führen könnte. Angetrieben wird die Reform vor allem aus zwei Gründen: der Sparzwang durch die Einfrierung der Haushaltsabgabe und die Erkenntnis, dass das Bayerische Fernsehen ganze Bevölkerungsschichten kaum erreicht und kein familientaugliches Programm bietet.

„Es soll nichts verschwinden, wir wollen Sendungen neu aufstellen und Themen anders gewichten“, hatte der Programmbeauftragte des Bayerischen Fernsehens, Andreas Bönte, zwar im Gespräch mit dem Mediendienst DWDL beschwichtigt. Aber auf dem BR-Flurfunk werden ganz andere Geschichten erzählt. Vor allem in der Kultur gärt es. Angeblich stehen im Bayerischen Fernsehen die einzigen Literatursendungen, „Lido“ und „Lesezeichen“, auf der internen Abschussliste. Das wäre nicht nur schwerlich mit dem Bildungsauftrag zu vereinbaren, sondern beträfe auch die Arbeitsplätze der sogenannten festen freien Mitarbeiter. Einigen von ihnen soll schon nahegelegt worden sein, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen.

Der Bayerische Rundfunk dementierte gestern allerdings nach einer AZ-Anfrage, dass Entscheidungen schon gefällt worden seien: „Die Programmschemareform des Bayerischen Fernsehens wird momentan noch intensiv beraten, unter anderem auch im Rahmen einer Rundfunkratssitzung am 30. Juli 2015. Ziel der Reform ist unter anderem, bestehende Sendungen neu auszurichten, den sich ändernden Nutzungsgewohnheiten und Bedürfnissen der Zuschauer besser Rechnung zu tragen und mehr Orientierung zu geben“, heißt es in einer Stellungnahme aus der Programmplanung. „Über einzelne Sendungen und Sendeplätze wurde noch nicht entschieden. Details der Reform werden nach der Beratung im Rundfunkrat bis Herbst weiter erarbeitet und ausgestaltet. Der Rundfunkrat wird nach einer weiteren Überarbeitung erneut unterrichtet und das Konzept in endgültiger Form dann der Öffentlichkeit vorgestellt. Kurz: Es kann sich noch vieles ändern.“

Bönte selbst deutete bei DWDL an, man könne Kulturthemen, die jetzt über mehrere Plätze im Programm verstreut seien, neu zusammenfassen. Veränderung aber bedeutet Verunsicherung der Mitarbeiter: Die Zukunft des Gesellschaftsmagazins „Jetzt mal ehrlich“ ist offenkundig so unsicher, dass sich Freunde der Sendung im Netz formieren und eine Petition zum Erhalt der Sendung gestartet haben.

Die spürbaren Kürzungen im Programm betreffen aber keineswegs nur das Bayerische Fernsehen; die Kollegen im Hörfunk sind ebenfalls betroffen – mit den bereits bekannten Begleiterscheinungen für die festen Freien: weniger Beiträge, geringere Bezahlung. Die wahre Revolution steht dem BR allerdings noch bevor: Der Umzug aller Redaktionen nach Freimann in die noch zu errichtende Kathedrale der Trimedialität.

 

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